Berger-Grabner: „Ich bin sicher keine Quotenfrau!“. Die neue Kremser Bundesrätin Doris Berger-Grabner über ihre für viele überraschende Berufung, persönliche Stärken und Pläne für die nahe Zukunft.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 15. Februar 2019 (06:54)
NÖ Landtag
Volles Vertrauen zum Start: In der Sitzung des Landtags wurde Doris Berger-Grabner – im Bild mit ihrem Bundesrats-Kollegen Karl Bader aus dem Bezirk Lilienfeld (links) und Landtagspräsident Karl Wilfing – mit den Stimmen aller 56 Abgeordneten in die Länderkammer entsandt.

Mit 56 von 56 abgegebenen Stimmen wurde die Kremser FH-Professorin Doris Berger-Grabner (40) in der Landtagssitzung am 31. Jänner zur Bundesratsabgeordneten des Landes NÖ gewählt. Sie folgt auf Sandra Kern, die ihr Mandat Anfang des Jahres zurückgelegt hatte. Im NÖN-Interview sprach die zweifache Mutter, deren Kür viele überrascht hatte, über ihre Pläne für die nahe Zukunft.

NÖN: Wie haben Sie die für viele überraschende Berufung in den Bundesrat durch die ÖVP NÖ erfahren?

Berger-Grabner: ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner hat mich zu einem Gespräch nach St. Pölten eingeladen. Er hat mich damals gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das Mandat zu übernehmen. Da war das aber noch nicht beschlossene Sache, weil ich natürlich zuerst mit der Fachhochschul-Geschäftsführung sprechen und mich auch mit meiner Familie beraten wollte.

Wissen Sie, warum die Wahl auf Sie, ein eher „unbeschriebenes Blatt“, gefallen ist?

Meine Kompetenzen liegen im Bereich Bildung, weil ich ja seit 20 Jahren in diesem Bereich tätig bin. Meine Fähigkeiten decken sich mit den Ausschüssen, für die ich vorgesehen bin. Das sind eben Bildung, aber auch Familie – ich habe zwei Kinder im Volksschulalter – und Sport. Letzteres passt auch sehr gut, weil ich generell sehr sportlich bin. Es hat durchaus Vorteile, wenn man ein „unbeschriebenes Blatt“ ist, wobei ich mich ja für Politik schon immer interessiert habe und politisch tätig war. So war ich in der Jungen Wirtschaft aktiv, bin Stellvertreterin der Ortsparteiobfrau in Krems-Mitte und habe schon bei Gemeinderats- und Nationalratswahl kandidiert.

„Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, kann ich durchaus sehr hartnäckig sein.“Doris Berger-Grabner

War das Attribut „Frau“ wichtig?

Ich sehe mich auf keinen Fall als „Quotenfrau“. Das ist mir auch wichtig.

Wie waren die Reaktionen in Ihrem persönlichen Umfeld, etwa in der Familie?

Die waren von allen Seiten ausschließlich positiv – sowohl im Freundeskreis als auch in der Familie. Niemand hat gemeint: Warum tust du dir das an? So wie ich haben das alle als Chance gesehen, und die hat man nicht so oft im Leben. Wenn man eine Chance hat, muss man sie auch ergreifen.

Was sind Ihre persönlichen Stärken, durch die Sie sich besonders für die neue Funktion eignen?

Generell bin ich eine sehr ehrgeizige und zielstrebige Person. Vielleicht hängt das auch mit meinem Sternzeichen zusammen? Ich bin ein Skorpion (lacht). Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, ist es mir wichtig, dranzubleiben und es umzusetzen. Da kann ich durchaus sehr hartnäckig sein. Aufgrund meiner Statur und meines jugendlichen Aussehens würde man mir diese Attribute vielleicht nicht zuschreiben. Aber bei der Leitung von vier Studiengängen war das durchaus notwendig. Diese Fähigkeiten möchte ich alle auch in der Politik einbringen. Es geht mir darum, nicht nur eine Idee zu haben, sondern dranzubleiben und diese auch umzusetzen.

Martin Kalchhauser
Doris Berger-Grabner in ihrem Büro in der IMC-Fachhochschule Krems: Leitung von vier Studiengängen mit Ende Jänner zurückgelegt, zeitliche Verpflichtung auf 20 Wochenstunden reduziert.

Wie lässt sich Ihre politische Tätigkeit mit Ihrer Arbeit und der Familie vereinbaren?

Die Studiengangsleitung habe ich mit 31. Jänner zurückgelegt und habe außerdem auf Teilzeit reduziert. 20 Stunden werde ich an der Fachhochschule noch als Professorin im Unterrichtswesen tätig sein. Als Familie sind wir gut organisiert, dank der Großeltern und einer mobilen Mama ist das kein Problem.

Die Kremser ÖVP denkt auch schon an die Gemeinderatswahl 2022. Werden Sie sich auch in der Gemeindepolitik engagieren?

Durch meine Funktion in der ÖVP Krems-Mitte bin ich ja lokal verankert. Meine Funktion sehe ich aber als Bundesrätin, die die Interessen Niederösterreichs gut vertritt. Darauf will ich mich konzentrieren. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass ich Vertretungen der Landeshauptfrau, etwa im Bereich des Bildungswesens, in Krems mache.

Wären Sie eine potenzielle Spitzenkandidatin?

Daran habe ich überhaupt noch nicht gedacht, weil ich mich jetzt wirklich voll auf meine neue Funktion konzentrieren und mich gut einarbeiten möchte.

Der Bundesrat steht immer wieder in der Kritik. Wie bedeutend ist die Länderkammer des Parlaments aus Ihrer Sicht?

Ich sehe den Bundesrat definitiv als wichtige Einrichtung, weil wir Abgeordneten ja von den Bundesländern entsendet werden und auch deren Interessen vertreten. Ich konnte erst bei einer Sitzung dabei sein. Aber soweit ich das bisher gesehen habe, gibt es da eine sehr kollegiale Zusammenarbeit, wo es nicht um Hierarchien geht, sondern vielmehr auf gleicher Ebene Themen diskutiert werden.