Kritik nach 43 Pleiten bei Kinderarzt-Suche. Hohe Zahl an gescheiterten Ausschreibungen sorgt für Debatten zwischen den Parteien.

Von Markus Zauner. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:51)
Symbolbild
Shutterstock.com/Oksana Kuzmina

Der Dauerbrenner Kinderarzt-Suche – die einzige Kassenvertragsstelle für den Bezirk ist seit 1. Jänner 2017 vakant – hat den Weg zu Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gefunden.

In der Beantwortung einer Anfrage von FPÖ-Bezirksparteiobmann Christian Hafenecker bestätigt Anschober bisher 43 (!) vergebliche Ausschreibungsrunden für einen Ordinationsstandort in der Stadt Lilienfeld.

„Regelrechte Posse“: Hafenecker übt Kritik

Hafenecker ortet „eine regelrechte Posse rund um das Ausschreibungsverfahren“. Erst jetzt, nach fast dreieineinhalb Jahren ohne Kinderarzt, sei man draufgekommen, die Ausschreibung auf alle Bezirksgemeinden auszuweiten. „Ich appelliere daher an die Verantwortlichen, wenigstens jetzt Hausverstand und Vernunft walten zu lassen“, fordert Hafenecker. Denn es sei völlig zweitrangig, ob ein Kinderarzt seine Ordination in Lilienfeld, Traisen, St. Veit, Hainfeld oder in einer anderen Gemeinde habe.

Dass die Stelle nicht von Anfang an bezirksweit ausgeschrieben worden ist, kritisiert auch Hohenbergs SPÖ-Bürgermeister Heinz Preus. Die Verantwortlichen hätten sich da „keine Gedanken gemacht“. Denn: „Wo der Kinderarzt im Bezirk sitzt, ist egal“, weiß Preus. Fest steht für ihn auch: Die Mediziner würden dorthin gehen, wo sie „das beste Umfeld haben“. Daher seien auch die Gemeinden aufgerufen, allfälligen Interessenten so gut es geht entgegenzukommen.

Minister Anschober verweist hingegen auf bereits im Herbst 2018 neu eingeführte Mindestordinationszeiten von zehn Stunden an zwei Tagen die Woche. Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK, früher NÖGKK) und Ärztekammer für Niederösterreich (ÄKNÖ) hätten diese flexibilisierten Ausschreibungsbedingungen für die Planstelle geschaffen, mit denen man in Niederösterreich schon mehrmals erfolgreich gewesen sei.

Ob die mit Juni nun erstmals auf den gesamten Bezirk ausgedehnte Ausschreibung der freien Kinderarzt-Stelle fruchtet, bleibt abzuwarten. „Interessenten haben die Möglichkeit, ihre Bewerbungen bis 14. Juli um 8 Uhr an die Ärztekammer für Niederösterreich zu richten“, gibt Walter Sohler von der ÖGK Auskunft.

Attraktivere Honorare für Bader Lösungsansatz

Für ÖVP-Bezirkschef Karl Bader ist die Frage der Ausschreibungsausdehnung ohnehin nicht das Problem. „Es gibt schlicht zu wenig ausgebildete Fachärzte für Kinderheilkunde. Vielmehr ist die Zahl der Auszubildenden zu steigern – und das lässt sich wahrscheinlich durch eine stärkere Attraktivierung der Honorare steuern. Das ist Sache der Gesundheitskasse.“

Letztere verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass im Zuge der Honorarverhandlungen mit der ÄKNÖ in den vergangenen Jahren wiederholt Maßnahmen zur außerordentlichen Honorarerhöhung für Vertragsfachärzte in der Kinder- und Jugendheilkunde gesetzt worden seien.

Fest steht für die Bezirksvertreter von ÖVP, SPÖ und FPÖ jedenfalls: Ein Kinderarzt mit Kassenvertrag muss dringend her. „Aufgrund der weiten Entfernungen zu den nächsten Kinderärzten und für die Versorgung unserer Kinder“, betont etwa Karl Bader.