Der Wald im Wandel: Erschwerte Bewirtschaftung

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 05:30
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Beim Stift Lilienfeld wurde „die waldbauliche Bewirtschaftung bereits vor 35 Jahren kontinuierlich auf einen Naturverjüngungsbetrieb umgestellt“, erklärt Forstdirektor Klaus Kratzer.
Foto: privat
Der Klimawandel ist weltweit in aller Munde. Er bereitet auch den heimischen Forstwirten und der Jägerschaft im Bezirk Lilienfeld zunehmend Sorge.

Die Auswirkungen des Klimawandels machen auch vor den heimischen Wäldern keinen Halt. Die Trockenheit und extreme Witterungsverhältnisse begünstigen vor allem die Ausbreitung von Schädlingen. Denn als Folge des Klimawandels häufen sich Insekten und Krankheiten, welche die Bäume der heimischen Wälder schädigen. Das bringt neue Herausforderungen für die Forstwirtschaft und ist gerade in Lilienfeld von Bedeutung. „Die 720 bewaldeten Quadratkilometer des Bezirks machen immerhin knapp 78 Prozent der gesamten Fläche aus“, weiß Bezirksbauernkammerobmann Rudolf Buchner .

Durch das veränderte Klima sind neue Schädlinge aufgetreten, die den Bäumen schwer zusetzen. „Denken wir an das Ulmensterben in den späten 70ern, das Eschensterben der letzten Jahre und nicht zuletzt der zunehmende Druck in der Fichte durch den Borkenkäfer“, erinnert er. Letzterer dringe in Höhenlagen vor, „wo es vor einem Jahrzehnt noch kaum denkbar war“, so Buchner. Durch den Klimawandel häufen sich auch extreme Wetterbedingungen, welche die ohnehin schwere und risikobehaftete Waldarbeit erschweren.

Viele Forstflächen im Bezirk stehen im Besitz des Stiftes Lilienfeld. Dessen Forstdirektor Klaus Kratzer merkt auch klare Veränderungen im Wald: „Selbstverständlich bekommen wir die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren“, sagt er.

Für ihn stellte in der Region in den vergangenen Jahren nicht nur der Borkenkäfer ein Problem dar, sondern vermehrt auftretende Windwurfereignisse, die ebenso auf den Klimawandel zurückzuführen sind. „Oft treten Windwurfkalamitäten an schwer zugänglichen Stellen auf, die ein Aufräumen sehr schwierig und kostenintensiv machen“, führt er aus. Werden umgestürzte Bäume übersehen oder nicht rechtzeitig oder gar nicht entfernt, kann dies wiederum zu Problemen mit Borkenkäfern führen. „Wir können beobachten, dass es besonders an sehr trockenen Standorten, wo nur wenig Humusauflage und damit Wasserspeichermöglichkeit besteht, es in letzter Zeit vermehrt zu Borkenkäferabfall kommt“, erklärt er, dass es sich bei den betroffenen Regionen um steile und seichtgründige Flächen handelt, die sich vermehrt ab einer Höhe von etwa 800 Metern Seehöhe befinden.

Durch den Klimawandel ändert sich die Verteilung der Niederschläge. Gerade die Fichte braucht regelmäßigen Regen, doch gibt es „immer öfters Perioden von zwei bis drei Wochen, in denen Niederschläge ausbleiben und Temperaturen auch in diesen Höhenlagen von über 30 Grad herrschen“, weiß Kratzer. Schäden an Bäumen werden schon immer durch Wind oder Insekten verursacht, doch jene, die letztlich auf den Klimawandel zurückzuführen sind, nehmen zu.

„2022 sind etwa 500 Festmeter Holz dem Wind und etwa 3.000 Festmeter dem Käfer zum Opfer gefallen“, berichtet Kratzer. Abschließend meint der Forstexperte, dass „die beste und wirksamste Maßnahme gegen Borkenkäfer ein guter Holzpreis wäre, denn dadurch würde Waldpflege auch in Hanglagen kostendeckend möglich.“ Auch Bezirksjägermeister Martin Schacherl merkt ein verändertes Verhalten vieler Waldtiere. „Suhllacken werden in der warmen Winterzeit angenommen und es ist eine Zunahme des Schwarzwildes zu verzeichnen“, nennt er als Beispiel.