Krems

Erstellt am 22. Januar 2019, 05:42

von Martin Kalchhauser

Schlaganfall-Patienten nach Hause geschickt?. „Untersuchung ergab kein neurologisches Defizit!“ Kremser will „Weckruf“ starten: „Da ist viel Optimierung notwendig!“

Schlaganfall nicht erkannt? Patient erhebt schwere Vorwürfe gegen das Kremser Uni-Klinikum.  |  Symbolfoto: Shutterstock/Monkey Business Images

Mit Schlaganfall-Symptomen wurde der Kremser Franz S. Ende des Jahres ins Kremser Universitätsklinikum eingeliefert. Kurz danach schickte man ihn als „gesund“ nach Hause. Am nächsten Tag organisierte sein Sohn den Transport ins St. Pöltner Spital, wo rasch die Diagnose feststand: Schlaganfall!

„Mein linkes Gesichtsfeld ließ kein klares Bild erkennen“, stellt der 60-Jährige fest. „Es wurde aber keine CT-Untersuchung durchgeführt, die Rettung brachte mich wieder heim.“ Nur 20 Minuten brauchten die Mediziner Tags darauf für die Diagnose. „Dank St. Pölten lebe ich noch“, meint S., „und werde hoffentlich wieder ganz gesund. Was in Krems passiert ist, möchte ich nicht weiter kommentieren. Dass ich das aufzeige, sehe ich als Weckruf. Da ist viel Optimierung notwendig!“

"Gewissenhaft neurologisch untersucht"

Seitens des Kremser Klinikums heißt es in einer Stellungnahme, dass der Patient aufgrund einer Blutdruckentgleisung mit Doppelbildern (Sehstörung, Anm.) ins Haus gekommen sei. „Er zeigte keine auffälligen Laborwerte, wurde gewissenhaft neurologisch untersucht und es fand sich kein Hinweis auf ein neurologisches Defizit.“ Eine CT-Untersuchung sei „nicht indiziert“ gewesen.

Die Doppelbilder seien kein Symptom des bei S. festgestellten Hirninfarktes. „Das Universitätsklinikum steht deshalb nicht mit dem nun gehabten Insult in Zusammenhang.“

Wartezeiten in der Ambulanz „unzumutbar“

Generell gab es massive Beschwerden über unzumutbare Wartezeiten von mehreren Stunden (!) im Interdisziplinären Aufnahmebereich (IAB), vor allem zum Jahreswechsel. „Dass es bei Haupturlaubszeiten, zu denen viele Ärzte ihre Ordination schließen, zu verlängerten Wartezeiten kommt, ist ein generelles Problem. Zusätzlich kam es zu einer unvorhersehbaren Noroviren-Epidemie.“

Mit verlängerten Wartezeiten müsse weiterhin gerechnet werden, „da viele Patienten mit Bagatellen die Notfallambulanzen überfüllen und nicht vorhandene Angebote wie die seit längerem etablierte Gesundheitsberatung ( 1450) nutzen.“