100 Mitarbeiter zur Kündigung in Krems angemeldet. Kremser Gastronom Harald Schindlegger ergreift rigorose Maßnahme. Bad, Eventstage und Kunstmeile schließen. Keine einzige Infektion in Stadt und Bezirk.

Von Franz Aschauer, Martin Kalchhauser, Petra Vock und Bert Bauer. Update am 12. März 2020 (08:37)
Gastronom Harald „Harry“ Schindlegger vor einem seiner Lokale, dem „2Stein“: Stornowelle für Catering-Aufträge macht dem Unternehmen „Harry’s Gastrotainment“ schwer zu schaffen. Foto: Martin Kalchhauser
Martin Kalchhauser ​​​​​​​

Der Erlass der Bundesregierung, wonach Veranstaltungen im Freien mit mehr als 500 Personen und über 100 Personen in geschlossenen Räumen untersagt sind, trifft auch in Krems das öffentliche Leben mit voller Härte. An dem dafür verantwortlichen Coronavirus ist indes sowohl in der Stadt Krems, als auch im Bezirk Krems-Land niemand erkrankt. Das teilten der Magistrat und die Bezirkshauptmannschaft der NÖN am Nachmittag des 11. März mit. 

Kamingespräch findet statt

Beinahe alle kulturellen Veranstaltungen bis 3. April sind abgesagt, nur einige wenige gehen plangemäß über die Bühne. Nicht von den Absagen betroffen ist das „Kremser Kamingespräch“ am heutigen Mittwoch, 11. März, 18 Uhr, im Haus der Regionen in Stein. „Das Kamingespräch findet statt, da wir aufgrund der aktuellen Anmeldungen nicht mehr als 20 Personen erwarten. Entsprechende Hygienemaßnahmen wurden ebenfalls getroffen“, informiert Volkskultur-Pressesprecherin Alexandra Munk. Über das Thema „Unsere Zukunft: selbstbestimmt - fremdbestimmt“ sprechen mit Kamingespräch-Erfinder Edgar Niemeczek die „Fridays for Future“-Aktivistin Lena Schilling und der Zukunftsforscher Matthias Horx (Anmeldung erforderlich: 02732 85015).

Jazz im Salzstadl geht über die Bühne

Gute Nachrichten gibt es auch für Freunde des Jazz: Das Konzert von David Friesen mit dem „Circle 3 Trio“ am Samstag, 14. März, 20 Uhr, soll plangemäß über die Bühne gehen, wie „That’s Jazz“-Obmann Günter Fallmann der NÖN mitteilte. Der Grund: Das Konzert findet wie alle „That’s Jazz“-Veranstaltungen im Salzstadl in Stein statt, und der sei für weniger als 100 Personen zugelassen und somit von dem Regierungserlass nicht betroffen, erklärt Fallmann. Der 78-jährige Friesen, der von einem amerikanischen Fachmagazin unter die 100 besten Jazzbassisten aller Zeiten gewählt wurde, wolle im Salzstadl auftreten, und daher werde das Konzert veranstaltet, so Fallmann. Nähere Informationen: members@thatsjazz.at, 0680/3258318. 

Kesselhauskino sperrt zu

Geschlossen bleibt dagegen bereits ab heute bis einschließlich 3. April das Kino im Kesselhaus in Stein: Das für heute Abend geplante Filmgespräch mit dem Zöbinger Regisseur Joerg Burger über seinen Film „Elfie Semotan, Photographer“ kann daher nicht stattfinden, wie Barbara Pluch, Pressesprecherin der NÖ Festival & Kino GmbH, der NÖN mitteilte. Mit diesen Maßnahmen folge man „der dringenden Empfehlung der NÖKU Holding“. Ebenfalls abgesagt wird daher die für Donnerstag, 12. März, geplante ausverkaufte Veranstaltung „Verborgenes und Erlesenes“, die in kleinem Rahmen im Mazzetti-Haus am Schürerplatz in Stein über die Bühne gehen sollte, und die Veranstaltungen des Osterfestivals „Imago Dei“ von 20. März bis einschließlich 3. April. Die Konzerte des Osterfestivals von 4. bis 15. April sind derzeit nicht von den Absagen betroffen. www.klangraum.at 

99 Plätze in Cinemaplexx-Sälen

Offen bleibt das Cinemaplexx im Gewerbepark. Kinovorstellungen werden auf 99 Personen limitiert, erzählt Hausherr Peter Hauswirth der NÖN. Insgesamt verfügt das Cinemaplexx über sechs Säle, zwei mit exakt 100 Plätzen, zwei mit 140 und zwei große mit 250 Plätzen. Die Beschränkung schmerze nicht allzu sehr, 100 Besucher bei einer Vorführung seien in der nächsten Zeit ohnehin unwahrscheinlich gewesen. Schuld daran ist wiederum die Coronakrise, die die Ausstrahlung einiger heiß erwarteter Hollywood-Streifen auf Herbst verschieben hat lassen. Zuletzt davon betroffen: der neueste Film der James-Bond-Reihe, der statt im April erst im November auf der Leinwand zu sehen sein wird. Hauswirth nimmt die Situation gelassen: "Dann haben wir wenigstens im Herbst volles Haus." Kinobesucher hätten jetzt außerdem den Vorteil, dass sie im Einvernehmen mit den anderen Gästen auch andere Plätze wählen können, um bequemen und sicheren Freiraum zu genießen. 

