"Literatur im Kino" in Langenlois. Unterschiedliche reale Bestrebungen, dem Dorf neues Leben einzuhauchen auf der einen Seite und die Abgründe eines fiktiven Dorflebens auf der anderen Seite – das Leben auf dem Land steht im Mittelpunkt dieses Abends der Reihe „Literatur im Kino“.

Von Wolfgang Kühn. Erstellt am 17. September 2020 (15:39)

Mittwoch, 30. September 2020
 

Film: „RETTET DAS DORF“ von Teresa Distelberger

Lesung: Dominik Barta aus dem Roman „Vom Land“

Beginn: 19 Uhr

Einlass: 18 Uhr – das Lokal „Herdsache“ (www.herdsache.at) hat geöffnet!

Ort: vierzigerhof, Rudolfstraße 11, 3550 Langenlois

Eintritt: € 12,-- (AK) bzw. 10,-- (VVK)

Kartenbestellung: www.dum.at oder 0664 / 4327973

www.vierzigerhof.at

RETTET DAS DORF

Teresa Distelberger | AT 2020 | 75 min 

Das Dorf ist Glück. Das sagen die Bilder, die wir davon im Kopf haben, das ist das Ideal, von dem viele träumen: ein Hauptplatz als lebendiger Mittelpunkt, eine Greißlerin, mit der man ins Plaudern kommt, ein Gasthaus, in dem man immer willkommen ist – und am Rand der Blick auf Wiesen und Bauernhöfe. Doch die Landflucht stellt das Dorf auf die Probe: die Jungen ziehen weg, die Betriebe müssen schließen, die Geschäfte stehen leer.

Wie aber kann das lebendig bleiben, was ein Dorf ausmacht? RETTET DAS DORF zeigt neue Perspektiven und Potentiale und erzählt von den Menschen, die mit ihren Ideen das Dorf weiterleben lassen. 

Sie zeigen, dass es sich lohnt für sein Dorf zu kämpfen und es so zukunftsfähig zu machen. Der Erhalt der Praxis der Landärztin führt zur Idee eines Ärztezentrums. Das alte Wirtshaus wird zum Co-Working-Space umgebaut und macht neue Firmenansiedelungen möglich. Ein Bürgermeister setzt sich erfolgreich gegen die Gemeindezusammenlegung und für ein belebtes Ortszentrum ein. Eine Nahversorgerin sucht eine Nachfolgerin für ihren Laden, der weit mehr ist als ein Lebensmittelgeschäft. Und eine Direktorin steht für die Erhaltung ihrer Volksschule ein – für die nächsten Generationen im Dorf. 

Was das Dorf ausmacht, ist das Miteinander. Nur im Austausch kann etwas wachsen, das Zufriedenheit und Verbundenheit schafft. Dazu werden generationenübergreifende Wege gesucht, wird Gemeinsames in den Mittelpunkt gestellt, abseits von Profitdenken.

Das Dorf ist aber auch die Verknüpfung von Arbeit und Leben. Ganz traditionell in Landwirtschaft und Handwerk, heute auch online im Homeoffice und mit neuen Initiativen zu Betriebsgründungen. So ziehen nicht nur viele Junge mit großem Enthusiasmus wieder hierher: Auf der Suche nach Lebensqualität und einem Lieblings-Dorf. „Es braucht nur zwei, drei Menschen, die bereit sind mehr zu geben, als sie geben müssten. Die wirklich brennen für eine Sache. Und die muss man auch lassen!“ 
 

VOM LAND


„Dieser Text durchbricht die Kälte unserer Zeit und legt offen, was wir in unserem Innersten sind.“ (Katja Gasser, ORF)  

Dass Theresa, um die sechzig und Bäuerin, sich plötzlich krank fühlt, bringt alle Gewissheiten ins Wanken. Die erwachsenen Kinder müssen anreisen, von wo auch immer es sie hin verschlagen hat, um endlich wieder miteinander zu reden. Theresas Mann muss lernen, Hilfe und Gefühle zu akzeptieren. Und selbst der zwölfjährige Daniel muss seinem verbohrten Onkel Max entschlossen entgegentreten, um seinen einzigen wirklichen Freund zu schützen. Theresa aber schweigt, findet keine Worte, keinen Weg.

Mit großer Präzision und archaischer Kraft und Empathie erzählt Dominik Barta in seinem Debütroman von den Menschen und den Umständen. Er schreibt eine große Tradition der österreichischen Literatur fort und geht dorthin, wo die Provinz heute politisch ist.
Dominik Barta, geboren 1982 in Oberösterreich, studierte in Wien, Bonn und Florenz. Er gewann 2009 den ZEIT-Essaywettbewerb und 2017 einen Ö1 Literaturwettbewerb und schreibt auch fürs Theater. „Vom Land“ (Zsolnay, 2020) ist sein Debütroman.