Ybbser Alt-Ortschef: Spanien schied gegen Krems aus. Ybbser Altbürgermeister Renner entschied sich vor zwölf Jahren gegen die Iberische Halbinsel und für die Wachau.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 04. Juni 2019 (03:42)
Johann Lechner
Herbert Renner fand sein neues Lebensglück 2007 in Krems. Bewundert hat der 72-Jährige an seiner neuen Heimat schon früher die Altstadt mit ihren künstlerisch verzierten Fassaden. Auch heute schlendert der Pensionist gerne noch genüsslich durch den historischen Kern der Stadt.

Die Wurzeln von Bürgermeistern reichen oft weit in ihre Heimatgemeinden hinein. Die politische Spitzenfunktion in einer Stadt bekleiden – dafür sollte man schon ein echtes Urgestein sein. Und was kommt danach? Eine Zeit geprägt von Ansehen und Würdigung für die geleisteten Verdienste. Herbert Renner wollte das nicht.

„Das dürfte von den Leuten als Bruch des Rollenverständnisses empfunden worden sein“Über seine „Flucht“ aus Ybbs 

Der Altbürgermeister von Ybbs wanderte vor zwölf Jahren aus und fand sein Lebensglück in Krems. Selbst Spanien, die zweite mögliche Option für einen Heimatwechsel, zog gegen die Wachau den Kürzeren. „In Spanien, war meine Überlegung, bleiben wir Ausländer. Auch die Sprachbarriere sprach dann dagegen. Meine Frau kann zwar Spanisch, ich aber nicht“, erzählt Renner.

Dass er überhaupt aus Ybbs wegwollte, wo er seine „ganze Aktivzeit mit Liebe verbracht“ habe, erklärt der 72-Jährige so: „In den Jahren vor meiner Pensionierung haben meine Gattin und ich uns immer mehr Gedanken gemacht, ob wir nicht einen neuen Lebensabschnitt beginnen könnten, weil wir familiär nicht an die Stadt Ybbs gebunden sind.“

Auf Krems sei die Wahl gefallen, weil es zuvor schon Verbindungen gab. „Ich habe mich für die Ybbser Altstadtsanierung in Krems beraten lassen. Mit dieser Beschäftigung der Historie gewinnt man eine gewisse Zuneigung zu der Stadt.“

Übel genommen habe man ihm seine „Flucht“ aus Ybbs zwar nicht, sagt Renner, die Überraschung sei aber groß gewesen. „Das dürfte von den Leuten als Bruch des Rollenverständnisses empfunden worden sein. So wie man nicht goutiert, dass der katholische Pfarrer heiratet, wird man dem Bürgermeister nicht nachsehen, dass er in eine andere Stadt zieht.“ Besuche stattet Renner seiner alten Heimat trotzdem regelmäßig ab. „Wir sind nach wie vor Pendler, um Freundschaften zu pflegen.“

Die Weinkultur als Hobby in der Pension

Ein Pensionshobby hat Renner mittlerweile auch in Krems einen großen Bekanntenkreis beschert. „Ich beschäftige mich sehr viel mit der Weinkultur in der Wachau. Der praktische Teil dazu findet meistens beim Heurigen statt. Da ist es viel leichter, Bekanntschaften zu schließen, weil man ungezwungen plaudert“, erzählt Renner.

Sehnsucht, sich in der Kremser Politik einzumischen, hat der 72-Jährige nicht. Der Arbeit seines Parteifreundes Bürgermeister Reinhard Resch spricht er ein Lob aus: „Krems ist in guten Händen. Ich freue mich, wie die Stadt wächst und gedeiht.“

Diplomatisch beantwortet Renner die Frage, ob ihm Ybbs oder Krems besser gefalle. „Das sind zwei so unterschiedliche Welten, dass ich da nicht zwischen besser und schlechter gewichten kann.“

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