GEDESAG-Kunden zahlen die Zeche. Zum Bericht „Baugrund-Preis fast verdreifacht“ (Kremser NÖN 31/2019) über das GEDESAG-Projekt Gaswerkgasse und einem Leserbrief des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Alfred Graf („Grundstück ist sogar über 5 Millionen wert“, 32/2019, Seite 20):

Erstellt am 19. August 2019 (14:27)

Zuerst Fakten als Antwort: Für 5764 m² bebauten „EVN-Grund“ wurde in den 90er-Jahren ein Angebot an die Stadt (1,6 Mio. Euro) abgelehnt. 2009 verkauft die EVN an das Land NÖ um 2,6 Mio. Euro, 2015 das Land je zur Hälfte an A. B. Bau (Bühl) und die Schubrig-Stiftung Vaduz (3,125 Mio. Euro). 2018 und 2019: Bühl/Schubrig verkaufen an die GEDESAG um 780,7 Euro/m², also 4,5 Mio. Euro. Das ist eine Steigerung um 181 % (!) zum Erstgebot, die die neuen Bewohner bezahlen!

Alfred Graf (ehemaliger GEDESAG-Vorstand und ÖVP-Stadtparteichef) meint, laut Gutachten sei der Wert heute sogar 5,056 Mio. Euro wert. Hätten die Stadt oder die GEDESAG Ende der 90er-Jahre gekauft, müssten die künftigen Mieter einige Millionen weniger zurückzahlen. Auch wäre die Sanierung früher sicher billiger gewesen. Der zuständige ÖVP-Stadtrat für Liegenschaften (Josef Deißenberger, Anm.) strebte damals den Kauf an. Andere zwei ÖVP-Stadträte haben dies, wie es den Anschein macht, mit einem „Scheinprojekt“ verhindert. Man gab vor, der Ausbau eines Amtshauses oben auf dem damals eingestürzten Keller des Stadtweingutes sei um 800.000 Euro möglich und daher „billiger“. Der Antrag dazu wurde aber von Bürgermeisterin Inge Rinke (ÖVP) bei der Gemeinderatssitzung vom 27. 10. 2010 überraschend von der Tagesordnung abgesetzt.

Später plante dann ein ÖVP-Stadtrat, der den Ankauf der Gaswerkgasse abgelehnt hatte, das 3,5 Millionen teure SCB (Service Center Bauen) in der Bertschingerstraße. Die Baufirma, die jetzt am Grundverkauf an die GEDESAG mitverdient, durfte es bauen.

Graf klagt darüber, dass private Bauträger die GEDESAG bei Bauprojekten überbieten. Das wirkt in Bezug auf die Gaswerkgasse merkwürdig. Die Stadt als 99 %-Eigentümerin hat ja die günstigste Möglichkeit ausgeschlagen und so erst die „Vergoldung“ bewirkt.

In der Gaswerkgasse sind wegen des hohen Preises jetzt 85 Wohnungen auf fünf (bisher drei) Stockwerken geplant. Die Fläche wird zu fast 50 % (bisher: 36 %) verbaut. Die Anrainer laufen Sturm dagegen, aber GEDESAG und Stadt wollen es durchziehen.

Die „Vergoldung“ der Gaswerkgasse ist auch kein Einzelfall. Das Landgut Gneixendorf hat ein Architekt als Grünland um etwas über 10 Schilling/m² aufgekauft. Bald nach der „investorenfreundlichen“ Umwidmung in Bauland (durch die damals ÖVP-regierte Stadt) hat er es der GEDESAG um über 70 S/m² weiterverkauft. Er durfte auch an Planung und Bauaufsicht der Siedlung verdienen. Warum hat die Stadt die Umwidmung in Bauland nicht von einem Verkauf direkt an die Stadt oder GEDESAG abhängig gemacht?

Der Rechnungshof (RH) und das Landeskriminalamt hatten laut Graf am Grundkauf Gaswerkgasse nichts auszusetzen. Das wundert mich nicht. In unserem Land ist die Profitmaximierung durch Superreiche (auch auf Kosten der Mieter oder Wohnungseigentümer) längst legal. Unsere Stadt als GEDESAG-Eigentümerin muss aber Interesse an günstigem Wohnraum für unsere Bürger haben! Kremser Parteien sollten dies als oberstes Gebot sehen. Für unsere Bürger soll das Kontrollamt das auch prüfen dürfen!

Die GEDESAG betreffend enthüllte der Rechnungshof 2017: Die Jahresbezüge für die beiden Vorstände (darunter Graf) betrugen zusammen 642.000 Euro (!) und lagen über den gesetzlichen Höchstsätzen! Bei dem geschilderten Zusammenspiel von Kremser Politik, GEDESAG und Privatinvestoren ist es kein Wunder, dass man Prüfungen durch das Kontrollamt verhindert.

Wolfgang Mahrer, Egelsee, KLS-Gemeinderat