Hotelbranche setzt auf Zukunft. Urlaube, Feiern, Seminare oder Tagesgäste: Buchungen im Bezirk Lilienfeld werden wegen Corona abgesagt. Hoffen auf rasches Krisenende.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 08. April 2020 (04:15)
Das JUFA Annaberg Bergerlebnis- Resort hat zu. JUFA
Mostviertel Tourismus - Fred Lindmoser

Die Tourismus-Beherbergungsbranche im Bezirk Lilienfeld steht. Besonders betroffen ist man in den Gemeinden Annaberg und Mitterbach. Geschlossen ist das JUFA-Bergerlebnis-Resort in Annaberg. „Die Buchungen sind bei Null“, stellt JUFA-Pressesprecher Martin Omann fest. Dennoch versucht man, bei der Hotelgruppe Freistellungen zu vermeiden.

„Wir haben unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Wir haben ein Super-Team, das wir halten wollen“, betont er, auch „dass die Coronakrise die größte Herausforderung in der 30-jährigen Firmengeschichte der ganzen Hotelgruppe national wie international sei“.

Derzeit würden zwar keine Gäste beherbergt, aber administrative Tätigkeiten wie Stornierungen und Buchungen per Homeoffice und Arbeiten im Hotel unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Insbesondere setzt man bei JUFA in dieser Zeit aber auf virtuelle Fortbildung im Bereich regionaler Kulinarik-Schulungen. Neu möchte man nun lokale Partner, wie Bauern, die dem Hotel ihre Produkte zuliefern, online vor den Vorhang heben. „Kleine Betriebe kämpfen sicher noch weit mehr als wir“, meint Martin Omann.

„Ich sehe die Krise als Chance, dass die Leute wieder erkennen, wie schön Österreich als Urlaubsland ist.“ Robert Karner, Betreiber R & R Residenzen

Seit 16. März ist auch alles bei den R & R Residenzen in Mitterbach zu, sowohl das Hotel „Mitterbach“ als auch die Bar „Das Ko’eck“. „Wir freuten uns aufgrund der guten Buchungslage samt Meetings und Feiern schon auf den Sommer. Wir dachten, uns kann nichts passieren“, sagt Betreiber Robert Karner. Doch Corona ändert spontan alles. Buchungen wurden storniert, bislang kamen keine neuen hinzu. Die meisten Mitarbeiter mussten entlassen werden, die Führungsriege ist auf Kurzarbeit gemeldet. „Auch die Zugriffe auf unsere Webseite sinken zunehmend“, bedauert er. Dennoch ist Robert Karner optimistisch. „Ich sehe die Krise als Chance, dass die Leute wieder erkennen, wie schön Österreich als Urlaubsland ist.“

Von 24. Februar bis einschließlich 30. April verzeichnete das „Hotel zum Glockenturm“ in Lilienfeld um die 70 Zimmerstornierungen. „Die Anzahl an Stornos steigt nach wie vor, auch Reservierungen für Mai werden nach und nach abgesagt“, informiert Nora Stöckl, Junior Hotel Managerin vom Hotel zum Glockenturm. „Die aktuelle Situation trifft uns auch im Wirtshaus Leopold“, sagt sie. Abgesehen vom fehlenden Tagesgeschäft wurden auch sehr viele Feiern abgesagt. „Der Mai wäre voll mit großen Reservierungen zum Muttertag oder zur Erstkommunion gewesen“, führt sie aus.

Für Herbst gibt es indes im Hotel zurzeit nur wenige Reservierungsanfragen. Stöckl: „Ein Großteil der Gäste hat die Stornierungen jedoch nur aufgeschoben und nicht aufgehoben.“ Gleiches gilt für das „Wirtshaus Leopold“: Taufen und Erstkommunionstermine wurden verschoben.

Im „Hotel zum Glockenturm“ geht man von Umsatzeinbußen von mindestens 10.000 Euro pro Monat aus, im „Wirtshaus Leopold“ rechnet man mit Umsatzeinbußen von monatlich 50.000 Euro.

„Die Stornierungen reichen schon bis Ende Mai“

Von den drei Hotel-Mitarbeiterinnen ist eine aktuell beschäftigt, die beiden anderen wurden abgemeldet mit Bestätigung zur Wiedereinstellung. Da es für Beherbergungsbetriebe keine Anordnung zur Schließung gibt, ist das Hotel weiterhin geöffnet. „Somit können wir Schlüsselpersonal und Geschäftsreisenden eine Unterkunft anbieten. Privatreisende dürfen wir nicht beherbergen“, erklärt sie. Der Großteil des Wirtshauspersonals wurde beim Arbeitsmarktservice gemeldet, auch samt Wiedereinstellungsbestätigung. Aktuell sind zwei Mitarbeiter und ein Lehrling weiterhin beschäftigt. „Diese kümmern sich um unseren Mittagsmenü-Lieferservice“, berichtet sie.

„Die Stornierungen reichen schon bis Ende Mai“, berichtet indes Robert Schüller vom Landgasthaus zum Schüller in Hainfeld. Er bietet neben seinem Gasthof Nächtigungen in „Microhotels“ an. Feiern, Seminare, Erstkommunionsfeiern und Firmungen wurden abgesagt. Hochzeiten werden verschoben. Zwei Drittel seiner Mannschaft sind auf Kurzarbeit umgestellt, zwei Bedienstete mussten entlassen werden. Gemeinsam mit Sohn Rainer macht er nun als Familienbetrieb einen Lieferservice im Raum Hainfeld, Ramsau und Rohrbach. „Dieser wird gut angenommen“, freut er sich.