Bezirk Lilienfeld droht die rote Ampel. 82 Neuansteckungen in einer Woche, derzeit 100 Infizierte. Über 500 Personen in Quarantäne.

Von Markus Zauner. Erstellt am 28. Oktober 2020 (04:35)
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So schnell kann es gehen: Bis Donnerstag der vergangenen Woche hatte die Expertenkommission die heimischen Gefilde auf der Corona-Ampel-Landkarte noch mit Grün, das entspricht geringem Risiko, dargestellt. Aktuell blinkt die Ampel schon orange (hohes Risiko). Die Gelbphase (mittleres Risiko) wurde somit gleich einmal übersprungen.

Die Hochstufung kam allerdings wenig überraschend: Niederösterreichweit stand zum Zeitpunkt der Ampel-Umfärbungen im Bezirk Lilienfeld binnen sieben Tagen die höchste Fallzahl pro 100.000 Einwohner im Bundesland zu Buche. Der Covid-Stab der Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld arbeitet seit Tagen fast rund um die Uhr.

„Ich habe weniger Angst vor der Gästeregistrierung als vor einem drohenden Alkoholverbot.“ Wirt Walter Halbwax, Kaumberg

Der Blick zu den druckfrischesten Zahlen ist freilich weiter alarmierend: Innerhalb einer Woche haben sich bezirksweit 82 Personen neu mit dem Coronavirus angesteckt. Infiziert waren – Stand Redaktionsschluss – 100 Leute. Das entspricht einer Sieben-Tage-Inzidenz von 317,7 (Niederösterreich-Schnitt 157,7). Zum weiteren Vergleich: Bis Ende August gab es im Bezirk insgesamt nur knapp über 40 Covid-19-Fälle. Auf einem Höchststand befindet sich auch die Zahl der Absonderungsbescheide: Über 500 Personen, das entspricht etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung, sind aktuell in Quarantäne. Geschuldet ist die Rekordzahl an Isolationen mehreren, allerdings eher kleinen Clustern ¨– innerhalb von Familien, aber auch in Schulen im Bezirk, die sich derzeit alle in den Herbstferien befinden. Alles andere als eine Rot-Färbung des Bezirkes bei der nächsten Ampel-Neuschaltung wäre eine Riesenüberraschung.

„Noch hat das Geschäft nicht nachgelassen“

Auswirkungen hat die aktuell gültige Orange-Färbung des Bezirkes indes unter anderem auf die hiesige Gastronomie, denn Gäste müssen sich seit 26. Oktober registrieren. Ob sich das negativ auf den Umsatz auswirke, müsse abgewartet werden, erklärt Wirtin Alexandra Fahrngruber vom Lilienfelder Stüberl in der Bezirkshauptstadt. „Noch hat das Geschäft nicht nachgelassen“, berichtet Fahrngruber. Allerdings weiß sie: „Die Leute werden immer skeptischer, was das Fortgehen betrifft.“ Eine Beobachtung, die Walter Halbwax, der Kaumberger Kirchenwirt, teilt.

Die Registrierpflicht in der Gastro kann er als Beitrag zur Eindämmung des Coronavirus verstehen. Große Einbußen erwartet er sich dadurch nicht. Im Bedarfsfall werde das Abholgeschäft, das ohnehin schon gut laufe, weiter forciert. Ein Wahnsinn wäre vielmehr die Einstellung der Ausschank von alkoholischen Getränken im Wirtshaus – was teilweise ja schon diskutiert werde. „Ich habe weniger Angst vor der Gästeregistrierung als vor einem drohenden Alkoholverbot“, bringt es Halbwax auf den Punkt.