Corona-Zeit auch für Bestatter schwierig. Bezirk Lilienfeld: Nach Lockdown-Erfahrungen hoffen Bestatter, dass Begräbnisse nicht mehr völlig heruntergefahren werden.

Von Bernhard Herzberger. Erstellt am 28. Oktober 2020 (03:58)
Viel bewusster zelebrieren manche den Tod ihrer lieben Angehörigen in Corona-Zeiten, meint Betattungsunternehmer Günter Schönbichler aus Hainfeld. 
Gleiss

„Es ist jetzt mehr zu tun, als zur Zeit des Lockdowns“, berichtet Bestatter Eduard Kessler aus Türnitz: „Jedes Begräbnis ist eine Herausforderung. Man muss immer auf neue Bedingungen reagieren. Die Leute sind sehr verunsichert.“

Das Corona-Jahr 2020 macht den Bestattungsunternehmen zu schaffen. Die Teilnahmebeschränkungen bei den Begräbnissen hätten natürlich auch zu Umsatzrückgängen bei Parten und Gedenkbildern geführt. Aufbahrungen habe es eine Zeit lang gar keine gegeben, nicht einmal Weihwasser und Erde am Grab. „Nicht nur die Angehörigen haben sehr gelitten“, sagt Herbert Glück mit Niederlassung in Traisen und erhofft sich, dass „man die Begräbnisse nicht wieder herunterdreht.“

„Es ist jetzt mehr zu tun, als zur Zeit des Lockdowns“

Eine Belastung sind die zahlreichen Verordnungen und die Gefährdung für die Belegschaft. „Bei Corona-Verstorbenen ist die Abholung nur in Schutzanzug, mit Handschuhen und Spezialmaske möglich, denn die Verstorbenen sind ja noch hoch infektiös“, gibt Kessler zu bedenken. Eine Verbrennung von Corona-Toten ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Herbert Glück registriert heuer trotzdem einen Boom bei der Feuerbestattung mit bis zu 70 Prozent Urnen-Begräbnissen, was wohl auf Corona zurückzuführen sei. Auch Kessler sieht den allgemeinen Trend zur Kremation verstärkt. Bestatter Günter Schönbichler aus Hainfeld weist auf regionale Unterschiede hin: In der firmeneigenen Naturbestattungsanlage „Lebenskreis-Quelle“ in Hainfeld sind nur Urnen erlaubt. Trotzdem machen bei ihm die Erdbestattungen immer noch 50 Prozent aus. Dafür nimmt er andere Trends wahr: Immer mehr Menschen würden ihr eigenes Begräbnis planen. In der Coronazeit wäre dafür offenbar das Bewusstsein gewachsen. Und dass bei den Begräbnissen eine Zeit lang nur der allerengste Familienkreis zugelassen war, habe dazu geführt, dass die Feiern viel bewusster begangen würden.

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