Fassaden-Mosaik in Schiltern zerstört. Das Kunstwerk an der Fassade der Volksschule, 1966 angefertigt, wurde mit Wärmedämmplatten verkleidet. Keiner der Entscheidungsträger kannte dessen Wert.

Von Gertrude Schopf. Erstellt am 05. Oktober 2019 (12:05)
Sträucher verdeckten bis zur Renovierung der Schulfassade das großeüber 50-jährige Mosaikbild zum Teil. Jetzt ist es mit Wärmedämmplatten verkleidet – und wohl für immer zerstört.
Archiv Rugus

Kaum einer kennt die Sage vom „Goldenen Kegelspiel von Kronsegg“. Ein Ritter soll seinen „größten Schatz“, goldene Kegel samt Kugeln, im Schlossbrunnen versenkt haben. Ein Bauer hätte den Schatz später heben können, doch er traute sich nicht, den Burg-Schlüssel aus dem Maul eines „feurigen“ Pferdes zu entnehmen. Somit konnte er den Ritter nicht erlösen und verwirkte auch sein eigenes Leben.

Die bekannte Künstlerin Ingrid Brandstetter, gebürtige Schilternerin, hat diese Sage 1966, in den Anfangsjahren ihres Studiums, an der Fassade der damals neu eröffneten Volksschule dargestellt. Es war ihre erste öffentliche Arbeit, ein Auftragswerk des Landes NÖ.

Das Mosaik, etwa zehn Quadratmeter groß, zeigt ein Pferd mit einem goldenen Schlüssel, den furchtsamen Bauern, eine angedeutete Burgruine. Es besteht aus geschätzten 50.000 einzelnen Glassteinen, wurde in einer Technik, die es seit der Antike gibt, angefertigt und überdauert laut Brandstetter Jahrtausende. Falls man es nicht mit Kunststoffkleber zuschmiert und darauf Dämmplatten andübelt.

„Es war keine willkürliche Absicht, es war Unwissenheit aller Beteiligten!“: Bildungs-Stadtrat Thomas Redl übernahm es in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu erklären, warum im Zuge der Sanierung der Schule das Kunstwerk unter der Wärmedämmung verschwunden und für immer „konserviert“ und damit zerstört worden ist.

Am 9. September habe es eine Begehung der Baustelle gegeben, bei der zahlreiche Gemeindevertreter, darunter Ortsvorsteher Harald Groll und Bürgermeister Harald Leopold, dabei waren. Unter Denkmalschutz stand das Fassadenbild nicht, also wurde beschlossen, den Vollwärmeschutz wie geplant anzubringen.

Dass es sich bei dem Mosaik um wertvolles Kulturgut handelt, dass es einen heimatkundlichen Bezug gibt, war anscheinend keinem der Anwesenden bewusst. „Es tut mir von Herzen weh“, sagt die Künstlerin. „Man hätte doch fragen können ...“