Familie droht Abschiebung: Dorf kämpft für Bleiberecht. Die 12-jährige Mittelschülerin Selima Tavsultanov möchte in Hohenberg bleiben. Gemeinde sammelte Unterschriften.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 28. Dezember 2018 (04:27)
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500 Euro in Hohenbergtalern überreichten Beate Eingang, Sigrid Mitsan und Bürgermeister Heinz Preus an Selima, Aslan und Radmila Tavsultanov. Die Hohenberger Gemeindevertreter und Gewerbetreibenden hoffen, dass die Familie in Österreich bleiben darf.

Selima Tavsultanov besucht die erste Klasse der Neuen Mittelschule Hohenberg. Vielleicht nur noch bis Ende Jänner, denn dann wird entschieden, ob sie und ihre Familie nach Tschetschenien abgeschoben werden. „Wir haben einen Brief bekommen, dass dann die Entscheidung fällt“, erzählt die Zwölfjährige in fließendem Deutsch.

Dass sie und ihre Geschwister Yasmina (10) und Bruder Muhammad (3) sowie ihre Eltern Aslan und Radmila nicht mehr in das krisengeschüttelte Gosny, die dortige Hauptstadt, in der sie lebten, zurückwollen, ist klar. „Mein Vater hatte dort wirklich sehr große Probleme“, berichtet Selima. Welche Schwierigkeiten das genau waren und ob ihr Vater politisch verfolgt wurde, möchte die Familie nicht näher ausführen, nur so viel: „Wir wollen unbedingt in Hohenberg bleiben. Wir haben hier unsere Freunde und ein neues Zuhause gefunden.“

„Sie sind bestens integriert und gehören zu unserer Gemeinde“

Vor vier Jahren hat sich der Lastwagen-Chauffeur mit seiner Frau entschieden, die weite Reise von Tschetschenien in ein besseres Leben anzutreten und sie landeten schließlich in einer Flüchtlingsunterkunft nahe des Bahnhofs Lilienfeld. Seit November 2016 leben sie in einer Wohnung in Hohenberg. „Sie sind bestens integriert und gehören zu unserer Gemeinde“, unterstreicht SP-Bürgermeister Heinz Preus.

Was ihn sehr ärgert: „Herr Tavsultanov hat bereits mehrere Stellenangebote bekommen. Er ist arbeitswillig, hat einen Deutschkurs besucht, darf aber keinen Job annehmen, weil die Abschiebung im Raum steht.“ Dass die Familie noch immer kein humanitäres Bleiberecht hat, ist für ihn nicht nachvollziehbar. Daher hat er im Gemeinderat darüber berichtet und es wurden Unterschriften für einen Verbleib gesammelt. „Das haben die Mandatare aller Fraktionen unterschrieben, auch unser FP-Vertreter war federführend“, freut er sich über diese Einhelligkeit der Parteien und schmunzelt: „Bei uns in Hohenberg läuft alles gut, wenn auch manchmal ein wenig anders.“

„Wir wollen unbedingt hier bleiben. Wir haben hier unsere Freunde und ein neues Zuhause gefunden.“ Selima Tavsultanov, Schülerin

Die Hohenberger Gewerbetreibenden zeigten ebenso Herz. Im Zuge der Einkaufsnacht gab es einen Tortenbackwettbewerb. Der Reinerlös aus der Versteigerung der Gewinnertorte wurde den Tavsultanovs überreicht. Jetzt hoffen die Hohenberger auf ein Weihnachtswunder, dass die Familie bleiben darf.

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