Acht Party-Abende in Eventstage gecancellt

Ihre Pforten bis zumindest 3. April schließen muss hingegen die Eventstage direkt neben dem Cinemaplexx. „Wir müssen das machen, auch wenn es für uns eine Katastrophe ist“, stellt Betreiber Josef Böhmer fest. „Nur 99 Leute einzulassen, wäre ein Wahnsinn und auch aus Kostengründen keine Option.“ Sieben Veranstaltungen sind abgesagt beziehungsweise werden verschoben.

Alle Museen geschlossen

Die Museen der Kunstmeile Krems bleiben bis einschließlich 3. April geschlossen. Die Schließung umfasst die Kunsthalle Krems, das Karikaturmuseum Krems, die Landesgalerie Niederösterreich, das Forum Frohner und die Artothek Niederösterreich.Das bedeutet unter anderem, dass die für Freitag und Samstag angekündigten Performances und Ausstellungseröffnungen entfallen. Auch die Comic-Ausstellung „Fix & Foxi XXL. Die Entdeckung der Schlümpfe, Spirou und Lucky Luke“ kann somit nicht wie geplant am Samstag, 14. März, eröffnet werden. 

Jubiläum in Grafenegg abgesagt

Ebenfalls am kommenden Wochenende hätte in Grafenegg das 15-Jahr-Jubiläum der Chorszene NÖ mit Bachs „Matthäuspassion“, gesungen vom Chor Ad Libitum, Daniel Johannsen und anderen, gefeiert werden sollen. Dieses große Konzertereignis im Auditorium Grafenegg muss ebenso abgesagt werden wie der Toskana-Schwerpunkt im Haus der Regionen: Riccardo Tesi und die Banditaliana werden nicht, wie angekündigt, am 20. März im Haus der Regionen gastieren. 

Gastro fürchtet verschärfte Maßnahmen

Nicht betroffen vom Erlass der Regierung sind "gastronomische Einrichtungen, die hauptsächlich für die Verabreichung von Speisen zugelassen" sind, also Restaurants. Kremser Lokalbetreiber treffen trotzdem Vorsichtsmaßnahmen, etwa Otto Raimitz, Chef des "Wellenspiel" bei der Schiffsstation Stein und des "Genussspiel" im Einkaufszentrum Mariandl.

"Wellenspiel"-Chef Otto Raimitz erwartet, dass Lokale bald um 18 Uhr schließen müssen.
Martin Kalchhauser

Im "Wellenspiel" etwa gibt es ab sofort die Möglichkeit, Speisen telefonisch zu ordern und anschließend abzuholen. Einbußen habe er aktuell noch nicht zu verschmerzen, sagt Raimitz. Alleine heute seien 16 Reservierungen für das Wochenende eingegangen, denen gegenüber sechs Stornierungen stünden, was allerdings ein "außerordentlich hoher Wert" sei. Im "Genussspiel", in dem rund 120 Gäste Platz finden, habe er Tische entfernen lassen, um die 100er-Grenze nicht zu überschreiten, schildert Raimitz. Das Maßnahmenpaket der Regierung findet der erfahrene Gastronom "großartig": "Mein Respekt für diese schnelle Reaktion." Er persönlich halte es für notwendig, dass auch die Schulen geschlossen werden. Für seine Branche erwartet Raimitz in naher Zukunft Einschränkungen: "Ich denke, dass wir bald um 18 Uhr schließen müssen."

Hofbräu reduziert Platzangebot

Maßnahmen ergriffen hat auch das mit 180 Plätzen größte Gasthaus in Krems, das Hofbräu am Steinertor. Die große und kleine Bierstube mit Platz für 100 Gäste sind geschlossen worden, erzählt Geschäftsführer Thomas Kalchhauser. Die für Freitag geplante Schlagernacht ist abgesagt worden. Hofrbäu-Eigentümer, Immobilien-Entwickler Othmar Seidl, hat Verständnis für die radikalen Vorgaben der Regierung. "Wenn die Politik so reagiert, muss sie mehr als wir wissen. Ich hoffe nur, dass das alles nicht lange dauert." Seidl, der aktuell in Kitzbühel weilt, wo sein Hotel "Grand Tirolia" als eines von wenigen noch nicht schließen musste, befürchtet "massive wirtschaftliche Auswirkungen" durch die Corona-Krise. "Wir alle werden den Gürtel ein bisschen enger schnallen müssen." Für den Kremser Musikfrühling Ende Mai mit Konzerten von Thorsteinn Einnarson, "Silbermond" und "Die Seer" erwartet Seidl aktuell keine Gefährdung. 

