Mehrere Corona-Infektionen: Gemeindeamt geschlossen. Bürgermeister Franz Aschauer hat es schriftlich: Das Jaidhofer Gemeindeoberhaupt laboriert am Corona-Virus. So wie er sind auch fast alle Gemeindemitarbeiter erkrankt. Das Gemeindeamt bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Von Gerald Mayerhofer und Martin Kalchhauser. Update am 30. März 2020 (08:58)
Die kleine Gemeinde Jaidhof in der Region Gföhl (im Bild das Schloss) ist derzeit durch die Corona-Krise lahmgelegt.
Bundesdenkmalamt

Durch zeitweises Fieber und starke Husten-Attacken macht sich die Erkrankung bei Franz Aschauer bemerkbar. Er befindet sich in häuslicher Quarantäne.

Bürgermeister Franz Aschauer wurde positiv getestet und zeigt auch deutliche Krankheitszeichen.
Martin Kalchhauser

Testung mehrfach abgelehnt

So wie der Gatte einer Gemeindebediensteten, der nachweislich erkrankt ist und sogar im Krankenhaus behandelt werden muss, hatte Aschauer mit tagelanger Ungewissheit zu kämpfen. Er habe selbst bei der Hotline 1450 angerufen, eine Testung sei vom Amtsarzt mehrfach abgelehnt worden. "Erst als meine Hausärztin Fiona Kirk bei der Bezirkshauptmannschaft angerufen hat, weil kein Antibiotikum Wirkung gezeigt hat, ist der Test genehmigt worden." 

BH weist Vorwürfe zurück

Bezirkshauptfrau Elfriede Mayrhofer weist die Vorwürfe zurück. Aschauer habe nicht beim Amtsarzt, sondern bei der Hotline 1450 angerufen. Dies habe ihr der Jaidhofer Bürgermeister auch auf Nachfrage bestätigt. Der Bezirksbehörde werde generell oft zu Unrecht der „Schwarze Peter“ zugespielt. Alle Mitarbeiter der BH seien bemüht, Anliegen bestmöglich abzuarbeiten, man müsse dabei aber an detaillierte Anweisungen und Vorgaben von Bundesebene (Gesundheitsministerium) beachten. Die Daten-Weitergabe unterliege natürlich besonders strengen Regelungen.

Ganzes Team ist Virus-Opfer

In Folge des im vierten Versuch dann doch genehmigten Tests wurde dieser auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde Jaidhof bewilligt. Bis auf eine Bedienstete waren alle positiv. Diese wartet noch auf das Ergebnis, könnte aber die erkrankte Truppe komplettieren. Das Gemeindeamt muss deshalb vorerst geschlossen bleiben.

Sechs Kranke in Gemeinde


"Die Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus", beruhigt Bürgermeister Aschauer besorgte Bürger, ihre Anliegen könnten derzeit unbearbeitet bleiben. "Das Gemeindeamt ist weiterhin per Mail und telefonisch erreichbar." Aktuell gibt es (laut Stand vor dem Wochenende) im gesamten Gemeindegebiet Jaidhof sechs positiv getestete Personen.

Kritik an Informationsfluss

Aschauer bemängelte im NÖN-Telefonat, dass er von der Bezirkshauptmannschaft keine Namen zu positiv getesteten Personen oder Personen in Quarantäne erhält. Damit ist er sich etwa auch mit den Gemeindechefs in Gföhl und Weißenkirchen einig. In der Wachaugemeinde hatte dies Christian Geppner schon in der Vorwoche kritisiert.

Hilfe für Opfer erschwert

So wie Geppner möchte Aschauer die Daten im positiven Sinn einsetzen: "Dann könnten wir hinsichtlich Nachbarschaftshilfe Maßnahmen für die Betroffenen organisieren!" Umgekehrt müsse der infizierte Bürgermeister als Betroffener alle Namen und Kontaktdaten der Personen bekanntgeben, mit denen er Kontakt hatte. Der Datenschutz werde in diesem Zusammenhang sehr einseitig ausgelegt.