Trockenheit sorgt für Probleme in der Landwirtschaft. Vermehrt Schäden im Forst durch Klimawandel, auch Grünland-Bauern sind stark betroffen.

Von Markus Zauner und Gila Wohlmann. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:06)
Wohlmann
Erni Berger und Vroni Heinz (v. l.) schwören auf Produkte aus der heimischen Landwirtschaft.

„Niederösterreichweit hat der Bezirk Lilienfeld die geringste Zahl an Betriebsaufgaben“, verweist Walter Grasberger, der Sekretär der Bezirksbauernkammer Lilienfeld, auf positive Zahlen in der Landwirtschaft. Ein Minus von 72 Betrieben steht im Zehn-Jahres-Vergleich dennoch zu Buche.

Friktionsfrei gehe die Hofübergabe auch nicht immer über die Bühne, weiß Bezirksbäuerin Veronika Heinz: „Die Nachfolger haben oft eine sehr gute Schulausbildung mit Matura und auch Erfahrung auf anderen Betrieben gesammelt. Sie bringen neue Ideen mit und haben dann andere Vorstellungen über die Betriebsnutzung als die vorigen Generationen. Darin sehe ich die größte Herausforderung.“ Grasberger ortet bei den Folgegenerationen indes „keinen Missmut, weiter zu wirtschaften“. Im Gegenteil: Überwiegend würde man heute mehr Chancen als Nachteile sehen. „Das stimmt mich positiv: Beim EU-Beitritt haben damals alle nur Probleme gesehen“, zieht der Sekretär Bilanz.

Einig sind sich Grasberger und Heinz, dass der Klimawandel für die Bauern im Bezirk ein größeres Problem als die Hofübergabe darstellt. „Es gibt viel mehr Schadholz aufzuarbeiten als vor 30, 40 Jahren“, konstatiert der Kammersekretär. Zumal die Stürme mehr werden und auch die Schneedruckschäden steigen. „Weil es wärmer wird, pickt sich der Schnee an die Äste und knickt sie“, verdeutlicht Grasberger, der sich sicher ist: „Der Klimawandel ist die größte Herausforderung.“ Nach Auswegen Ausschau zu halten, empfiehlt Heinz: „Der Forst ist durch die Vermehrung des Borkenkäfers betroffen. Man muss Alternativen finden. In der Steiermark setzt ein Land- und Forstwirt etwa auf Mandelbäume als neue Einnahmequelle.“

„Der Bezirk ist ganz klar weniger fruchtbar als vor 35 Jahren“

Zu kämpfen haben mit dem Klimawandel und der steigenden Trockenheit speziell auch die Grünland-Bauern. „Der Bezirk ist ganz klar weniger fruchtbar als vor 35 Jahren“, stellt Grasberger fest. Wobei er unterstreicht: „Weniger Futter heißt für die Bauern auch weniger Tiere.“ Auf den meisten Almen im Bezirk sei der Viehabtrieb heuer wegen der Trockenheit auch deutlich früher erfolgt, berichtet der Kammersekretär.

Nicht entziehen könne sich die heimische Landwirtschaft neben dem Klimawandel auch dem Preisdruck, ergänzt Heinz: „Vor allem bei Milch- und Milchprodukten ist dieser enorm. Der Großhandel als Abnehmer will zumeist nur das Billigste. Daher greift dieser auf Milchprodukte von Großproduzenten aus Deutschland zurück, weil es dort günstiger ist.“ Beim Fleisch verhalte es sich ähnlich.

„Daher ist es ganz wichtig, dass der Konsument auf Gütesiegel achtet. Nur das AMA-Gütesiegel garantiert — geboren, gezogen und geschlachtet in Österreich“, informiert Heinz. Die zahlreichen regionalen Lebensmittelerzeuger, die mit Qualitätsware punkten, stellt Grasberger in den Vordergrund. Wobei er den Konsumenten ein Lob ausspricht: „Die Leute denken viel mehr nach als früher, was sie kaufen.“ Für Qualität zahle der Kunde dann auch gerne etwas mehr.

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