Debatte um Apotheken: Geniale Lösung ist nicht in Sicht. Ärzte betonen Konkurrenzsituation, lassen aber auch mit Kompromissvorschlag aufhorchen.

Von Markus Zauner und Astrid Krizanic-Fallmann. Erstellt am 03. September 2019 (03:16)
Astrid Krizanic-
Ute Seidl, Inhaberin der Kronen-Apotheke in Lilienfeld und der Johannes-Apotheke in Traisen, verweist auf die Vorteile einer öffentlichen Apotheke.Fallmann

Just in der einwohnerstärksten Bezirksgemeinde St. Veit eskalierte der Konflikt zwischen öffentlicher Apotheke und Hausapotheken — und zwar schon 2016. Mit Unterstützung des gesamten St. Veiter Gemeinderates wurden 1.303 Unterschriften gegen die Installierung einer geplanten öffentlichen Apotheke gesammelt. Mit dem Argument, dass dann die Hausapotheken der zwei praktischen St. Veiter Ärzte geschlossen werden müssten.

Der Protest war letztlich vergeblich: Das Landesverwaltungsgericht bestätigte im April 2017 den Genehmigungsbescheid der Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld. Die Apotheke dürfte in St. Veit also jederzeit realisiert werden, bis heute ist das allerdings nicht passiert.

„Durch dieses beschränkte Abgaberecht würde keine Apotheke verhungern.“ Richard Friewald, Bezirksärztevertreter

Dass Ärzte, wie in St. Veit, als zusätzliche Einnahmequelle Hausapotheken führen dürfen, sei der „Rettungsanker“ für die Hausärzte, betont Lilienfelds Bezirksärztevertreter Richard Friewald. Er ist sich sicher: „Ohne Hausapotheken werden in Zukunft Arztstellen nicht nachbesetzt werden können.“ Nicht einmal, glaubt Friewald, in der Bezirkshauptstadt Lilienfeld, wo die praktischen Ärzte aufgrund der bestehenden öffentlichen Apotheke derzeit keine Hausapotheken führen dürfen. Ähnlich sieht das Merten Gareiß, der als praktischer Arzt in Lilienfeld ordiniert und Bezirksvertreter der Allgemeinmediziner ist. „Das Vorhandensein einer Hausapotheke ist ein gewichtiges Argument bei der Besetzung einer vakanten Planstelle für Allgemeinmedizin“, stößt er ins selbe Horn, „ohne dieser werden sie zunehmend schwieriger zu besetzen sein.“

Aus der Sicht der Ärzte und auch der Patienten sei laut ihm eine Hausapotheke von Vorteil. „Die Ärzte können das verschreiben, was sie in der Apotheke haben, und die Patienten haben ihre Medikamente gleich am selben Ort“, sagt Merten Gareiß. Nur bei OTC-Präparaten – das sind rezeptfreie Medikamente – wären die Öffnungszeiten der öffentlichen Apotheken den der Arztpraxen überlegen. Eine zusätzliche Sicherheit bestünde außerdem bei öffentlichen Apotheken durch das Vier-Augen-Prinzip. „Eine geniale Lösung für ein Miteinander sehe ich nicht, weil die Systeme in Konkurrenz stehen“, gibt der Bezirksvertreter der Allgemeinmediziner zu bedenken.

Vorteile durch größere Auswahl und Öffnung

Die politisch derzeit hoch im Kurs stehende Anhebung der Anzahl der Hausapotheken, um das Problem fehlender Landärzte in den Griff zu bekommen, ist indes der Apothekerkammer ein Dorn im Auge. Diese befürchtet, dass dann viele öffentliche Apotheken zusperren müssten. Einen Kompromiss hat hier Bezirksärztevertreter Richard Friewald im Köcher. Demnach könnten Akutmedikamente beim Hausarzt erhältlich sein, der Rest in der öffentlichen Apotheke, schlägt der Mediziner vor: „Durch dieses beschränkte Abgaberecht würde keine Apotheke verhungern.“

Ute Seidl, Inhaberin der Kronen-Apotheke in Lilienfeld und der Johannes-Apotheke in Traisen, verweist auf die Vorteile von öffentlichen Apotheken, wobei es aktuell vier im Bezirk gibt. „Wir gewähren eine Arzneimittelversorgung rund um die Uhr“, merkt Seidl an. Sie selbst ist jede zweite Woche 168 Stunden erreichbar, „was auch nicht immer rentabel ist“, weiß die Apothekerin. Mit rund 6.000 Präparaten im Gegensatz zu rund 150 bis 200 beim Mediziner sei die Auswahl zusätzlich größer, weiters werden Salben oder Lösungen individuell angefertigt, hochpreisige Medikamente sind zudem vorhanden. Nicht unerwähnt lassen will Ute Seidl die Apotheke als Arbeitgeber – vor allem für Frauen. Außerdem bildet sie regelmäßig Lehrlinge als pharmazeutisch-kaufmännische Assistentinnen aus.

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