Heimische Musikschulen: Lockdown zehrt sehr an Geduld. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona - auch im Bezirk Krems. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Petra Vock und Johannes Mayerhofer. Erstellt am 14. April 2021 (05:44)
„Konzertabsagen drücken auf die Motivation“: Musiklehrer Matthias Dockner (links) und „Prima la Musica“-Gewinner Nicolas Zeller haben bereits eine Corona-Infektion hinter sich und zeigen sich glücklich darüber, „normal“ proben zu können. Ohne Auftritte fehle bei vielen Musikern aber teilweise der Ansporn, regelmäßig und diszipliniert zu üben.
Johannes Mayerhofer

Es ist einer Ausnahme von der Regel geschuldet, dass Musiklehrer Matthias Dockner und Instrumental-Talent Nicolas Zeller sich zum Trompetenunterricht in Unterbergern treffen können „Ich habe beim ,Prima la Musica‘-Landesbewerb Gold gemacht und darf daher ausnahmsweise mit Matthias üben“, erklärt der 20-jährige Zeller. Außerdem fingen sich beide vergangenen Herbst eine Corona-Infektion ein und verfügen über Antikörper. Wie erlebten die beiden Musiker die letzten 13 Monate mit Lockdowns, Distanzunterricht und lahmgelegter Musik- und Kulturszene?

„Der Instrumentalunterricht im Distanz-Modus bringt deutliche Einschränkungen mit sich“, beklagt Dockner. „Verständnisfragen und Theorie lassen sich auf diese Art normal unterrichten und klären. Beim Spielen des Instrumentes wird es für Lehrer und Schüler ab einer gewissen Stufe allerdings schwierig.“ Korrekte Geschwindigkeit und Tonalität könne Dockner über PC-Lautsprecher noch erkennen, jedoch gebe es viele Dimensionen des Klanges, die digital nicht zu vermitteln seien. „Musik erzeugt Schwingungen, die auch psychologisch auf den Hörer wirken. Man spürt quasi mit, ob der Schüler korrekt spielt. Und es gibt viele Feinheiten, die einfach stimmen müssen und die man per Laptop nicht annähernd so direkt nachfühlen und -hören kann als Lehrer.“

Motivation der Musiker leidet unter Lockdown

Auch Zeller ist ähnlich skeptisch. „Die Qualität des Spielens über Zoom ist nicht gut, aber Zusammenspielen geht überhaupt nicht“, erklärt das Jungtalent. Für Hobbymusiker sei diese anhaltende Situation vielleicht kein derart großes Problem. Für Menschen die wie er professionell Musik machen wollen, sei es aber sehr anstrengend. Zeller, der als Trompeter bei der niederösterreichischen Militärmusik aktiv ist, möchte sein Instrument zum Beruf machen, hat bereits Zusagen zum Vorspielen an Musik- und Kunstuniversitäten in Wien.

Auch seine Motivation und jene vieler seiner Musikerkollegen leide unter der Lockdown-Situation. „Mehrfach kam es vor, dass wir uns für Auftritte vorbereiteten, die dann aber teilweise am Vortag noch abgesagt wurden. Das ist enttäuschend, nimmt einem ein Stück der Moral und Disziplin beim Üben. Man fragt sich: Wofür soll ich noch regelmäßig üben?“ Die Geduld des Musikers ist spürbar strapaziert.

Ähnlich „zäh“ ergeht es der Etsdorferin Theresa Klaffl, die ebenfalls Trompete spielt und beim Musikschulverband Region Wagram Unterricht erhält. „Man bereitet sich für den Musikunterricht vor, oft spielt dann aber die Internetverbindung nicht mit, und das Gespielte kommt nur verzerrt beim Lehrer an. Es leidet die gesamte Tonqualität“, so die 16-Jährige. Auch ihr fehle das gemeinsame Musizieren, etwa in der Musikkapelle Etsdorf-Haitzendorf. Dieses sei vor der Pandemie ein Fixpunkt der Woche gewesen, auf den sie und andere sich stets gefreut hätten.

Maria Rupf, Leiterin der Musikschule Wachau, berichtet, dass vor allem die jüngeren Schüler „sehr ermüdet“ seien vom Skype- oder Zoom-Unterricht. Ältere Schüler seien hier resistenter, weil sie den Online-Unterricht auch von der Schule bereits seit Längerem gewohnt sind. Schade finde sie, dass es keine Möglichkeit gebe, Musikinstrumente in Schulen zu präsentieren. „Die Kinder konnten dabei Instrumente in der Hand halten und ausprobieren. Das war wichtig für uns, um neuen Zulauf für unsere Musikschule zu gewinnen“, sagt Rupf.

Dieses Jahr werde man Möglichkeiten ausloten, dies im Freien zu machen, auch wenn die Instrumente nicht an die Kinder herumgereicht werden können. Immerhin habe der Wegfall dieser Aktivitäten zu keinen sinkenden Anmeldezahlen geführt. Severin Endelweber, Violinen-, Viola- und Ensemblelehrer vom Musikschulverband Paudorf-Gedersdorf, versucht in der Situation etwas Positives zu sehen. „Der Online-Unterricht kann aufgezeichnet werden. Die Schüler sind dann schon selbstkritisch, wenn sie sich das dann ansehen und -hören.“

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