Krems , Hadersdorf-Kammern

Erstellt am 10. Mai 2018, 06:17

von Franz Aschauer

Tierschützer gegen Landwirte: Ziesel erhitzen Gemüter. Tierschützer werfen Landwirten vor, die unter Schutz stehenden Nagetiere bewusst zu töten.

Gevatter Tod lauert auf der Straße. Vielen Autofahrern fährt bei diesem Anblick der Schreck in die Glieder.„RespekTiere“  |  Verein „RespekTiere“

Putzige, kleine Tierchen mit großem Konfliktpotenzial sind die Ziesel. Die Nagetiere stehen in Österreich auf der „Roten Liste gefährdeter Tierarten“, was bedeutet, dass die Gattung „mit 20-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den nächsten 20 Jahren ausstirbt“.

Grund dafür ist der in den vergangenen Jahrzehnten stark geschrumpfte Lebensraum des Tieres, das sich in steppenartigen Wiesen- und Weidelandschaften am wohlsten fühlt.

Symbol-Foto: Shutterstock/Chetroni  |  Shutterstock/Chetroni

Eines der letzten Rückzugsgebiete in Niederösterreich ist die Region um Krems, in der die Tierschützer des Vereins „RespekTiere“ und ihre Helfer jedes Jahr, wenn die Ziesel aus ihrem Winterschlaf erwachen, mit verschiedenen Maßnahmen auf die Problematik aufmerksam machen. So werden zum einen Tafeln aufgestellt, die bei Autofahrern auf den bekannten „Ziesel-Strecken“, wie der B 35 zwischen Krems und Hadersdorf, den Druck auf das Gaspedal reduzieren sollen.

Es gibt aber auch drastischere Methoden, zu denen der Kammerner „RespekTiere“-Obmann Thomas Putzgruber und seine Tierschützer-Mannschaft greifen. Im Sensenmann-Kostüm mit einem toten Ziesel in der Hand warnen sie PKW-Lenker vor den über die Straßen laufenden Tieren.

Dass Frau oder Mann hinter dem Steuer beim Erblicken von Gevatter Tod der Schreck in die Glieder fährt, ist Kalkül: „Sonst würden die Leute ja überhaupt nicht über das Thema nachdenken“, so Putzgruber.

„Aggression, die uns entgegenschlägt, ist wirklich zu viel des Guten“

Nur Freunde macht sich der Tierschützer mit solchen Aktionen nicht, dessen sei er sich bewusst. „Die Aggression, die uns aber von Seiten der Landwirte entgegenschlägt, ist wirklich zu viel des Guten.“ So habe ihn ein Landwirt erst vor Kurzem aufs Tiefste beschimpft und ihm gesagt, er fahre auf seinem Grund absichtlich alle Ziesel tot.

Generell sind die Bauern im Bereich des Ziesel-Schutzes das Feindbild Nummer eins für Putzgruber und Co. „Ich höre immer wieder sehr erschreckende Berichte, dass sie die Baue der Ziesel fluten und die herauslaufenden Tiere brutal aufspießen“, schildert Putzgruber.

Hintergrund der Ziesel-Aversion der Landwirte ist die Vorliebe des Tiers für Wurzelwerk und Weinreben, „wirkliche Schäden gibt es aber nicht“, sagt Putzgruber. Anders sieht das Ida Steininger, Obfrau der Bezirksbauernkammer: „Herr Putzgruber weiß ganz offensichtlich nicht, was das Ziesel in der Landwirtschaft anrichtet. Die Geschädigten sind 30 bis 40 Landwirte, die teilweise Ernteausfälle von 50 bis 60 Prozent hinnehmen müssen.“

Dass die Landwirte deswegen aber auf grausame Tötungsmethoden zurückgreifen, weist Steininger entschieden zurück: „Das ist eine Unterstellung, gegen die wir uns verwahren!“