Entscheidung wurde vertagt. Bürgerliste präsentierte günstiges Neubau-Projekt um 520.000 Euro. Das soll jetzt geprüft werden.

Von Markus Zauner. Erstellt am 26. März 2019 (04:05)
Wohlmann
Anschluss des Ramsauer Kanalnetzes an die Zentralkläranlage des Abwasserverbandes Gölsental in Wiesenfeld (Bild) oder doch Bau einer neuen Kläranlage in Ramsau? Diese Frage ist nach wie vor offen.

Eigentlich schien im Gemeinderat alles für einen Beschluss zur Auflassung der veralteten Ramsauer Kläranlage und den Anschluss des öffentlichen Kanals an den Abwasserverband Gölsental angerichtet zu sein. Zumal dieser Punkt nach dem Sitzungsabbruch vom 14. März das zweite Mal auf der Tagesordnung stand, brauchte die VP-SP-Mehrheit diesmal gemäß Gemeindeordnung dafür die Anwesenheit der zuletzt ausgezogenen Bürgerliste nicht.

privat
Ferdinand Reicherstorfer stellte ein Angebot zum Bau einer neuen Kläranlage um 520.000 Euro vor, Gertraud Steinacher unterbrach die Sitzung zur Beratung.

In der Sitzung dann die Überraschung: Ferdinand Reicherstorfer (Bürgerliste) präsentierte ausführlich ein Firmen-Offert für den Neubau einer Kläranlage im Ort. Angebotssumme: 520.000 Euro. Im Vergleich dazu war bisher eine Neubauvariante über rund 1,7 Millionen Euro am Tisch gelegen. Der Kanal-Anschluss an den Abwasserverband würde der Gemeinde hingegen rund 1,2 Millionen Euro kosten, sagte Bürgermeisterin Gertraud Steinacher (VP).

Die Conclusio aus Reicherstorfers Ausführungen: Das von der Bürgerliste eingeholte Angebot zum Kläranlagen-Neubau komme dem Gebührenzahler um „ein Drittel günstiger“. Oder anders formuliert: Beim Anschluss an den Verband würde eine Kanalgebühr von 3,08 Euro pro Quadratmeter anfallen (derzeit 1,2 Euro). „Im Falle eines Neubaus dieser Kläranlage um 520.000 Euro sind es 2,02 Euro“, rechnete Reicherstorfer vor.

Emotionale Debatte im Gemeinderat

Nach einer großteils emotionalen Debatte, in der die Bürgerliste von bisher in der Kanal-Thematik „verschwiegenen“ und „versteckten Kosten“ sprach und die VP wiederum die Richtigkeit und Vollständigkeit der Zahlen des Bürgerlisten-Angebotes anzweifelte, unterbrach Bürgermeisterin Gertraud Steinacher die Sitzung zur Beratung mit ihrer Fraktion.

Um im Anschluss in Richtung Bürgerliste zu verkünden: „Wir geben Euch eine Chance.“ Beschlossen wurde demnach weder der Verbandsbeitritt noch ein Kläranlagen-Neubau. Stattdessen soll das vorgelegte Angebot der Bürgerliste näher geprüft werden und ein Lokalaugenschein bei einer bestehenden Kläranlage der anbietenden Firma erfolgen.

Die nächste Gemeinderatssitzung zur Causa Kanal kündigte Ortschefin Steinacher in rund vierzehn Tagen an.