Krems

Erstellt am 13. März 2018, 04:51

von Franz Aschauer

Nach Schlägerei: Häftlinge waren angetrunken. Nach Schlägerei zwischen zwei alkoholisierten Häftlingen ist nun bekannt geworden, dass die Insassen in der gesamten Abteilung angetrunken gewesen sein sollen.

Viel Platz zur Alkoholherstellung: In der Justizanstalt Stein suchen die Häftlinge überall nach Möglichkeiten, Schnaps zu gewinnen.  |  NOEN, Archiv/Lechner

Dass die Beamten in der Justizanstalt Stein immer wieder illegale Substanzen in den Zellen der Häftlinge konfiszieren, ist kein Geheimnis. Die Tragweite des jüngsten Vorfalls ist aber doch außergewöhnlich.

Wie berichtet, waren zwei „Häfnbrüder“ in ihrer Zelle aneinandergeraten, was dazu führte, dass ein 39-Jähriger mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden musste. Beide Insassen waren zum Zeitpunkt des Vorfalls alkoholisiert, der Täter hatte 1,1 Promille, das Opfer gar über 2 Promille.

Häftlinge haben Alkohol eigens hergestellt

Jetzt wurden weitere Details zu der Auseinandersetzung bekannt. Nicht nur die beiden Zellengenossen sollen alkoholisiert gewesen sein, sondern gleich mehrere Häftlinge in der ganzen Abteilung. Das aber nicht in voneinander abgeschirmten Zellen, sondern in geöffneten Räumen, die von den Häftlingen frei begangen werden können.

Alkoholkonsum unter Häftlingen ist in Stein gang und gäbe.  |  NOEN, Symbolbild: Shutterstock/dragon_fang

Möglich macht das „Saufgelage“ der Wohngruppenvollzug. „Man muss sich das wie ein Krankenhaus vorstellen, in dem links und rechts Zimmer sind. Es ist eine Form des offenen Vollzugs, die es in allen Justizanstalten gibt“, so Pressesprecher Oberstleutnant Günter Ropp.

An den Alkohol gekommen sind die Häftlinge durch Eigenherstellung, so Ropp. „Jeder Insasse bekommt Obst, durch den Gärprozess kann natürlich leicht Alkohol gewonnen werden. Es kommt immer wieder vor, dass Häftlinge Alkohol herstellen.“

„Kein Ort, an dem nicht Alkohol produziert wird“

Dramatischer beschreibt die Situation ein Justizwachebeamter. „Es gibt auf dem gesamten Anstaltsareal keinen Ort, an dem nicht Alkohol produziert wird. Einzudämmen ist das nur schwer.“ Auf die Frage, ob die Justizanstalt Stein ein Alkoholproblem habe, antwortet Ropp dennoch mit „Nein“.

Über den Zustand des schwer verletzten Häftlings ist derzeit nichts bekannt. Wie sich mittlerweile herausgestellt haben soll, ist er mit HIV und Hepatitis infiziert. Für die Beamten soll bei dem Einsatz aber keine Gefahr bestanden haben. „Jeder Insasse wird so behandelt, als hätte er die schlimmsten Krankheiten. Es werden zum Beispiel immer stich- und schnittfeste Handschuhe getragen“, so Ropp.