Lilienfeld

Erstellt am 14. März 2018, 17:16

von Claudia Stöcklöcker

Klares Urteil nach groß angelegter Diebestour. Nach Pleite mit ihrem Unternehmen geriet 27-Jährige auf die schiefe Bahn und machte des Nächtens fette Beute. Richter verdonnerte sie zu drei Jahren Gefängnis.

Symbolbild  |  Sutterstock.com, Christian Delbert

„Wenn in einem Garten die Wiese nicht gemäht ist, dann wohnt dort keiner“, sagt eine 27-Jährige aus Lilienfeld vor den Richtern. In leer stehende Häuser, Ferienhäuser, ins Stift Lilienfeld und das ehemalige Erholungsheim in Lehenrotte stieg die gebürtige Rumänin ein, gemeinsam mit ihrem Freund (31) und ihrem Bruder (17), und machte laut Staatsanwaltschaft bei 35 Coups Beute im Wert von rund 30.000 Euro.

Porzellan, Besteck, Gemälde und historische Foto-Alben wechselten bei den Coups genauso den Besitzer wie Fernseher und Waschmaschine. Auf Flohmärkten, im Internet und im Dorotheum wurde vieles davon verscherbelt.

„Wenn in einem Garten die Wiese nicht gemäht ist, dann wohnt dort keiner.“ Die Angeklagte, wie Tatorte ausgekundschaftet wurde

Eine Statue des heiligen Florian, die im Bezirk St. Pölten entwendet worden war, ließ die Bande in einem Auktionshaus schätzen und flog auf. Diebsgut wurde dann bei der Verhaftung gefunden, vieles den Eigentümern zurückgegeben.

Warum die Mutter zweier Kinder kriminell geworden war? Mit ihrem Geschäft erlitt sie Schiffbruch und hatte Pech mit Männern. „Mein Ehemann hat Geld verspielt“, sagt sie. Nach der Trennung traf sie einen Freund aus der Kindheit wieder. Mit ihm entdeckte sie im Heim in Lehenrotte ein Gemälde. Und ließ es mitgehen. „Er wollte mehr“, sagt sie über den Freund. Sie machte mit: „Ich habe ihn geliebt.“

„Mein Ehemann hat Geld verspielt“

Der Freund - er sitzt in U-Haft, ein Verfahren steht ihm noch ins Haus - fasste bereits neun Jahre Gefängnisstrafen aus. Den schwarzen Peter lässt er sich aber nicht zuschieben. „Sie lügt“, sagt er.

Um Milde bittet der Verteidiger der 27-Jährigen: „Sie hat mitgemacht, chauffiert, Beute verkauft, das wird nicht abgestritten. Ich möchte nicht um geringe Strafe betteln, aber die Not war erdrückend.“ Und der Rechtsanwalt weiters: „Niederösterreich will sie verlassen, sobald sie aus der Haft kommt, denn nach Lilienfeld kann sie nicht mehr zurück. Dort spuckt sie jeder an.“

Das letzte Wort der Angeklagten? „Es tut mir leid.“

Ein Senat verhängt drei Jahre gesiebte Luft (nicht rechtskräftig). „Im Leben der Angeklagten ist einiges schief gelaufen, dann hat sie versucht, finanzielle Probleme mit Straftaten zu lösen. Klar, dass das nicht das Gelbe vom Ei war“, sagt der vorsitzende Richter. Besonders verwerflich sei es, in die Privatsphäre anderer einzugreifen. „Denn das ist für die Opfer alles andere als angenehm“, so der Richter weiters.