Blutspende-Nachwuchs wird dringend gesucht. Im Bezirk fehlt Nachwuchs, Teil der langjährigen Spender bald in „Pension“.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 25. Juni 2019 (03:48)
Walter Halbwax
Karl Terzer zählt zu den Eifrigen, die bei den Blutspendeaktionen in Kaumberg ihren „Aderlass“ geben.

Ein Unfall, Komplikationen bei Operationen oder Krankheiten mit extremer Blutarmut – alle 90 Sekunden wird in Österreich eine Blutkonserve benötigt. Weil die Haltbarkeit mit maximal 42 Tagen begrenzt ist, sind Blutbank und Rotes Kreuz auf Spender angewiesen, die sich regelmäßig Blut abzapfen lassen.

Einer davon ist Johann Steinbacher aus Kaumberg. Er war bereits über 90 Mal Blut spenden. „Wenn man gesund ist, ist es gut, anderen so einfach zu helfen“, ist Steinbacher überzeugt. Als der bald 60-Jährige Landjugendleiter im Bezirk war, führte er die Blutspendeaktionen ein. Seit er 18 Jahre alt war, spendet er regelmäßig, meistens bei Blutspendeaktionen im Bezirk Lilienfeld, aber auch direkt bei der Blutbank in St. Pölten. Auch künftig will Steinbacher weiter spenden: „Solange ich darf, gehe ich.“

Dass nicht alle so fleißig spenden, betont Rotkreuz-Bezirksstellenleiter Patrick Killmaier: „Die Zahl der Blutspender ist erschreckend klein. Vier von 100 spenden.“ Auch im Bezirk würde man sich mehr Spender wünschen. „Wenn bei der nächsten Blutspende am 2. Juli von 16.30 bis 19.30 Uhr über 100 Personen zum Blutspenden zum Gasthof Bertl kommen, schmeißen wir eine Garagenparty beim Roten Kreuz in Türnitz“, verspricht Killmaier.

„Da ein Teil unserer langjährigen Spender in den nächsten Jahren in ‚Spendepension‘ geht, sind neue und treue Spender gefragt

Trotz der Spendenaktionen im Bezirk fehlt der Nachwuchs. „Da ein Teil unserer langjährigen Spender in den nächsten Jahren in ‚Spendepension‘ geht, sind neue und treue Spender gefragt“, weiß der Bezirksstellenleiter. Mit der Kampagne www.gibdeinbestes.at will das Rote Kreuz besonders Junge ansprechen. Auf der Webseite werden viele Fragen beantwortet und Blutspender sowie Menschen, die eine Blutkonserve benötigt haben, kommen zu Wort.

Im Bezirk sorgt auch eine Kooperation mit der Berufsschule in Lilienfeld für einen relativ großen Anteil an jungen Menschen, die dann zu Multiplikatoren und Mehrfachspendern werden. „Diese Menschen kommen bei uns zur Erstspende und nehmen dann immer wieder bei Blutspendeaktionen in ihrer Region teil. Leider gibt es im Bezirk Lilienfeld nicht so viele junge Menschen“, bedauert Killmaier. Merken würde man das sowohl beim Blutspenden als auch beim Zivildienst.

"Nichtspender kennen das Gefühl, etwas Lebenswichtiges getan zu haben, nicht"

Auch die Hemmschwellen sind oftmals zu hoch. „Einerseits müssen sich unsere Spender Zeit nehmen und von der Couch aufstehen. Für unsere Mehrfachspender gehört das einfach dazu. Nichtspender kennen das Gefühl, etwas Lebenswichtiges getan zu haben, nicht“, erklärt Killmaier. Oft fehle auch die Information, dass das abgezapfte Blut vom Körper wieder nachgebildet werde: „Wir entnehmen nur 465 Milliliter Blut. In rund zehn Minuten ist es erledigt, und der Spender hat ein Leben gerettet.“

Umfrage beendet

  • Spendet ihr regelmäßig Blut?