Gertrude Karner: „Die Pistole im Genick“. Gertrude Karner (89) schildert anlässlich der Filmpremiere „Eine bewegte Zeit“ der NÖN ihre erschütternden Eindrücke aus dem Zweiten Weltkrieg, die sie nie vergessen wird.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 19. März 2019 (18:25)
Wohlmann
Gertrude Karner erinnert sich noch genau an den Zweiten Weltkrieg in Hainfeld. Wohlmann

„Eine bewegte Zeit: Anschluss – Krieg – Wiederaufbau“: Der Film, der die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Hainfeld erzählt, wurde am Mittwoch im Hainfelder Kino gezeigt. Ehrengast war die darin mitwirkende, einzige noch lebende Zeitzeugin, Gertrude Karner. Im NÖN-Interview erzählt die 89-Jährige, was sie aus dieser Zeit bis heute begleitet.

NÖN: Wenn Sie an diese Zeit zurückdenken, was fällt Ihnen da spontan ein?
Gertrude Karner: Der Tag, als Hermann Göring mit dem Zug in die Stadt kam. Da war Aufruhr. Meine Eltern waren nicht für diese Politik, dennoch musste ich als kleines Kind Göring durchs Zugfenster die Hand reichen. Auch in Erinnerung habe ich unseren Schuldirektor. Er war zwar dann auch bei der SS, aber dennoch blieb er ein herzensguter Mensch. In dieser Zeit war es nicht leicht, dem Regime zu entkommen.

Wie haben Sie die Bombenangriffe auf die Stadt in Erinnerung?
Es war der 8. April 1945. Ich war Frisörlehrling und an diesem Tag ziemlich verschnupft. Ich hatte nur ein Stofftaschentuch und wollte deswegen nach Hause. Wir ahnten, dass es einen Angriff geben würde. Auf der Straße sprach mich dann ein Blockwart an und sagte: „Mäderl, tummel Dich!“ Ich lief schnell nach Hause. Plötzlich gingen die Bomben hernieder. Als es Entwarnung gab und ich im Geschäft nach dem Rechten sehen wollte, kam ich erneut an der Stelle vorbei, wo mich der Blockwart angesprochen hatte. Dort war kein Gebäude mehr, nur noch Schutt. Man fand ihn Wochen später tot darunter. Vermutlich war ich die Letzte, die ihn lebend sah.

Gab es in den Kriegswirren einen Moment, wo Sie dachten, Sie müssten starben?
Ja. Wir halfen immer auf einem Bauernhof in Bernau aus. Plötzlich packte mich in diesem Bereich ein SS-Mann und hielt mir eine Pistole ins Genick. Er wollte mich erschießen und begründete dies mit den Worten: „Ein deutsches Mädchen darf nicht in die Hände der Russen fallen.“ Im selben Moment schossen Russen in unsere Richtung. Er ließ sich niederfallen und ich konnte im letzten Moment fliehen.

Ihr Appell an die Generation von heute?
So ein Krieg darf nie wieder passieren.