Fall Osberger: Neuer Aufschub für Reiter. Gutachter im Fall Osberger liefert Antworten wegen „hoher Arbeitsauslastung“ erst Ende April ab. Den Anwalt des Gift-Attentäters bringt das auf die Palme.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 25. April 2019 (05:32)
Archiv/Sommer
Helmut Osberger wehklagt aus dem „Häfen“ über psychische Belastungen.

„Ich finde die Vorgangsweise sehr eigenartig. Er hat den Auftrag Ende November bekommen. Das regt mich auf.“ Der Wiener Starverteidiger Wolfgang Blaschitz ist genervt. Seit Ende Jänner wartet der Anwalt des Giftattentäters Helmut Osberger, der wegen des Mordversuchs an dem früheren Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger eine lebenslange Haftstrafe in der Justizanstalt Stein verbüßt, auf Antworten von Christian Reiter.

Wie berichtet, war der Forensiker vom Landesgericht Krems aufgefordert worden, binnen zwei Monaten Antworten auf 16 Fragen zu seinem für die Hauptverhandlung des spektakulären Kriminalfalls im Jahr 2008 erstellten Gutachtens abzugeben. Hintergrund ist Blaschitz’ Antrag auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens, der Reiters Gutachten arg in Zweifel zieht.

Unter anderem wird dem renommierten Gerichtsmediziner darin vorgeworfen, er habe die Menge des in Hirtzbergers Körper vorgefundenen Strychnin-Gifts falsch berechnet, weil ihm die fachliche Eignung fehle, da er kein Toxikologe oder Pharmakologe sei. Dass Reiter aber sehr wohl ein Experte in diesem Fachgebiet ist, zeigte er unter anderem bei den Arsen-Morden der Elfriede Blauensteiner, in deren Fall der Wiener Universitätsprofessor ebenfalls als Sachverständiger fungierte.

Reiters Erklärung regt Blaschitz auf

Die Antworten im Gift-Krimi Osberger möchte Reiter nun in spätestens einer Woche abliefern, teilte das Landesgericht Krems mit. Grund für die dreimonatige Verzögerung sei die „hohe Arbeitsauslastung des Sachverständigen“. Blaschitz gibt sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. „Dann soll er nicht so viele Gutachten machen. Ich bin wahrscheinlich noch ausgelasteter als Reiter und bin trotzdem in der Lage, meine Rechtsmittelfrist einzuhalten.“

Für das Landesgericht Krems ist der Umgang mit Wiederaufnahmeanträgen übrigens kein täglich Brot. Laut Vizepräsident Ferdinand Schuster gebe es „pro Jahr ein bis drei Wiederaufnahmeverfahren“. Die Entscheidung, ob es zu einer Neuaufrollung des Falls kommt oder nicht, fällt ein Drei-Richter-Senat unter dem Vorsitz von Monika Fasching-Lattus.

Reiter selbst wollte der NÖN gegenüber – unter Verweis darauf, dass dies „alle bisherigen Bemühungen einer mehrmonatigen Arbeit zunichtemachen“ könnte – keine Fragen zu der Thematik beantworten. Neuigkeiten gibt es indes von Osberger, der über seinen früheren Anwalt Kurt Wolfmair ausrichten lässt, dass ihm in Haft „sieben Zähne ruiniert“ worden seien und die „psychischen Belastungen“ seit drei Jahren überhandnehmen würden.