Ludwig Demetz hört als Gemeindearzt auf. Eine Institution hat aufgehört. Die letzten Arbeitstage von Ludwig Demetz (70) waren von der Coronakrise geprägt. „Er hat bis zum letzten Tag gekämpft“, lobt Ortschef Leeb.

Von Markus Zauner. Erstellt am 08. April 2020 (04:30)
Pfarrer Andreas Pirngruber, Bürgermeister Christian Leeb, die Ordinationshilfen Manuela Grabner-Schimon und Renate Enzfellner sowie Haushälterin Gabi Tröstl (von links) bedankten sich bei Ludwig Demetz (3. v. l.) für seine jahrzehntelange engagierte Arbeit.
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Von der Ehrenplakette der Gemeinde Türnitz über das goldene Ehrenzeichen des SVT Türnitz bis zum Ehrenzeichen des Heiligen Hippolyt in Bronze: Lang ist die Liste der Auszeichnungen, die Obermedizinalrat Ludwig Demetz (70) im Laufe seiner Karriere bekommen hat.

36 Jahre war Demetz Türnitzer Gemeindearzt mit Leib und Seele. Nun hat er seine Tätigkeit beendet — und heimst zum Abschied von Bürgermeister Christian Leeb dickes Lob ein. „Ludwig Demetz hat für seinen Beruf gelebt. Mediziner zu sein, war auch seine Berufung. So einen Gemeindearzt wird es nicht mehr geben. Er war rund um die Uhr und am Wochenende erreichbar“, streut Leeb Rosen. Der Ortschef kehrt aber auch die menschliche Seite hervor: „Ludwig Demetz hat immer ein Gehör für die Vereine. Zudem ist er sehr gesellig.“

„Ohne meine super Ordinationshilfenhätte ich das nicht geschafft.“ Arzt Ludwig Demetz

Und: Er sei ein „perfekter Diagnostiker“ gewesen, der „viele kleine Eingriffe selber in der Ordination gemacht hat“. Als vorbildlich bezeichnet Leeb auch Demetz‘ Engagement in der Coronakrise: „Er hat in seiner Ordination bis zum letzten Tag gekämpft.“

„Schlaflose Nächte“ habe ihm die Arbeit mitten in der Pandemie bereitet, bestätigt der 70-Jährige im NÖN-Gespräch. Der Andrang sei groß gewesen. „Es war sehr anstrengend“, zieht Demetz Bilanz. Einen am Coronavirus erkrankten Patienten habe es in seiner Ordination zum Glück nicht gegeben.

Auch in der Coronakrise stand Ludwig Demetz seinen Mann.
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Der Blick in die Zukunft fällt aus Sicht des erfahrenen Mediziners skeptisch aus: „Es wird immer schwieriger, Ordinationen zu erhalten. Viele Landarztpraxen können nur mehr wegen der Hausapotheken überleben.“ Als schönste Erlebnisse seiner langjährigen Tätigkeit als Arzt nennt Demetz die Rettung eines Patienten, der in seiner Ordination einen Herzinfarkt hatte: „Es ist gelungen, ihn erfolgreich wiederzubeleben.“ In einem anderen Fall wurde ein Türnitzer mit dem Fuß unter einem Rollband eingeklemmt, den Demetz vor dem Verbluten bewahren konnte.

Der Abschied falle ihm nach so vielen Jahren sehr schwer. „Überhaupt in dieser Zeit“, bestätigt der beliebte Arzt viel mitschwingende Wehmut. Eine große Abschiedsfeier soll nach Ende der Coronakrise über die Bühne gehen. Sein Dank gilt allen Behörden und Institutionen für die gute Zusammenarbeit. Und natürlich seinem Team: „Ohne meine super Ordinationshilfen hätte ich das nicht geschafft.“ Viele Mitarbeiterinnen seien 25 Jahre oder länger in seinen Diensten gestanden. „Das ist ein Zeichen von guter Zusammenarbeit“, weiß Demetz.