Fast 100 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet

Dramatisch wirkt sich die „Corona-Krise“ für den führenden Kremser Gastronomen Harald „Harry“ Schindlegger aus. „Wir bekommen im Catering-Bereich laufend Absagen von Kunden, die Veranstaltungen stornieren müssen.“

Gastronom Harald Schindlegger: "Da kommt ein Tsunami auf uns zu."
Martin Kalchhauser

Damit diese Stornowelle nicht direkt auf die Firma mit fast 100 Mitarbeitern durchschlägt, muss sich Schindlegger von einem Teil seiner Belegschaft trennen. Weil es da lange Fristen einzuhalten gibt, hat er am 11. März fast sein gesamte Crew vorsorglich beim AMS zur Kündigung angemeldet. „Dahinter stehen wirtschaftliche Überlegungen, es geht um den Fortbestand des Unternehmens!“ Vorerst darf Harry immerhin sein "2Stein" in der Dorrekstraße und das "Poldi Fitzka" in der NÖ Landesgalerie offen halten. Die Sorgenfalten sind jedoch groß: „Da kommt ein richtiger Tsunami auf uns zu.“

Bad und Sauna schließen

Dicht machen ab Donnerstag das Kremser Hallenbad und die Sauna. "Angesichts der Gesamtlage ist das Bad keine maßgebliche Infrastruktureinrichtung", sagt Magistratsdirektor-Stellvertreter Hannes Zimmermann. Nicht betroffen von der Schließung ist das Baderestaurant Kröll, das von Dienstag bis Sonntag jeweils von 9 bis 15 Uhr geöffnet hat.

Auf die Arbeit im Magistrat, eines der größten Arbeitgeber in Krems, wirke sich die Corona-Krise derzeit nicht in besonderem Maße aus, schildert Zimmermann. "Es herrscht normaler Betrieb mit erhöhtem Aufruf zur Sorgfalt." Lediglich Desinfektionsmittelspender seien schon vor 14 Tagen aufgestellt worden. 

Stadtpfarrer unschlüssig

Die von der Diözese St. Pölten ausgegebenen Vorschriften für die Pfarren werden indes auch in der Kremser Stadtpfarre St. Veit genau beachtet. Auch wenn die teilweise für Krems „nicht praktikabel“ sind, wie Pfarrer Franz Richter am NÖN-Telefon betont. „Wir könnten beispielsweise die Sonntagsmesse um 8 Uhr und die Abendmesse belassen. Denn da sind nie mehr als 100 Gläubige.“ Was aber tun mit der 10-Uhr-Messe, zu der sonntags meist rund 300 Menschen zusammenkommen? Wenn sich deren Besucher aufteilen, käme es wieder zu einer Ansammlung zu vieler Leute.

Freiluftmesse am Pfarrplatz?

Zwei Varianten wurden zuletzt in der Pfarre diskutiert: Entweder man hält die 10-Uhr-Messe als Feldmesse am Pfarrplatz (südlich des Doms der Wachau) ab, oder die Messe wird gesplittet. „Dann könnten ältere und gehbehinderte Menschen in der Kirche feiern, ein anderer Teil geht in den großen Pfarrsaal im ersten Stock, und Kinder und Jugendliche kommen im kleinen Pfarrsaal zusammen.“ Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Was gegen den Gottesdienst im Freien spricht, ist das Wetter. „Wenn Messbesucher zu wenig warm angezogen kommen, haben wir nach der Messe erst recht ein paar Kranke.“ Der Kremser Pfarrherr hofft intern auf eine „zeitnahe Entscheidung“. Am logischsten wäre für Richter, „alles abzusagen“. Diese harte Maßnahme könne man aber nur in Koordination mit anderen (benachbarten) Pfarren machen. „Sonst ist der eine der Böse!“ 

