Hitler als Leidenschaft: 15 Monate Haft für Eschenauer

Bilder und Audiodateien des „Führers“ verteilte Eschenauer mehrere Jahre und rief sogar zu Waffengewalt auf.

Erstellt am 08. Oktober 2021 | 04:38
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Foto: Von Zolnierek, Shutterstock.com

Eine hohe Faszination für die Person Adolf Hitler hegte ein Eschenauer. Dafür musste er sich nun am Freitag am St. Pöltner Landesgericht bei einem Geschworenenprozess verantworten.

Via verschiedener Messenger-Dienste soll er Nachrichten mit nationalsozialistischem Inhalt weitergeschickt haben – ein Verstoß gegen das Verbotsgesetz. Staatsanwalt Leopold Bien meinte bei der Verlesung der Anklageschrift: „Es wird wohl eine Mischung aus wirtschaftlicher Perspektivenlosigkeit und Aufstachelung in einem gewissen Milieu gewesen sein.“ Dennoch: Die Vorwürfe wiegen sehr schwer. Neben der Wiederbetätigung im nationalistischen Sinn soll er zu terroristischen Straftaten aufgefordert haben. „Er hat versucht, anderen ein positives Bild von Hitler und der NS-Zeit zu vermitteln“, führte der Staatsanwalt weiter aus.

Hitlers „Mein Kampf“ der Freundin geschickt

Die ersten Vorfälle sollen sich bereits 2017 ereignet haben. Damals soll er eine Bildmontage mit Adolf Hitler einem Bekannten übermittelt haben und dabei Worte wie „Du bist lustig. Dich vergase ich zuletzt!“ verwendet haben. Seiner Lebensgefährtin soll er Hitlers Buch „Mein Kampf“ als Audiodatei übermittelt und dabei den Wunsch „Bitte schau dir das an, wenn ich dir was wert bin“ geäußert haben. Die Audiodatei sei unzensuriert. Es ginge darin um den Krieg – seine Partnerin würde dadurch Hitlers Beweggründe verstehen.

Auch im Bereich der Corona-Maßnahmen ließ er seine nationalistische Gesinnung durchklingen. Lichtbilder von Hitler in propagandistischen Posen soll er weitergeschickt haben, ebenso die Worte „Mir treibt es jedes Mal Tränen in die Augen, wenn ich ihn (Anmerkung: Adolf Hitler) höre“. Die Welt würde eine fantastische Person wie ihn heute wieder brauchen. Es reiche nicht, zu demonstrieren. Alles andere als Waffengewalt sei sinnlos. „Damit fordert er zu Gewalt und Mord an führenden Zivilisten, an Gemeinden, auf. Das ist Terrorismus“, erklärte der Staatsanwalt weiter.

„Mir treibt es jedes Mal Tränen in die Augen, wenn ich ihn höre.“ Angeklagter in einer Mitteilung über Adolf Hitler

Der Angeklagte bekannte sich zuerst „teilweise schuldig“, auf Nachfrage des Richters dann doch als „schuldig“. „Ich habe den Blödsinn geschrieben. Es ist tatsächlich so, dass man da reinstürzt“, versuchte er, sein Verhalten zu entschuldigen. Er sei in keiner dieser Gruppen mehr drinnen. Dort würden sich eben Personen bewegen, die einen „schwärzeren Humor“ hätten.

„Ich war verblendet“, beteuert er. Von seiner Partnerin hätte er ihre Sichtweise erfahren wollen; daher hätte er ihr die Audiodatei übermittelt. Neonazi, betonte er, sei er keiner. Er hätte keine Fahnen zu Hause hängen. „Man muss dafür kein Nazi sein“, meinte der Staatsanwalt, aber ein mehrfaches Vergehen wie er es gesetzt hätte, schaffe den Nährboden für andere, die dann mitunter zur Tat schreiten, auch wenn man nicht selber zur Waffe greife. Da sich der Angeklagte geständig zeigte und auch sonst bislang unbescholten war, fällt das Urteil mit 15 Monaten Haft, bedingt mit einer Probezeit auf drei Jahren, relativ milde aus. Außerdem muss er 720 Euro Geldstrafe zahlen und die Prozesskosten tragen. Bewährungshilfe wird überdies angeordnet. Er nimmt das Urteil an, es ist rechtskräftig. gw