Ärger über illegale Taschenkontrollen in Krems. Mit meinen Zeilen möchte ich die Unsitte der Taschenkontrollen in Geschäften thematisieren.

Erstellt am 16. September 2019 (15:30)

Der unangenehme Satz an der Kassa („Darf ich einmal in Ihre Tasche schauen?“) ist rechtlich absolut nicht gedeckt, was jedoch viele Leute nicht wissen und sich daher verhalten, als hätten sie es mit der Polizei zu tun.

Ich erlaube mir schon seit einiger Zeit erfolgreich und ohne Konsequenzen (außer einer beleidigten Kassiererin) mit einem klaren „Nein!“ zu antworten.

Kürzlich aber ging mir im neuen, großen BIPA-Laden im Steinertor-Center mit nur einer sichtbaren Mitarbeiterin darin, fast der Hut hoch. Die Mitarbeiterin schien neu gewesen zu sein, denn man stand eine gefühlte Ewigkeit an der Kasse Schlange.

Ich unterhielt mich mit einer entzückenden älteren Dame vor mir. Braungebrannt, strahlend, mit erkennbar wertvoller Perlenkette um den zarten Hals, erzählte sie mir, schon auf den Neunziger zuzugehen. Als sie an der Reihe war, um ein einzelnes Stück (Mundwasser) zu bezahlen, kam der unheimliche Satz: „Lassen Sie mich einmal in Ihre Tasche schauen!“ Ich rechnete aus, wann diese Dame geboren sein musste: um 1930, also vor dem Krieg!

Dann hatte sie die Nazizeit erlebt. Wie sollte sie also mit fast neunzig noch umlernen und sich 2019 nicht widerspruchslos filzen lassen? Ich ließ meine Sachen liegen und ging, weil ich mich sonst vergessen hätte – aber nicht, ohne der Kassierin einige Gedanken mitgeteilt zu haben, etwa: „Kein Respekt vor dem Alter!?“

Andrea Polatschek, Krems