Brigadechef Krasser: „Wir sind absolut an der Grenze!“. Wie der Verteidigungsminister sieht auch Mauterns Brigadechef Krasser tristes Bild der Lage beim Bundesheer.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 12. Juli 2019 (14:22)
Martin Kalchhauser
Karl Krasser ist Kommandant der 3. Jägerbrigade (Raabkaserne Mautern).

„Es muss neues Geld für das Heer geben!“ So wie sein oberster Chef, Verteidigungsminister Thomas Starlinger, hört auch der Kommandant der 3. Jägerbrigade in Mautern, Karl Krasser, die Alarmglocken schrillen. Wird das Budget nicht erhöht, wird die Einsatzbereitschaft dramatisch absinken.

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Mangelhafte Ausstattung, zu wenige Ausbildungsmöglichkeiten: Der Chef der 3. Jägerbrigade zeichnet ein tristes Bild der Situation beim Heer.

Aktuell werden in Mautern (280 Mann Kaderpersonal, rund 60 Präsenzdiener) Vorbereitungen für den nächsten KFOR-Einsatz im Kosovo im Herbst und für die EU-Battlegroup (Krisen-Reaktionstruppe) im Juli 2020 getroffen. „Es ist eine enorme Herausforderung, Soldaten mit geringen Mitteln auf den Standard zu bringen, den sie haben sollen“, erklärt Krasser. „Aktuell ist es extrem knapp, geht aber gerade noch.“ Wenn es 2020 aber nicht mehr Geld gebe, könne das zu erheblichen Behinderungen führen.

Heer manchmal unter Niveau der Feuerwehr

Krasser nennt Beispiele wie das viele alte Gerät (Fahrzeuge), dessen Reparaturen aus Mangel an Ersatzteilen immer schwieriger werden. „Es kann sein, dass wir noch im Herbst Aktivitäten reduzieren müssen – das heißt: weniger Ausbildung, weniger Einsatzvorbereitung.“

Ein wenig neidisch schielt der Chef über 2.400 Soldaten an den Standorten Mautern, Straß in der Steiermark, Güssing, Zwölfaxing, Mistelbach und Melk (Pioniere) auf die Ausrüstung der Feuerwehren. „Wir sind in manchen Bereichen nicht auf diesem Niveau!“ Wenn nicht mehr Mittel freigegeben würden, falle Gerät aus der Nutzung, und es werde zu einem dramatischen Abfall kommen. Krassers Conclusio: „Es muss neues Geld geben. Wir sind absolut an der Grenze!“

Mit der Ausbildung drohe auch die Attraktivität des Grundwehrdienstes zu leiden, warnt der Oberst des Generalstabs, der seit April in seiner neuen Funktion ist. Man müsse Aufträge bestmöglich umsetzen, aber nicht entsprechend ausgebildete Soldaten seien eben nicht überall einsetzbar. „Da gibt es irgendwann nicht mehr vertretbare Risiken.“ Sowieso schon lange aufgeschoben seien Vorhaben wie die Sanierung der Quartiere der Grundwehrdiener – „auf unbestimmte Zeit“.

Last not least erinnert Krasser an die ursprüngliche Aufgabe des Bundesheeres: „Wenn wir keine glaubhafte Einsatzbereitschaft mehr darstellen können, ist das praktisch eine ,Einladung‘ an feindliche Kräfte. Dann steht die Landesverteidigung insgesamt in Frage.“