Wer impft, denkt auch an andere. Als soziale Verantwortung erachten Experten aus der Medizin und Pflege die Durchführung von Schutzimpfungen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 11. Februar 2020 (03:28)
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Radikale Impfbefürworter contra absolute Impfgegner. Und Impfmuffel. Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von Schutzimpfungen sorgen in der Bevölkerung für konträre Sichtweisen und bieten Anlass zur Debatte. Um mehr Bewusstsein für wert- und vor allem wirkungsvolle Impfungen zu schaffen, setzt das Land Niederösterreich auf die Kampagne „Darum Impfen“.

Die NÖN hat sich umgehört, wie hier im Gesundheitswesen tätige Menschen übers Impfen denken und was jene dazu sagen, die engen Kontakt zu großen Personengruppen haben.

Die Haltung des Traisner Allgemeinmediziners Herbert Haschkovitz ist klar: „Alle Impfungen, die im österreichischen Impfplan 2020 definiert sind, erachte ich für sinnvoll“, sagt er. Der Grund ist leicht erklärt: „Bei Einhaltung dieser Vorgaben ist gegen die wichtigsten impfbaren Erkrankungen ein guter Schutz gegeben.“

Außerdem, betont er, „tragen Impfungen im Kleinkindalter und in der Schule zu einer guten Impfhygiene in Österreich bei“. Natürlich sollte im Erwachsenenalter auch auf entsprechende Auffrischungen geachtet werden.

Wichtige Impfungen sind für ihn die Influenza und Pneumokokken-Prophylaxe, „vor allem bei älteren und immungeschwächten wie stark exponierten Personen“. Allgemeine Schutzmaßnahmen, vor allem gegen virale Infekte, stellen häufiges Händewaschen mit ausreichend Seife, Desinfektion und das Meiden von Menschenansammlungen dar. Das Tragen von Schutzmasken in der Öffentlichkeit bewirkt seines Erachtens keinen Schutz. „Der psychologische Effekt – ,ich mache etwas gegen Ansteckung‘ – mag hier vielleicht im Vordergrund stehen“, mutmaßt er.

„Bei Einhaltung dieser Vorgaben ist gegen die wichtigsten impfbaren Erkrankungen ein guter Schutz gegebe.“

Das Kinderimpfkonzept erachtet Apothekerin Helene Böhm-Swatonek von der Hohenberger Waldapotheke für unerlässlich. Dieses beinhaltet Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hepatitis B, Poliomyelitis und Haemophilus-Influenzae-Typ-b als Sechsfach-Impfstoff, Masern-Mumps-Röteln als Dreifach-Impfstoff, Pneumokokken und Rotaviren. Im Schulalter gilt es, diese durch Auffrischungsimpfungen aufrecht zu erhalten, zusätzlich gibt es für Kinder vom 10. bis zum 13. Lebensjahr eine Impfung gegen Meningokokken ACWY sowie für Mädchen und Buben in der vierten Schulstufe eine Impfung gegen HPV. Beide sind gratis.

„Ich halte das für Errungenschaften, die wir nützen dürfen, um uns vor Infektionen und Folgeerkrankungen zu schützen, aber auch indirekt zum Schutz jener Personen, die gegen manche Erkrankungen nicht geimpft werden können, wie zum Beispiel Säuglinge oder Immunsupprimierte. Impfen hat viel mit sozialer Verantwortung zu tun“, betont sie. Hygienemaßnahmen seien wichtig, ersetzen aber nie den Schutz einer Impfung. Influenza ist jedem zu empfehlen, zumal die Influenza als Reiseinfektion beträchtliche Bedeutung hat. Weitere Impfungen wie Pneumokokken und Herpes Zoster ab dem 50. Lebensjahr sollten mit dem Arzt entschieden werden.

Kein Freund von Sechsfach-Impfungen auf ein Mal ist Eschenaus Kindergartenleiterin und Vizebürgermeisterin Ilse Zeller: „Das ist meines Erachtens zu viel auf ein Mal“, meint sie. Impfen sei wichtig, auch Grundimmunisierungen für Kleinkinder, als Erwachsener sollte aber jeder selber entscheiden.

„Bei speziellen Hygienethemen sind wir mit den NÖ Kliniken vernetzt“

Gesundheit und Hygiene haben im Pflege- und Betreuungszentrum Hainfeld höchste Priorität. „Bei Mitarbeitern in der Pflege und Betreuung ist die Hepatitis-B-Impfung Vorschrift“, erklärt Direktorin Gabriela Galeta. Empfehlenswert sei die Grippe-Impfung für die Mitarbeiter, aber auch für die Bewohner aufgrund ihrer Hochaltrigkeit. Eine Hygienebeauftragte ist Ansprechperson für das Team. Ein Qualitätshandbuch für Hygiene samt Hygieneplan wurde zentral entwickelt und wird in jeder NÖ Pflege- und Betreuungseinrichtung verpflichtend umgesetzt. „Bei speziellen Hygienethemen sind wir mit den NÖ Kliniken vernetzt“, informiert sie.