Fußball im Bezirk Lilienfeld: Nur mehr sechs halten die Stellung

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:05
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Trotz aller Widrigkeiten ist Rohrbach-Obmann Hannes Pichler mit dem Herzen bei der Sache: „Ich möchte das zurückgeben, was ich selbst erlebt habe.“
Foto: Felsenreich
Lilienfelder Bezirk stellt so wenige Vereine im Ligabetrieb der Erwachsenen wie noch nie. Eine Spurensuche.

Rohrbach, Lilienfeld, Hainfeld, Hohenberg (in Spielgemeinschaft mit St. Aegyd), Türnitz, und Traisen: Nur mehr sechs Klubs aus der Region halten im Kampfmannschaftsbetrieb die Stellung. Trotz aller Erfolg – wie jüngst des Lilienfelder Meisterjubels in der Gebietsliga – hat die Funktionärskrise auf den Bezirk durchgeschlagen.

„Unser Platzwart ist jetzt auch schon 80 Jahre alt und ich weiß nicht was wir machen, wenn er es irgendwann nicht mehr machen kann.“ Gernot Edy, der Obmann des SC Lilienfeld

„17 Vereine haben aufgehört und ich denke, dass es in den nächsten Jahren nicht besser wird“, sagt Gernot Edy, der Obmann des SC Lilienfeld. „Wir in Lilienfeld sind in der Breite mit Funktionären sehr gut aufgestellt, aber viele Vereine sind das nicht.“

Vieles steht und fällt mit dem sportlichen Abschneiden, ist sich Edy bewusst:: „Wenn die Kampfmannschaft erfolgreich ist, geht vieles leichter, aber es kann nicht immer nur in eine Richtung gehen. Unser Platzwart ist jetzt auch schon 80 Jahre alt und ich weiß nicht was wir machen, wenn er es irgendwann nicht mehr machen kann.“

Hannes Pichler ist der Mann an der Spitze bei Bezirksprimus Rohrbach (1. NÖ-Landesliga). Schon bei der letzten Generalversammlung wollte der Obmann sein Amt abgeben. Aber Pichler machte weiter – weil sich kein Nachfolger fand. Die nunmehrige Funktionärsperiode soll definitv die letzte sein.

„Nicht die Politik ist Schuld an der Misere, sondern vor allem das starre System des Verbands.“ Hannes Pichler

Was Pichler frustriert: Vor allem das Regelwerk. „Nicht die Politik ist Schuld an der Misere, sondern vor allem das starre System des Verbands“, kritisiert Pichler. „Man ist dort überhaupt nicht mehr am Puls der Zeit. Es werden uns von Seiten des Verbands viel zu viele Hürden in den Weg gelegt. Ich verstehe die Leute, die sich das nicht mehr antun wollen.“

Kevin Bachler sieht aber auch die Klubs selbst in der Pflicht. Er ist nicht nur selbst noch als Spieler aktiv, sondern auch Funktionär bei der SG Hohenberg St. Aegyd. „Man sollte sich gerade in den unteren Klassen Gedanken machen, um nicht Unsummen an Aufwandsentschädigung für die Spieler auszugeben“, fordert Bachler. „Das ist eine Spirale und immer mehr Vereine können oder wollen nicht mehr mit und hören auf.“

SKN Frauen-Boss Schmaus: „Heute gibt‘s viel mehr Ich als Wir“

Die Zeiten haben sich nun einmal geändert im Fußball. „Heute gibt‘s viel mehr Ich als Wir“, findet Wilfried Schmaus. Der Rohrbacher ist der Motor des St. Pöltner Frauenfußballwunders. Er weiß, wovon er spricht.

Von der Landesliga führte er die SKN-Ladies bis in die Women‘s Champions League. Ob er heute noch einmal als Vereinschef anfangen würde? „Ich glaube nicht“, räumt Schmaus ein.

Was würde er einem jungen Funktionär raten? „Sich genau informieren, was ihn erwartet, Fortbildungsmöglichkeiten wie etwa die Funktionärsschulungen nutzen!“ Wilfried Schmaus hält es auch für eine gute Option, erst einmal als Stellvertreter in eine Funktion „hineinzuschuppern“. Und: „Eine Rechts- und Haftpflichtversicherung sollte sich jeder Verein zulegen.“

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