Wehmut zum Abschied von Roswitha Petz. Die evangelische Pfarrerin Roswitha Petz zog Bilanz über 24 Jahre in Krems. Die Ökumene war ihr immer ein besonderes Anliegen.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 11. Juli 2020 (05:40)
Zum Abschied der Seelsorgerin: Abt Columban Luser, Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour, Liane Röthig, Pfarrerin Roswitha Petz, Pfarrer Franz Ofenböck und Moderatorin Maria Mayer-Schwingenschlögl vom Katholischen Bildungswerk (v. l.) zogen jeweils aus ihrer Sicht Bilanz über 24 Jahre Tätigkeit der Pfarrerin in Krems.
Martin Kalchhauser

„Mit Roswitha Petz (36) bekommt die evangelische Pfarrgemeinde erstmals eine Pfarrerin. Sie stellte sich zu Pfingsten als einzige Kandidatin zur Wahl und bekam 97,5 % der Stimmen.“ Mit dieser Meldung berichtete die Kremser NÖN am 28. Mai 1996 über den Amtsantritt der Nachfolgerin Pfarrer Michael Meyers. Jetzt geht ihre Amtszeit zu Ende. Das war Anlass, gemeinsam mit Freunden Bilanz zu ziehen.

„Schade, dass ich erleben muss, dass sie weggeht“, meinte Liane Röthig, die Doyenne der evangelischen Kirche, deren Mann Gerald zu Amtsbeginn der Pfarrerin Kurator (quasi Pfarrgemeinderatsobmann) war. Sie erinnerte sich, dass ihr Mann seine Funktion damals zur Verfügung stellen wollte, sie dann aber zu ihm gemeint habe: „Die Kleine kannst du nicht alleine lassen!“ Er blieb im Amt.

Petz selbst, die am 30. August ihren Entpflichtungsgottesdienst in der Heilandskirche feiern wird, erinnerte sich, dass sie nicht nach Krems gehen wollte. Die erste Frau nach starken Pfarrer-Persönlichkeiten, die hier in eine Baustelle einzog, dachte sich damals: „Ich ziehe gleich weiter!“ Doch heute sei sie „froh, es nicht getan zu haben“. Sie habe bei ihrer Tätigkeit in Krems viel Glück gehabt. „Dass es in der Pfarre menschlich immer gut funktioniert, liegt wohl auch am Kremser Wein!“ Besonders geliebt habe sie auch ihre Arbeit als Religionslehrerin in insgesamt acht Schulen.

Viele enge ökumenische Verbindungen

Eine besondere Erinnerung der scheidenden Pfarrerin gilt einem Blumenstrauß, mit dem sie bald nach Amtsantritt der Hadersdorfer Pfarrer Franz Ofenböck überrascht hatte. „Der steht heute für das Viele, das durch dich zum Erblühen gekommen ist“, meinte der katholische Geistliche und nahm damit auf viele enge ökumenische Verbindungen Bezug. Eine besteht zum „Berg“ (gemeint ist das Stift Göttweig). An jedem 8. Dezember ist die evangelische Gemeinde im Stift zu Gast. Immer am 30. Dezember sind die Mönche in der Kremser Pfarre eingeladen – scherzhalber wurde dieser Besuch schon als „Katholische-Pfarrer-Vergiftungsessen“ tituliert, wie Petz lachend anmerkte. Für Abt Columban Luser sind die durch Petz stark vertieften Kontakte „einfach schön. Ich betrachte das als Wunder.“