Erhöhte Vorsichtsmaßnahmen in Seniorenheimen

Vorsicht walten lässt man aktuell in den Senioreneinrichtungen. Claus Dobritzhofer, Geschäftsführer der SeneCura-Einrichtungen (Thorwestenhaus, Wohnhaus Ringstraße, Pflege- und Betreuungszentrum Brunnkirchen) berichtet von umfassenden Informationen und vielen Vorsichtsmaßnahmen. „Wir haben uns entschlossen, möglichst gut zu informieren, Vernunft walten zu lassen und an Verständnis für Maßnahmen zu appellieren. Einen Tag habe es etwa Widerstand gegen die Vorschrift gegeben, dass sich jeder externe Besucher des Hauses in eine Liste eintragen muss. „Diese Registrierung sehen mittlerweile aber alle ein“, weiß Dobritzhofer aus der Praxis zu berichten. „Primär geht es bei uns um den Schutz der Bewohner, die die Besucher nicht gefährden sollen.“

Nicht notwendige Kontakte unterbleiben

Die Angehörigen sind sozusagen „im Therapieplan mit dabei“ und das mittlerweile gewohnt. Nicht notwendige Kontakte sollen unterbleiben. Man frage, ob es eine Gruppe sein müsse, die zu Besuch komme, oder ob man nicht besser im Zimmer bleibe, statt gemeinsam das Café zu besuchen. Untereinander halten sich die Mitarbeiter mit dem Händeschütteln derzeit zurück. „Weil wir die Leute gut informiert haben, gehen damit auch die Bewohner locker um“, freut sich der Geschäftsführer. Den Optimismus will Dobritzhofer aber auf keinen Fall verlieren und scherzt: „Wir sehen das positiv und hoffen, dass wir stärker sind als das Virus.“ 

Bürgermeisterangelobung abgeblasen

Auswirkungen hat die Corona-Krise auch auf den Post-Gemeinderatswahl-Terminplan, wie Bezirkshauptfrau Elfriede Mayrhofer erzählt. Die große Angelobungsfeier aller 30 dieser Tage gewählten Bürger- und Vizebürgermeister, die für den 24. März in der Gartenbaufachschule Langenlois geplant war, ist abgesagt. „Ich werde die Bürgermeister sozusagen in kleinen Tranchen angeloben“, plant die Bezirks-Chefin eine Aufteilung der Feier in überschaubare Gruppen. Von sich aus quasi prophylaktisch abgesagt haben aktuell alle Fortbildungen die Feuerwehr und das Rote Kreuz.

IMC setzt auf digitale Lehre

Den physischen Lehrbetrieb völlig einstellen werden in den nächsten Tagen die fünf Kremser Universitäten und Fachhochschulen. An der IMC FH Krems etwa gibt man sich ob der Situation optimistisch. Man setze alles daran, dass für die Studierenden keinerlei Nachteile für den weiteren Studienverlauf entstehen.

Die IMC Fachhochschule stellt wie die vier anderen Universitäten und Hochschulen in Krems den physischen Lehrbetrieb ein.
IMC FH Krems

„Die Organisation ist gut vorbereitet, den Großteil der Lehrveranstaltungen auf Distance Learning umzustellen. Ich möchte mich bei allen Studierenden und Lehrenden für die gute Zusammenarbeit bedanken.“, lässt Geschäftsführerin Ulrike Prommer ausrichten. Lehrveranstaltungen werden in nächster Zeit digital über Microsoft Teams oder Padlet abgewickelt. Die Stundenplanung wird dahingehend angepasst. Aufnahmegespräche und -tests werden in den nächsten Tagen und Wochen nicht vor Ort stattfinden. Die Änderungen werden per Mail oder telefonisch kommuniziert. Der für Donnerstag, 19. März, geplante Bachelor Info Day wird abgesagt. Eine zusätzliche Info-Veranstaltung ist für einen späteren Zeitpunkt geplant. Die Career Links Messe wird vom 31. März auf einen Termin im Herbst verschoben. 

Handball-Meisterschaft unterbrochen

Von den Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen den Corona-Virus ist auch der heimische Handball betroffen. Waren am Wochenende zuerst nur Geisterspiele ohne Zuschauer vorgesehen, so sprachen sich die Vereinsvertreter im Rahmen einer Online-Konferenz für die vorläufige Einstellung des Spielbetriebes bis 24./25.April aus.

Die Handballer des UHK Krems (im Bild: Fabian Posch) haben bis Ende April Meisterschaftspause.
Horst Sommer

Das heißt vorerst einmal, dass nicht nur der Schlager der Kremser Handballer gegen den HC Hard nicht stattfindet, sondern Bonusrunde, Quali- und Spusu-Challenge mit dem augenblicklichen Tabellenstand abgeschlossen sind. Für UHK-Obmann Josef Nussbaum ist das in Anbetracht der augenblicklichen Tabellensituation kein Beinbruch: „Mehr als Rang 3 wäre für uns in den restlichen Runden ohnehin nicht möglich gewesen. Zudem hat die Gesundheit von Spielern, Betreuern und den Beteiligten im organisatorischen Bereich jetzt absoluten Vorrang.“