Bezirk Krems: 62 % weniger Landwirtschafts-Betriebe. Bauernkammer-Obfrau Steininger: Minus bei Wald- und Grünflächen, Weinbau verzeichnet gute Entwicklung.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:40)
Pamela Schmatz
Josef Parzer aus Rohrendorf ist einer der Marktfahrer, die jeden Samstag ihre Waren direkt zu den Kunden auf den Kremser Grünmarkt bringen.

Der Wandel in der Landwirtschaft zeitigt auch im Bezirk Krems Gewinner und Verlierer. Ida Steininger, Obfrau der Bauernkammer im Bezirk, weiß über alle wichtigen Entwicklungen Bescheid: „Insgesamt ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit dem EU-Beitritt runtergegangen.“

Zahlen der Statistik Austria zeigen bereits seit den 50er Jahren einen Abwärtstrend. Wurden 1951 etwa 9.700 Betriebe in Krems gezählt, waren es 1980 nur noch 6.900. Bis zur letzten Agrarstrukturerhebung 2010 sank die Zahl auf 3.737, darunter 180 Biobetriebe. Zwar wurden die Erhebungskriterien immer wieder geändert, das Minus von 62 Prozent gegenüber 1951 zeichnet aber ein deutliches Bild.

Laut Steininger setzen vor allem junge Landwirte auf Biowirtschaft. Neue Gesamterhebungen gibt es allerdings erst nächstes Jahr. Dass die Zahl der Landwirte insgesamt stetig sinkt, hat unter anderem mit Problemen bei Hofübernahmen zu tun. „Schwer ist es etwa bei der Viehwirtschaft, denn das bedeutet 365 Tage Arbeit im Stall“, so Steininger.

Auf diesem Sektor sei eine deutliche Konzentration zu bemerken: Die Zahl der Milchbetriebe sinkt, die Zahl der Kühe ist allerdings gestiegen. „Im Durchschnitt kommen etwa 70 Kühe auf einen Viehwirt“, schätzt die Obfrau. Jungbauern seien heute sehr gut ausgebildet, allerdings garantierten niedrige Abnehmerpreise oft kein gutes Auskommen. „Der Handel hat bei den Preisen das Sagen.“ Starke Importe üben laut Steininger ebenfalls Druck auf heimische Landwirte aus, die meist zu höheren Standards und Kosten produzieren.

Minus bei Grünflächen, Weinbau optimistisch

Ein anderer Agrar-Bereich, der schon seit längerem mit Problemen zu kämpfen hat, ist die Wald-, Forst-, Acker- und Grünflächenbewirtschaftung. „Hier macht uns der Borkenkäfer zu schaffen, neben vielen anderen Problemen“, erklärt Steininger.

Gute Entwicklungen sieht sie im Bereich des Weinbaus. „Die Bedingungen waren dieses Jahr gut: kaum Spätfrost, gute Niederschlagsmengen und Sonne.“

Auch Roman Horvath ist optimistisch. Seit 2005 ist er Geschäftsführer der Weingenossenschaft Domäne Wachau, welche mit rund 450 Hektar über etwa ein Drittel aller Weinbauflächen der Wachau verfügt. 250 Winzerfamilien produzieren in der Genossenschaft. „Das wirtschaftliche Umfeld empfinde ich als gut“, meint er in sonnigem Ton.

Während der österreichische Weinmarkt „gesättigt“ sei, gingen mittlerweile 50 Prozent der Produkte der Domäne in den Export, Tendenz steigend. „Unser größter Abnehmer sind die Niederlande, gefolgt von Skandinavien, dem Vereinigten Königreich und den USA“, erklärt Horvath.

Auch die Bioproduktion werde allmählich auf Schiene gebracht: 30 bis 40 Hektar des Domäne-Bestandes würden bereits biologisch bearbeitet oder befänden sich in Umstellung. Die gesamte Genossenschaft ist seit April 2019 Trägerin des „Nachhaltig Austria“-Zertifikates.

Umfrage beendet

  • Ist euch beim Einkauf die Regionalität wichtig?