Krems , Gföhl

Erstellt am 03. Januar 2019, 04:58

von Franz Aschauer und Martin Kalchhauser

Rauchen ab 18: Viel Skepsis im Bezirk Krems. Wirte erwarten negative Konsequenzen. Jung-Raucher kümmert sich nicht um das neue Gesetz.

Symbolbild  |  Shutterstock/NeydtStock

Rauchen und Spirituosen erst ab 18 Jahren – das sind die zwei zentralen Punkte der neuen Jugendschutzbestimmungen, die ab 1. Jänner 2019 gelten. Die NÖN fragte die im Bezirk davon Betroffenen nach ihrer Meinung. Das Resümee: Die Freude hält sich in Grenzen. Vielmehr überwiegen Skepsis und Kritik.

Auch bei der Polizei gibt es keine Luftsprünge wegen der neuen Regelung. „Das Thema Jugendschutz ist wichtig, keine Frage“, meint Bezirkspolizeikommandant Manfred Matousovsky. „Aber eine Kernaufgabe der Polizei ist das nicht.“

Rauchpause. Die Zigarette ist Jugendlichen unter 18 Jahren ab dem kommenden Jahr verboten.  |  Africa Studio /Shutterstock.com

Obwohl die primäre Sorge der Exekutive die Sicherheit sei, würden die Beamten natürlich auch im Zusammenhang mit dem neuen Gesetz ihren Beitrag leisten. So könne er sich beispielsweise vorstellen, dass es „Kontrollen im Zuge der normalen Arbeit“, etwa beim Sicherheitsdienst auf der Straße und bei Veranstaltungen, geben werde. Nicht zu erwarten seien hingegen Schwerpunktaktionen im Zusammenhang mit dem neuen Gesetz, so Matousovsky.

Was die paradoxe Situation betrifft, dass ein heute 16-jähriger Raucher ab dem 1. Jänner seinem Laster für zwei Jahre absagen muss, weil er sonst ab dem Jahreswechsel illegal unterwegs ist, kostet den obersten Polizisten im Bezirk ein Kopfschütteln: „Ich befürchte, dass es einfach schlagartig mehr illegale Raucher geben wird.“

Einer, der ab jetzt in diese Kategorie fällt, ist Alexander G. (17), aus Langenlois. Seit er 15 ist, raucht er. Abstinent bleiben bis zu seinem 18. Geburtstag in vier Monaten möchte der Kamptaler nicht. „Warum sollte ich aufhören? Für mich ist das total unlogisch. Es hätte für diejenigen, die schon rauchen durften, eine Ausnahmeregelung gemacht werden sollen.“ Angst vor Kontrollen habe er ebenfalls nicht.

„Ausweiskontrolle wird bis 5 in der Früh verlängert“

Noch problematischer als die neue Raucherregelung sehen die Wirte die Anhebung des Mindestalters für den Konsum gebrannten Alkohols. Helmut Preiser, Besitzer der Diskothek „Apollon“ (Zutritt ab 16) in Großreinprechts, sieht einen Mehraufwand auf sich und sein Team zukommen. „Die Ausweiskontrolle wird bis 5 Uhr in der Früh verlängert. Und alle Gäste, die älter als 18 Jahre sind, bekommen einen Stempel auf den Handrücken, damit das Personal weiß, wem es was ausschenken darf.“

Bei Kontrollen komme trotzdem immer der Wirt zum Handkuss, so Preiser. Denn wenn ein 18-Jähriger eine Flasche Whisky kauft und einem 16-Jährigen etwas davon abgibt, würde letzterer immer sagen, er habe das Getränk vom Kellner erhalten.

Zusätzliche Maßnahmen im Sinne des Jugendschutzes plant Preiser auch für die Wigwamparty im Gföhlerwald, eine der größten Partys im Bezirk. „Es wird zwei Eingangsschleusen geben. Eine für die Jugendlichen unter 18, eine für die Älteren. Ich werde dafür verschiedenfärbige Bänder anfertigen lassen, was jedoch wieder mit Mehrkosten verbunden ist.“

Feste und Lokale helfen sich mit Eintrittsalter

Ersparen will sich die die Junge Volkspartei Lengenfeld, ihres Zeichens Veranstalter der beliebten Steinbruchparty und Halloweenparty in Lengenfeld. „Ich tue mir da nichts an. Wir werden das Eintrittsalter auf 18 Jahre anheben“, sagt Julia Ettenauer, Obfrau der JVP Lengenfeld.

Schon gegangen sind diesen Schritt die Kremser Altstadtlokale von Armin Oswald. In Q-Stall und Co. liegt das Eintrittsalter bei 18 Jahren. Aus dem Schneider sind die Beisln damit aber nicht, weiß Oswald. „Es gibt immer wieder das Affentheater mit gefälschten Ausweisen und weitergegebenen Getränken.“ Fan der neuen Jugendschutzbestimmungen ist Oswald nicht. Der Trend hin zu Privatpartys werde damit unterstützt. „Dort wird dann oft mehr gesoffen und auch Drogen genommen.“

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