Dürnstein auf dem „ewig gleichen Pfad“. Besucherzahlen und „Empfindungen“ von Gästen und Bewohnern als Grundlage für Konzepte zu Lenkung & Entzerrung.

Von Gertrude Schopf. Erstellt am 30. Mai 2019 (04:42)
Machten sich über den Tourismus (vor allem in Dürnstein) Gedanken: Peter Sigmund (Donau-Tourismus), Bürgermeister Johann Riesenhuber, Erich Polz (Welterbegemeinden Wachau), Mario Pulker (Obmann Tourismusverband Wachau-Nibelungengau-Kremstal), Bernhard Schröder (Donau-Tourismus), Andreas Nunzer (Vorsitzender Welterbegemeinden Wachau).
Johann Lechner

Die Besucherzahlen von Juni bis Oktober sowie die Empfindungen der Gäste und der Bevölkerung hatte eine Studie der „Kondeor Tourismusforschung“ im Vorjahr erhoben. Dazu wurden neben Befragungen und manueller Zählung auch Mobilfunkdaten herangezogen und ausgewertet.

Mit Spannung waren die Ergebnisse erwartet worden – und sie bestätigen, was die Bewohner ohnedies wissen: Der vorhandene Platz und die Anzahl der Gäste in der Stadt geraten zu bestimmten Zeiten aus der Balance. Und zwar vor allem an Wochenenden: Im besucherstärksten Monat September etwa wurden an Werktagen im Schnitt 5.580 Gäste, an Samstagen und Sonntagen im Schnitt 8.540 Besucher gezählt.

Als Höchstzahl gab die Studie 12.270 an. Es sind natürlich nicht alle Besucher gleichzeitig da, aber es gibt Auslastungsspitzen – und darüber stöhnen nicht nur die Stadtbewohner, sondern zum Teil sagen auch die Gäste selbst, dass sie Dürnstein lieber mit weniger Besuchern erleben würden. Wie hoch die Besucherzahlen über das ganze Jahr hinweg gesehen sind, konnte Kondeor-Chef Dietmar Kepplinger aufgrund des nur fünfmonatigen Untersuchungszeitraumes nicht schlüssig beantworten.

Rechnet (bzw. schätzt) man die Zahlen hoch, kommt man für das Jahr 2018 auf rund 1,1 Mio. Besucher (wobei da jeder eingerechnet ist, der sich in der Stadt aufhält, beispielsweise auch Lieferanten oder in der Stadt Arbeitende).

Besonders störend empfindet die Bevölkerung die Radfahrergruppen. 500 bis 650 Fahrräder wurden durchschnittlich pro Tag gezählt, am Maria-Himmelfahrtstag waren es ganze 1.565.

Kurze Aufenthaltsdauer, wenig Wertschöpfung,

Auch Aufenthaltsdauer der Tagesgäste und die lukrierte Wertschöpfung nahm die Kondeor-Studie unter die Lupe. Ein Drittel der Gäste bleibt demnach bis zu eineinhalb Stunden, etwa die Hälfte bis zu maximal drei Stunden. Bei so kurzer Aufenthaltsdauer geben die Besucher pro Kopf 24 Euro aus. Bei einer Besuchszeit von mehr als viereinhalb Stunden – nur 10 Prozent der Gäste bleiben so lange – betragen deren Ausgaben im Schnitt 39 Euro.

Was kann man nun tun, um die Situation wieder einigermaßen ins Lot zu bringen? Konzepte zur Besucherlenkung und zur Entzerrung besonders frequentierter Standorte wurden in Auftrag gegen. „Eine Region, ein Tal, ein Schicksal“: Andreas Nunzer aus Spitz, Vorsitzender der Welterbegemeinden Wachau, stellte einige geplante Maßnahmen vor. So sollen Kulturtouren entwickelt werden, um die Besucher nicht nur auf dem „ewig gleichen Pfad“ durch die Stadt zu führen. Per App soll das neue Leitsystem vermittelt werden (Umsetzung 2020). Eine Besucherfibel wird noch heuer erstellt, ein neuer Stadtplan ist für 2020 in Planung. Radfahrer sollen auf der Donaulände an der Stadt vorbeidirigiert werden bzw. ihre Räder vor der Stadt abstellen können (Rad-Garage beim westlichen Tunnelportal).

Weitere Schritte (ab 2020) sind die Erstellung eines überregionales Leitsystems, eine einheitliche Busparkplatz-Bewirtschaftung in allen Wachau-Orten, und die Kabinenschiffe sollen auf alternative Ausflugsziele aufmerksam gemacht werden. Ein „Eintritt“ in die Stadt oder eine Besucher-Limitierung werde nicht ins Auge gefasst.