Dominikanerkirche: „Der großartigste Raum in Krems“. Leo Zogmayer sprach mit der NÖN darüber, was ihm die Dominikanerkirche bedeutet, und über sein Riesen-Projekt in Berlin.

Von Petra Vock. Erstellt am 12. April 2019 (05:05)
Lechner
Leo Zogmayer interveniert künstlerisch in der Dominikanerkirche.

In seiner Heimatstadt sehr präsent ist derzeit der Kremser Künstler Leo Zogmayer, der im Februar 70 Jahre alt wurde: Nach seinem Schriftzug für die Landesgalerie und seinem Prolog für das Festival Imago Dei zeigt er eine Installation in der Dominikanerkirche (Eröffnung am 12. April, 17 Uhr).

NÖN: Am Freitag wird Ihre Ausstellung in der Dominikanerkirche eröffnet. Worum geht es dabei?

Leo Zogmayer: Meine Ausstellung besteht in der Hauptsache aus einer Textintervention, die ich am Boden des Mittelschiffes auslege. Damit bringe ich Fragen ein, bemühe mich um einen Dialog mit dem historischen Kirchenraum. Kirchen sind eschatologische Räume, hier werden „letzte Dinge“ thematisiert, und das bleibt spürbar.

Was bedeutet Ihnen persönlich die Dominikanerkirche?

Die Dominikanerkirche ist der großartigste Raum in Krems. Für mich ist sie ein ganz besonderer Ort, eine Art Oase: Man ist mitten in Krems und zugleich woanders. Ein Besuch der ehemaligen Klosterkirche ist für mich wie eine Reise ... Als Schüler bin ich dort ins Kino gegangen. Das Gebäude hatte ja seit der Aufhebung des Klosters unterschiedlichste Verwendungen.

 „Dadurch, dass die kultische Enge wegfällt, wird der Ort für die Menschen auf neue Weise erlebbar.“

Was macht das Besondere der Dominikanerkirche aus?

Die gotische Basilika ist der größte Sakralbau in Krems und seit Langem säkularisiert – das ist in gewisser Weise auch ein Gewinn: Dadurch, dass die kultische Enge wegfällt, wird der Ort für die Menschen auf neue Weise erlebbar.

Wie geht es Ihnen mit Ihrem großen Projekt, dem Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin?

Das ist eine sehr schöne Aufgabe, über die ich sehr glücklich bin. Bei dem Wettbewerb, den ich 2015 mit den deutschen Architekten Sichau und Walter gewonnen habe, waren über 400 Teams aus Europa am Start, und einen solchen Auftrag dann zu bekommen ist schon ein Highlight in einem Künstlerleben. Umgebaut wird, wenn alles gut geht, frühestens ab Herbst. Wir sind noch in vielen Detailplanungen. Ich arbeite demnach an drei Standorten: in Wien, wo sich mein Atelier befindet, in Krems und in Berlin.

Ihr Konzept für diese Kathedrale gilt als revolutionär. Was ist für Sie das Wesentliche daran?

Die St.-Hedwigs-Kathedrale ist ein Zentralraum, der nach dem Vorbild des Pantheons in Rom gebaut wurde. Wir zeigen auf, dass nicht der traditionelle basilikale Längsbau, sondern der Zentralraum die liturgisch schlüssigere Figur ist. Hier ist es möglich, einen Communioraum für eine barrierefreie Liturgie zu gestalten. Die Trennung zwischen Klerus und Gemeinde ist aufgehoben. Um nur ein Detail zu erwähnen: Auf die Halbkugel der Kuppel antwortet unten im Zentrum des Kirchraums eine Halbkugel aus Stein als Altar. Die Jury hat diese Ideen als zukunftsweisend em-pfunden und bewusst keinen zweiten Platz vergeben, damit unser Projekt verwirklicht wird.