„Vernichtung des Zwettler Stadtwalds“. Zur Berichterstattung „Anblick tut weh“ in der Zwettler NÖN, KW 7, Seite 10/11, erreichte uns folgendes Email:

Erstellt am 19. Februar 2019 (15:36)

„Zurecht wurden der Stadt Zwettl noch vor wenigen Jahren Höchstnoten in puncto Lebensqualität vergeben. In besonderer Weise war dafür auch der intakte Mischwald verantwortlich, der weit in das Stadtgebiet hineinreichte und allen Zwettlern ein Naturerlebnis vor der Haustür bot, um das man sie österreichweit zurecht beneidete. Damit ist es nun für Jahrzehnte, viel wahrscheinlicher aber für immer, vorbei.

Wer sich kürzlich zu einem Spaziergang ins Zwettltal aufgemacht hat, wird wohl seinen Augen nicht getraut haben. Der gesamte Stadtwald vom Eislaufplatz bis zum Zwettltalstadion ist einem beispiellosen Gemetzel zum Opfer gefallen. Als Erklärung liest man an der Absperrung bei der Talbergstiege lapidar das Wort „Eschensterben“. Nun mögen bei den abgemurksten Bäumen schon einige kranke Eschen dabei gewesen sein, dies rechtfertigt aber in keiner Weise die rücksichtslose Abholzung eines der wertvollsten Naturräume der Stadt.

Der brutale Kahlschlag reiht sich in eine seltsame Serie rücksichtsloser Vernichtungsaktionen ein, die seit einigen Jahren um sich greifen und denen mächtige, teils jahrhundertealte Baumbestände im Zwettltal oder auch am Statzenberg zum Opfer gefallen sind. Stets wurden sie als notwendige Maßnahmen im Interesse aller Bürger argumentiert. Fragt man nach den wahren Motiven, wird man doch etwas ratlos. Profitgier sollte es doch wohl angesichts der Eigentumsverhältnisse kaum gewesen sein. Viel eher spielen wohl panische Ängste vor Haftungsfragen eine Rolle, die auftreten können, wenn ein Erholungssuchender im Stadtwald zu Schaden kommt. Da ist es sicherlich komfortabler, wenn man den Risikofaktor Wald gleich vollständig ausschaltet, als dass man Forstkundige ein paar mal öfters durch die kleinräumigen Waldgebiete schickt und gezielte Sicherungsmaßnahmen setzen lässt.

Wie in der Vergangenheit kann man auch diesmal wieder sicher sein, dass Kritiker dieses Gemetzels als ahnungslose Romantiker abgekanzelt werden und die Ausradierung des Baumbestands als alternativlose Maßnahme verkauft wird. Solange sich die Bevölkerung Zwettls die um sich greifende Umweltzerstörung gefallen lässt und ihr nicht empört entgegentritt, solange werden die Schlägerungshorden weiter im Stadtwald wüten und ihr Werk schließlich vollenden.

Das letzte Kapitel im Feldzug gegen den Stadtwald ist nun aufgeschlagen. Die Opfer dieses aussichtslosen Kampfs sind aber nicht nur die umgesägten Baumbestände, sondern vor allem die Bevölkerung von Zwettl, die ihren unvergleichlichen Naturschatz im Herzen der Stadt für Generationen, wahrscheinlich aber für immer verliert.

Michael Hag, Zwettl