Wirtesterben: „Die Leute gehen weniger fort“. Wirtesterben Leute bleiben lieber zuhause, als zum Wirten zu gehen. Familienunternehmen haben es laut Gastronomen leichter. Von ssssss

Von Nadja Straubinger und Teresa Lobinger. Erstellt am 04. Juni 2019 (03:26)
NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
Symbolbild

Nach der Arbeit ins Wirtshaus und über den Tag sinnieren: Was früher selbstverständlich war, wird heute immer weniger. „Viele Leute bleiben lieber daheim und schauen Netflix“, weiß auch Kaumbergs Kirchenwirt Walter Halbwax.

Und weiter: „Wenn man früher wissen wollte, wie der Urlaub vom Fritz war, musste man ins Wirtshaus gehen, heute sieht man das im Internet.“ Den Kirchenwirt gibt es seit über 30 Jahren. In der Zeit haben viele aufgegeben. Jetzt gebe es nur mehr den Renzenhof, das Voralpenstüberl und das Café Singgraber. Als Familienbetrieb tut man sich leichter als als Pächter, ist Halbwax überzeugt. Das Geschäft unterstützt auch der angehängte Lebensmittelmarkt.

NOEN

Auch in der Marktgemeinde Türnitz gab es früher mehr Gastwirte, dennoch sei man gut dran. Bürgermeister Christian Leeb appelliert: „Die Leute sollen mehr fortgehen und mehr im Vier-Augen-Gespräch kommunizieren.“ Sonst gehe immer mehr von der Wirtshauskultur verloren. Die Gemeinde hat vergangene Saison auch mangels Pächter das Badbuffet geführt. Jetzt ist man froh, wieder Pächter gefunden zu haben.

Leeb warnt davor, dass die Gemeinde nicht immer einspringen kann, wenn Wirten aufhören oder Pächter gesucht sind: „Die Gemeinde kann nicht immer verantwortlich sein und alles machen.“

„Bei uns hat alles zugemacht, auch der Kirchwirt“, sagt Bürgermeister Reinhard Hagen aus Kleinzell. Deswegen haben sich die Vereine zusammengeschlossen und veranstalten jede Woche nach der Messe einen Frühschoppen im Pfarrhof. „Das dient der Überbrückung. Wir haben ja auch keine Nächtigungsmöglichkeiten im Ort außer das Gesundheitsresort Salzerbad“, berichtet der Bürgermeister. Allerdings soll bald eine Neueröffnung anstehen. Die Übernahme des Gasthofes Pachler hängt noch vor Gericht: „Wir sind aber guter Dinge, dass es bald eröffnet werden kann. Die Gemeinde kauft das Parkcafé und Familie Linor das Gasthaus.“

"Bei uns hat alles zugemacht, auch der Kirchwirt“

Vor zehn Jahren entschieden sich Franziska und Dieter Nathaniel in die Gastro zu wechseln. „Es ist immer eine finanzielle Gratwanderung. Wenn man es ernsthaft betreibt, hat man wenig Freizeit“, beschreibt Nathaniel das Wirte-Dasein. Und die beiden haben noch Ideen. Seit Ende Mai bietet das Wirte paar auch Zimmer in St. Veit an. Ihr Wunsch zum Jubiläum für die Zukunft: „Wir hoffen auf weitere zehn Jahre Durchhaltevermögen — und dass wir bis zur Pension gesund bleiben.“

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