Unternehmens-Pleiten steigen im Bezirk Lilienfeld. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist 2018 um 44,4 Prozent gestiegen. Plus 153,8 Prozent bei Privatinsolvenzen. Viele leben über ihre Verhältnisse, sagt Masseverwalter.

Von Markus Zauner. Erstellt am 22. Februar 2019 (05:50)
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Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die Zahlen der Insolvenzentwicklung 2018 unter die Lupe genommen.

Markant aus Bezirkssicht: Sowohl bei den Unternehmensinsolvenzen als auch bei den Privatinsolvenzen liegt Lilienfeld spürbar über dem Niederösterreich-Schnitt. Im Detail: Neun Firmeninsolvenzen 2017 stehen im Bezirk 2018 dreizehn Pleiten gegenüber — ein Plus von 44,4 Prozent. Niederösterreichweit betrug der Anstieg nur acht Prozent. Die Zahl der Privatpleiten beziffert Creditreform in Lilienfeld im Vorjahr mit 33 — um 20 mehr als 2017, was einer Erhöhung von 153,8 Prozent entspricht. Der Landesschnitt beläuft sich vergleichsweise auf ein Plus von 54,1 Prozent.

Viele Verschuldete nutzen massive Zugangserleichterung aus

Rechtsanwalt und Masseverwalter Alfred Schneider aus Lilienfeld analysiert: „Die Ursache für die gestiegene Zahl der Privatinsolvenzen sehe ich darin, dass einerseits Ende 2017 die Mindestquote von zehn Prozent bei einer Abschöpfung entfallen ist und auch die Dauer eines Abschöpfungsverfahrens (damit verbunden auch die Dauer und Angemessenheit eines Zahlungsplanes) von sieben auf fünf Jahre verkürzt wurde.“ Viele verschuldete Personen hätten diese massive Zugangserleichterung ausgenutzt.

Nunmehr könnten sich auch Personen entschulden, bei denen es vorher mangels ausreichendem Einkommen beziehungsweise zu hoher Verbindlichkeiten nicht möglich war, weiß Schneider. Andererseits sei das Plus auch darauf zurückzuführen, dass trotz gestiegener Lebenshaltungskosten bei gleichbleibendem Einkommen viele Personen über ihre Verhältnisse leben, in eine Schuldenspirale geraten und dann einen Ausweg in einer Privatinsolvenz suchen würden. „Dies hat bei manchen Personen leider System“, bedauert der Masseverwalter.

Die gestiegene Zahl der Firmeninsolvenzen sei schwerer einer gewissen Ursache zuzuschreiben. Schneider: „Hier sind nach wie vor sehr oft Zahlungsausfälle von Kunden – ebenso wie unternehmerische Fehlentscheidungen – der Grund. Oft schlagen sich bei alteingesessenen Unternehmen dringende Erneuerungsarbeiten, die nicht in den erhofften erhöhten Einnahmemöglichkeiten enden, in einer nachfolgenden Insolvenz nieder.“ Generell müsse man beachten, dass in der Statistik auch Sanierungsverfahren enthalten sind. „Eine Insolvenzeröffnung zieht nicht automatisch die Zerschlagung eines Betriebes nach sich, sondern das Hauptaugenmerk liegt auf einer nachhaltigen Sanierung des Unternehmens. Nur wenn diese nicht möglich ist, oder aber von den Gläubigern nicht gewünscht wird, ist ein Unternehmen zu liquidieren“, klärt Schneider auf.