Bezirk Lilienfeld: Unsichere Lage belastet. Online-Unterricht hat sich wesentlich verbessert. Sozialkompetenz bleibt aber auf der Strecke.

Von Bernhard Herzberger. Erstellt am 20. Januar 2021 (03:25)
„Die Kinder brauchen wen, der dabei sitzt und nach ihnen schaut, damit sie die Aufgaben gut erledigen können“, weiß Helmut Zehetmayer von der NÖ Bildungsdirektion um die großen Herausforderungen an die Eltern im Lockdown. 
Fabio Prince/shutterstock.com

„Der Lockdown der Bildungseinrichtungen macht Eltern und Schülern gleichermaßen zu schaffen. Viele erbringen hier wahrlich einen Kraftakt, um Familie, Schule und auch Beruf unter einen Hut zu bringen“, sagt Bernhard Tröstl, Elternvertreter an der Volksschule Türnitz.

„Der Lockdown der Bildungseinrichtungen macht Eltern und Schülern gleichermaßen zu schaffen"

Er spricht an, was unisono von allen Volks- und Mittelschulen im Bezirk zu hören ist: Das Homeschooling wird für alle Beteiligten zunehmend belastender. Die ungewisse Situation und das Warten von Woche zu Woche macht es noch schwerer, beschreibt Rohrbachs und Eschenaus Volksschuldirektorin Magdalena Fertner die Situation und hofft, ebenso wie ihre Kollegin Emilie Brandl, Leiterin an den Volksschulen in Türnitz, Annaberg und Mitterbach, dass die angekündigten Selbsttests und Impfungen mehr Sicherheit bringen. „Wir dürfen halt den Humor und die Zuversicht nicht verlieren“, sagt Herta Smetana, Direktorin an den Volksschulen Hainfeld und Ramsau.

Die Anzahl der vor Ort betreuten Schüler variiert sehr stark: Von einzelnen Kindern an den Mittelschulen bis zu 50 Prozent an einzelnen Volksschulen, heißt es aus der NÖ Bildungsdirektion. Helmut Zehetmayer, Covid-Beauftragter für den Bezirk, bestätigt die teilweise gedrückte Stimmung: „Es weiß eigentlich keiner, wie und ob es mit dem Präsenzunterricht weitergehen wird. Alle rechnen damit, dass es über weite Strecken wieder geht, aber wir dürfen nicht glauben, dass es ein normales zweites Halbjahr geben wird!“ Er wisse von vielen extrem belastenden Situationen, Problemstellungen und Einzelfällen, die man nicht vorhersehen und auch nicht alle per Verordnung regeln könne. Die Schulleiter wären hier sehr gefordert, diese mit Augenmaß und Hausverstand zu lösen, ist Zehetmayer dankbar für das Engagement der Direktoren.

„Wir dürfen halt den Humor und die Zuversicht nicht verlieren.“ Direktorin Herta Smetana, Hainfeld und Ramsau

Durch gute Teamarbeit im Schulkollegium und im Bewusstsein, dass die Krise für die Gesundheit der Bevölkerung und für den Bildungsfortschritt der Kinder eben mehr Arbeit abverlange, sei es zu schaffen, meint Direktorin Elisabeth Höhenberger von der Neuen Mittelschule Traisen. Als positiven Aspekt des Homeschoolings führt sie die Verbesserung der digitalen Kompetenzen aller Beteiligten an.

„Nach Anfangsschwierigkeiten im ersten Lockdown läuft es jetzt schon ganz gut“, sagt Höhenberger. Schüler und Lehrer hätten etwa im Umgang mit den Kanälen Teams und SchoolFox viel dazugelernt. Auch Roman Esletzbilchler, Elternvereinsobmann an Volks- und Mittelschule St. Aegyd, schätzt die beschleunigte Kommunikation: „Vorher hat es das gar nicht gegeben, jetzt funktioniert das tadellos“, sieht er darin eine Errungenschaft, die man aus der Krise mitnehmen kann.

Freilich — da und dort gibt es Probleme mit Internetversorgung und Handyempfang. In einigen Katastralgemeinden erschwert das den Unterricht nach wie vor, berichtet Martina Klarer, Leiterin an der Mittelschule St. Veit an der Gölsen.

Die großen Unterschiede bei der zur Verfügung stehenden Technologie hätten sich im Vergleich zum ersten Lockdown mittlerweile aber ausgeglichen, berichtet Helmut Zehetmayer von der Bildungsdirektion.

Wo daheim kein PC zur Verfügung steht, können sich die Schüler einen Laptop von der Schule ausborgen, oder es gibt in Ausnahmefällen die Möglichkeit, an der Schule einen Computer zu nutzen. „Schülern, die zu Hause technische Probleme haben, geben wir die Möglichkeit, in die Schule zur Betreuung zu kommen“, berichtet etwa Martin Simader, Leiter an der NMS Lilienfeld.

Online-Unterricht verbessert sich laufend

„Durch die Fokussierung auf das Wesentliche klappt das Distance-Learning grundsätzlich sehr gut“, sagt Martin Simader, Direktor an der NMS Lilienfeld.
Simader

Mit der Vermittlung der Unterrichtsinhalte ist er zufrieden: „Durch die Fokussierung auf das Wesentliche klappt das Distance-Learning grundsätzlich sehr gut“, sagt er. „Wir haben evaluiert und das Elternfeedback einfließen lassen. Deshalb kann ganz eindeutig gesagt werden: Der Online-Unterricht hat sich verbessert — wir sind ja auch eine ,lernende Schule‘“.  Simader hofft auf eine vernünftige Evaluierung der schulischen Erkenntnisse aus der Krise: „Digitale Kompetenz bedeutet für mich, das Nützliche qualitativ und quantitativ auszubauen.“ Der persönliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern im Rahmen des Präsenzunterrichts sei aber durch nichts ersetzbar.

Noch viel stärker setzt sich diese Einsicht an den Volksschulen durch: „In der Volksschule schaffen wir die Basis für späteres Vorankommen. Dabei ist der persönliche Kontakt zur Klassenlehrerin, zu den Mitschülern und Freunden wichtig“, sagt Magdalena Fertner. Die breit gefächerte Struktur des gegenseitigen Lernens werde dadurch, dass die Kinder einmal da sind und dann wieder nicht, unterbrochen, und es müsse immer wieder Neuorientierung geschaffen werden, beklagt sie die schwierige Situation.

„In der Volksschule schaffen wir die Basis für späteres Vorankommen. Dabei ist der persönliche Kontakt zur Klassenlehrerin, zu den Mitschülern und Freunden wichtig“

Kritisch sieht auch Kinder- und Jugendpsychologin Cornelia Steger aus Lilienfeld den Wegfall des in der Schuleintrittsphase so wichtigen sozialen Austausches. Die Entwicklungsstandskontrollen wären nur lückenhaft möglich: „Die Lehrer sehen im Homeschooling nicht, wie gut sich ein Kind im Klassenverband konzentrieren kann“, konstatiert sie für Nach-Corona-Zeiten Aufholbedarf bei der professionellen pädagogischen Begutachtung bei Kindern der ersten und zweiten Schulstufe, die zuletzt minimal präsent unterrichtet wurden.

Umfrage beendet

  • Ist die Rückkehr in die Schulen erst nach den Semesterferien sinnvoll?