Zahl der Badegäste im Bezirk Krems ist gesunken. Freibäder im Bezirk verzeichnen Besucherrückgang zwischen 50 und 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 05. August 2020 (05:37)
Das Kuenringer Bad Dürnstein hatte zu Beginn der Badesaison 75 Prozent weniger Gäste. Martin Glatzenberger und Mutter Elisabeth waren trotzdem da.
Christian Michalec

Der Sommer 2020 geht in seine „Halbzeit“. Ein guter Moment für einen Rückblick: Wie ist die bisherige Sommersaison im Zeichen verspäteter Öffnungstermine, virusbedingter Unsicherheit und instabiler Wetterlage für die Freibäder und anderen Badeorte gelaufen?

Besucherzahlen weit unter Vorjahresniveau

Medienberichte über Freibäder, die aufgrund zu vieler Besucher an einzelnen Tagen frühzeitig ihre Tore schließen mussten, stehen nicht im Widerspruch zu weit niedrigeren Gesamtbesucherzahlen, verglichen mit den Vorjahren.

Die NÖN erkundigte sich bei Freibädern im Bezirk Krems. Beim Vergleich zum Vorjahr wurde das covidbedingte verspätete Eröffnungsdatum - 29. Mai statt Anfang Mai - berücksichtigt.

12.700 anstatt 33.600 Besucher in Krems

„Aufgrund der Covid-19-Situation erleben wir dieses Jahr eher verhaltene Besucherzahlen“, heißt es vonseiten des Leiters der Kremser Badearena und Sportanlagen Günter Kammerer. Konnte sich das Freibad bis zum Stichtag des 29.7.2019 über rund 33.600 Gäste freuen, waren es dieses Jahr bisher lediglich etwa 12.700 Besucher, also ein gutes Drittel.

Für diese Diskrepanz gibt es mehrere Gründe. „Der Juni des Jahres 2019 war außergewöhnlich heiß“, erinnert sich Kammerer. Tatsächlich war Krems während der späten Juni-Tage des Vorjahres mit 38,2 Grad Celsius österreichweiter Hitze-Hotspot.

„Medien beeinflussen Zahl unserer Badegäste“

Auch im Kuenringer Bad in Dürnstein war seit der Öffnung wenig überraschend ein herber Rückgang der Badegästezahlen zu beobachten. „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir diesen Juni etwa 75 Prozent weniger Besucher gehabt“, bestätigt der zuständige Beauftragte der Gemeinde, Stephan Edlinger. Im Juli sei die Zahl „fast gleich“ gewesen. „Das Wetter hat einfach nicht mitgespielt.“

Dabei wirft er aber ein, dass sich die Badelust der Menschen nicht zwangsläufig an den objektiven Temperaturen messen ließen. „Die Berichterstattung der Medien hat einen Einfluss darauf, wie viele Menschen tatsächlich kommen.“ Sei auf den Titelseiten etwa von einer „Hitzewelle“ die Rede, kämen mehr Badegäste, auch wenn das Wetter gar nicht besonders gut sei. „Wenn umgekehrt Regen angesagt ist, dieser aber dann nicht kommt, ist das Bad manchmal trotz bestem Sonnenschein fast leer“, erklärt Edlinger:

Können Corona-Regeln in Bad funktionieren?

Auch im Gföhler Erlebnisbad ging es heuer bisher nur selten „kuschelig“ zu. Gemessen an 2019 hat „einer von zwei“ Besuchern auf den Gang ins Gföhler Bad verzichtet, es gab also einen Rückgang um 50 Prozent. Das unbeständige Sommerwetter bot oft mehrfach täglich ein Wechselbad aus Sonnenschein mit Badetemperaturen und Regenschauern.

In den befragten Badeanstalten kam es allerdings zu keinen nennenswerten Änderungen im Besucherverhalten. So kam es beispielsweise zu keinem Anstieg bei kürzeren Zeitkarten. Günter Kammerer möchte außerdem kein Ausweichverhalten ins Kremser Hallenbad beobachtet haben.

Hinsichtlich der Corona-Vorgaben für Badeanstalten berufen sich die Befragten auf die Bundesregierung und die Eigenverantwortlichkeit der Besucher. „Wir können nur an die Vernunft der Besucher appellieren“, so Florian Riegler vom Gemeindeamt Gföhl. Im großen Sportbecken in Krems gilt etwa eine Höchstzahl von 142 Schwimmern. Zwar gibt Kammerer keine konkrete Antwort, wie eine so hohe Zahl kontrolliert werden kann. Jedoch: „Wir mussten schon Becken und den Sprungturm sperren.“

Hinsichtlich der Situation der Buffets hält man sich bedeckt. Nur in Gföhl heißt es Pachtvergünstigungen hätten per se keine Rolle gespielt. „Bei uns hätte die Badesaison sowieso erst Anfang Juni begonnen.“

Gedrängel und Müll am Stausee Ottenstein

Wie ist die Situation an beliebten Badeseen? Im Seerestaurant am Ottensteiner Stausee heißt es: „Es wäre bestimmt ein gutes Jahr geworden. Wir haben ja ganzjährig offen, waren also vom Lockdown vollumfänglich betroffen.“

Mit dem Juli-Geschäft sei man aber immerhin zufrieden. „Wir haben rund 300 bis 400 Gäste pro Tag.“ Weichen Menschen aus Sorge über Corona an Seen aus? In Ottenstein herrschte über das vergangene sonnige Wochenende dichtes Gedränge an den Einstiegsstellen. Auch überquellende Mülleimer entlang des Ufers zeugten vom regen Andrang.

Umfrage beendet

  • Verzichtet ihr wegen Corona auf Freibad-Besuche?