Wendy auf der Walz. Mit wenig Gepäck und viel Abenteuerlust startete junge Keramikerin und Ofensetzerin zu Fuß Richtung Norden.

Von Gertrude Schopf. Erstellt am 15. Oktober 2019 (03:56)
Johann Lechner
„Fremde Freireisende“ Handwerker auf der Walz: Christopher, Linda, Jasmin und Thilo, die Wendy (Zweite von rechts) bei ihrem Start ins Abenteuer begleiteten.

Aus der Stadt hinausgehen, nicht zurückschauen, drei Jahre nicht heimkommen: Die Langenloiserin Gwendolyn „Wendy“ Steiner, 20 Jahre jung, hat sich für ein handwerkliches Abenteuer entschieden. Nach Absolvierung der Fachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob hat sie sich als Wandergesellin „auf die Walz“ begeben.

Sie will vor allem Deutschland und die deutschsprachigen Nachbarländer bereisen, in Betrieben Arbeit und Wohnmöglichkeit finden (immer für höchstens drei Monate) und auf diese Weise berufliche Erfahrung sammeln, Menschen und Kulturen kennenlernen. Begleitet wurde sie bei ihrem Walz-Antritt von erfahrenen deutschen Altgesellen, „Fremden Freireisenden“, wie sie sich nennen, die die verschiedensten Berufe (mit dabei eine Goldschmiedin, eine Modistin, ein Steinmetz) gelernt haben und schon seit ein bis zwei Jahren unterwegs sind.

Nach dem Verlassen der „Bannmeile“ (50 Kilometer vom Heimatort weg) zerstreuen sich allerdings die wandernden Gesellen. Mit haben sie neben einem Schlafsack kaum mehr als das, was sie auf dem Körper tragen („Wenn‘s sehr kalt ist, ziehen wir mehr Unterwäsche an ...“), kein Handy, kaum Bargeld. Gekleidet sind sie zünftig mit dem vorgeschriebenen Hut und typischen Wanderstock („Stenz“).

Die Walz war ab dem späten Mittelalter für Handwerker vorgeschrieben, um Meister werden zu können. Sie erlebte in Deutschland Ende des 20. Jahrhunderts eine kleine Renaissance, seit 2015 ist diese Form der Handwerker-Wanderschaft als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO eingetragen.