Das Sterben des Wochenmarktes. Kein Gemüse, kein Fleisch, keine Naturkosmetik: Die Aussteller wollen nicht mehr nach Traisen. Es mangelt an Umsatz.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 19. März 2019 (04:20)
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Nur noch Käsemann Norbert Hejduk steht derzeit am Wochenmarkt. „Der Umsatz ist in Traisen um zwei Drittel zurückgegangen“, bedauert er. Vizebürgermeister Karl Slama versteht das Scheitern „seines“ Wochenmarktes nicht.

Verwaist sieht derzeit am Samstagvormittag der Traisner Rathausplatz, der eigentlich durch den Wochenmarkt ein belebtes Bild bieten sollte, aus. Nur ein Stand mit Käseprodukten stellt das komplette Wochenmarktangebot dar.

Die NÖN hat bei Wochenmarkt-Initiator und Traisens Vizebürgermeister Karl Slama nachgefragt, was denn der Grund für den Ausstellerschwund sei. „Das kann ich mir selbst nicht erklären. In anderen Gemeinden funktioniert das doch auch“, gibt er sich enttäuscht und versucht, das Scheitern des Konzeptes zu analysieren: „Anscheinend gehen die Traisner lieber in den Supermarkt, nur weil sie dort ein paar Cent weniger zahlen und sie haben kein großes Interesse an hochwertigen Produkten aus der Region.“

„Das kann ich mir selbst nicht erklären. In anderen Gemeinden funktioniert das doch auch“

Dabei hätte sich der Wochenmarkt, der im September 2017 eröffnet hat, als fixes Element im Traisner Gesellschaftsleben entwickeln sollen. Mit dem Ziel, durch regionale Waren mehr Bewusstsein beim Einkauf zu erwirken und so heimische Produzenten zu stärken. „Ich hatte den Wochenmarkt auch als Kommunikations- und Vernetzungstreffpunkt für die Bürger gedacht“, berichtet Slama.

Und: „Wir haben mit über 15 Ständen begonnen und es wurde kontinuierlich weniger. Die Gemüsehändlerin kam nicht mehr, der Bioladen sperrte überhaupt zu und das Unternehmen mit den Olivenölprodukten hat jetzt einen eigenen fixen Standort.“

„Wir versuchen jetzt noch einmal über die örtlichen Bauernvertreter, den Markt zu beleben.“ Karl Slama, Vizebürgermeister und Wochenmarktinitiator

Die Naturkosmetik aus Traisen stellt nur noch an ihrem sonstigen Standort beim Adlermarkt in St. Pölten-Spratzern aus. Der Verkäufer der Korbwaren kommt auch nicht mehr und die bäuerlichen Anbieter haben sich aus Umsatzmangel ebenso zurückgezogen. Zuletzt verabschiedete sich die Firma Walchshofer mit den Fleischwaren. Diese steht nun in St. Pölten am Wochenmarkt.

„Dabei haben wir so viele Akzente zur Belebung gesetzt“, erzählt Slama und verweist auf die Thementage im Vorjahr, wo man unter anderem die Schwerpunkte Wasser, Zuckerreduzierung und alte Obstsorten setzte. Auch hier kamen nur wenige Interessenten, der Umsatz für die Standler stieg nicht. „Wir versuchen jetzt noch einmal über die örtlichen Bauernvertreter, den Markt zu beleben“, kündigt Slama hoffnungsvoll an.

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