Bezirk Lilienfeld: Aufregung um das Kurzarbeitsentgelt. Dienstgeber zahlte Koch aus dem Bezirk zu wenig. Insgesamt suchten über 5.000 Menschen Hilfe bei der Arbeiterkammer.

Von Markus Zauner. Erstellt am 27. Februar 2021 (03:15)
AK-Bezirksstellenleiter Burkhard Eberl (r.) und Kammerrat Josef Indra (l.) präsentierten die Jahresbilanz mit der gestiegenen Telefonberatung.
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Ein Jahr ganz im Zeichen der Corona-Krise erlebten auch die Mitarbeiter der Arbeiterkammer-Bezirksstelle Lilienfeld — mit zahlreichen hilfesuchenden Menschen aus dem Bezirk. „Mehr als 5.000 Menschen haben vergangenes Jahr mit uns Kontakt aufgenommen“, bestätigt AK-Bezirksstellenleiter Burkhard Eberl.

Manchmal ging es nur um rasche Auskünfte und Informationen zu Kurzarbeit, einvernehmlicher Lösung, Kündigung, Quarantänebestimmungen, Homeoffice und Freistellung wegen Kinderbetreuung, in 3.045 Fällen benötigten die Menschen aber auch weiterführende Beratung und die Unterstützung der AK-Experten in konkreten Problemfällen. Opfer eines besonders dreisten Dienstgebers wurde ein Koch aus dem Bezirk Lilienfeld. Dieser erhielt für März 2020 in der Kurzarbeit nur 70 Prozent seines bisherigen Entgeltes, obwohl ihm 85 Prozent rechtlich zugestanden wären. „Der Steuerberater des Dienstgebers hatte diese 70 Prozent als Akontozahlung vorgeschlagen, da die Berechnungsmodalitäten zur Kurzarbeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz klar waren“, berichtet der AK-Bezirksstellenleiter.

„Mehr als 5.000 Menschen haben vergangenes Jahr mit uns Kontakt aufgenommen“

Die gesetzlich vorgesehene Möglichkeit, eine Korrektur im April oder Mai vorzunehmen, sei vom Unternehmen im Bezirk St. Pölten nicht wahrgenommen worden. „Im Gegenteil, es wurde bei aufrechtem Dienstverhältnis gleich gar nichts mehr bezahlt, obwohl der Betrieb im Zuge der Corona-Krise Unterstützungsgelder erhalten hatte. Mehrere Interventionen seitens der AK-Bezirksstelle Lilienfeld gingen ins Leere, da den Dienstgeber die Schreiben nicht erreichten“, präzisiert Eberl. Letztendlich meldete das Unternehmen Ende Juni 2020, wie schon öfters, Insolvenz an, sodass die Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt wurden. „Der Koch bekam vom Insolvenzentgeltfonds rund 5.890 Euro erstattet, auch die restlichen acht Mitarbeiter erhielten Anfang Oktober insgesamt rund 63.000 Euro ausbezahlt“, fasst Eberl den Ausgang des Verfahrens zusammen.

Über 503.000 Euro für Arbeitnehmer gesichert

Das Fazit des AK-Bezirksstellenleiters: „Das vergangene Jahr hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind – allein in der Telefonberatung stieg die Zahl der Anfragen um mehr als 25 Prozent.“ Mitunter musste improvisiert werden. „Es gibt auch Leute, die kein Internet haben. Da haben wir über das Bürofenster mit Sicherheitsabstand kommuniziert“, verrät Eberl aus der Praxis. Insgesamt hat die AK-Bezirksstelle im Vorjahr über 503.000 Euro für die Arbeitnehmer der Region gesichert.