Hilfe gegen Wasserpest im Kamp?. Die Entleerung des Stausees Thurnberg könnte dazu beitragen, die Plage etwas einzudämmen.

Von Petra Vock. Erstellt am 15. August 2019 (11:21)
Michael Eberl, Martin Kalchhauser
Auch in Plank bedeckt die Kanadische Wasserpest wie ein großer graugrüner Teppich den Kamp. Die Badebereiche werden immer wieder händisch freigeräumt – eine Sisyphusarbeit

Unglaubliche 26,7 Grad war der Kamp bei Stiefern heuer schon warm, und das bereits am 27. Juni, wie Messdaten des Landes NÖ belegen. Ideale Bedingungen für die vor Jahrzehnten eingeschleppte Pflanze „Kanadische Wasserpest“, die ihrem Namen alle Ehre macht und weite Teile des Kamps in Beschlag genommen hat.

Der Kampf gegen sie ist schwer zu gewinnen, da abgerissene Teile weiterwachsen. Deshalb seien auch Mähboote keine wirkliche Lösung, meint Michael Strommer, Bürgermeister der Gemeinde Schönberg: „Dabei treibt viel weg, wird weiter unten angeschwemmt und wächst weiter. Das Einzige, was wir derzeit tun können, ist, die Wasserpest bei den Badestellen mit der Hand auszureißen.“

„Eine Empfehlung der Studie war, die Wassermenge, die im Sommer abgegeben wird, zu erhöhen.“Biologe Martin Scheuch

Beim Stieferner Kampbad fand im Juli wieder die jährliche Gemeinschaftsaktion des Verschönerungsvereins statt, bei der viele Helfer die Pflanzen ausreißen und ans Ufer schaffen, von wo die Haufen dann abtransportiert und kompostiert werden, wie Obmann Gerhard Huber erzählt: „Wir hoffen, dass es vielleicht irgendwann einmal eine andere Lösung gibt.“

Michael Eberl, Martin Kalchhauser

Doch wie könnte die aussehen? Der in Zöbing lebende Biologe Martin Scheuch glaubt, dass die EVN einen wichtigen Schlüssel in der Hand hält, und beruft sich auf eine Studie, welche die Universität für Bodenkultur und die Universität Wien in den 80er Jahren erstellt haben: „Eine Empfehlung dieser Studie war, die Wassermenge, die im Sommer abgegeben wird, zu erhöhen. Dadurch würde das Wasser schneller fließen, der Schlamm könnte sich nicht so gut ablagern und die Wassertemperatur würde sinken, sodass die Wasserpest schwerer neue Flächen besiedeln könnte.“

Im Winter könnte dagegen zu Zeiten heftiger Fröste weniger Wasser abgegeben werden, sodass die flachen Bereiche mit der Wasserpest durchfrieren, regt Scheuch an. Beide Maßnahmen wären eine Annäherung an die natürlichen Gegebenheiten vor dem Bau der Stauwerkskette.

Zach: „Da spielen Hunderte Dinge eine Rolle“

Einen Testlauf könnte auch die bevorstehende Entleerung des Kamp-Stausees Thurnberg wegen Bauarbeiten darstellen, meint Scheuch: „Da könnte man kurzfristig mehr Wasser herunterlassen, um zu schauen, wie viel von der Wasserpest dadurch mitgenommen wird.“

EVN-Sprecher Stefan Zach bestätigt, dass aufgrund der Entleerung des kleinsten der drei Stauseen ab dem 19. August vorübergehend mehr Wasser den Kamp herunterfließen wird als sonst und dass die Wassertemperatur – zuletzt hatte der Kamp bei Stiefern 22,6 Grad – durch das kühlere Wasser aus dem Stausee sinken wird. Über die genauen Mengen hält Zach sich jedoch bedeckt. „Da spielen Hunderte Dinge eine Rolle“, erklärt er und verweist darauf, dass die erlaubte Abgabemenge jedenfalls begrenzt sei.

Biologe Scheuch hat sowieso Zweifel, ob man die Wasserpest auf diese Weise besiegen könnte: „In der Studie ist zu lesen, dass bei den großen Wassermengen, die dafür wahrscheinlich notwendig wären, bereits Hochwasserschäden auftreten würden.“