Purgstall an der Erlauf

Erstellt am 07. Januar 2019, 14:14

"Vieles ist noch aufzuarbeiten". Leserbrief zur Purgstaller Bürgermeisterwahl.

Der ÖVP Kandidat Harald Riemer ist trotz Gegenkandidatin noch mit satter Mehrheit und großer Zustimmung seitens SPÖ und Grünen zum neuen Bürgermeister in Purgstall gewählt worden. Damit kommt ein Bürgermeister ins Amt, der dieser Aufgabe seine weitere Lebensgestaltung unterstellen wird. Er – und sein zukünftiges Team – werden zahlreiche Fehler aus vergangenen Zeiten aufarbeiten müssen. Zeitgleich ist es erforderlich, die ambitionierten Herausforderungen der Zukunft anzupacken.

Als einer der zahlreichen Zuhörer bei der Gemeinderatssitzung vom 2. Jänner war ich aber echt schockiert, wie Vizebürgermeisterin Birgit Ressl sich selbst zur Kampfabstimmung gegen den mehrheitlich nominierten Harald Riemer gestellt hat. Ihre Kandidatur wurde eine Stunde vor Sitzungsbeginn über die FPÖ eingebracht. Das zeigt, dass ihre persönliche Stimmung gewichtiger ist, als die von ihr selbst zweifach mitgetragene Entscheidung der ÖVP-Ortsfraktion und des ÖVP Vorstandes. Schon in der „Vorwahlzeit“ war in der NÖN zu lesen, dass sie nur halbtags zur Verfügung steht, und nur dann, falls man sie fragen würde. Das ist zu wenig für die Leitung der größten Gemeinde im Bezirk. Und es rechtfertigt auch ihre eigene, vorherige Entscheidung, nicht aktiv an diese Aufgabe heranzutreten.

Etliche ÖVP Gemeinderäte missbrauchten das von der ÖVP in sie gesetzte Vertrauen und wählten entgegen der eigenen Beschlüsse. Das macht keinen „schlanken Fuß“. Auch wenn dadurch die Wahl Riemers nicht gefährdet war.

Danach wurde der auf eigenen Wunsch zurückgetretene Ex-Bürgermeister Christoph Trampler in den Finanz-Ausschuss, und damit in jenen leitenden Bereich gewählt, wo er ab sofort aktiv daran arbeiten wird, frühere Fehler zu korrigieren. Das ist eine sehr kluge und faire ÖVP-interne Entscheidung und entspricht Tramplers persönlichem Wunsch, sich wieder rehabilitieren zu wollen.

Jedenfalls wird sich die ÖVP nun sehr genau überlegen müssen, wie sich die Gemeindeführung rund um Bürgermeister Riemer zusammensetzt, um die großen Aufgaben zu bewältigen. Und man wird alle ÖVP-Gemeinderäte einladen müssen, sich zu deklarieren. Mit anstandsvoller Selbstkritik der abtrünnigen ÖVP-Mandatare wird sich dann herausstellen, dass die eine oder der andere es richtiger sieht, sein Mandat an engagierte junge Kandidaten abzugeben, die sich dem Programm für die neue ÖVP und den Anforderungen der Bürger konsequent verpflichten können.

Bürgermeister Riemer hat in seiner Antrittsrede seine Vision wiederholt, dass er gemeinsam mit einer starken, geeinten ÖVP Fraktion und mit den anderen im Gemeinderat aktiven Parteien intensiv daran arbeiten wird, dass Purgstall der bevorzugte Lebensmittelpunkt für unterschiedlichste Menschen bleibt und wird. Das verspricht Bürgernähe, ehrliche und gute Bürgerinformation, respektvolle Kooperation und Engagement für Purgstall. Das erwarten sich die knapp 6.000 Purgstaller auch.
 

Guenther A. Teufl, Purgstall

Leserbrief zum Artikel: "Purgstall hat einen neuen Bürgermeister"