Martin Müller reist mit dem Rad quer um die Welt. Rad-Weltreisender Martin Müller über die akute Gefahr auf russischen Straßen durch Lkw-Fahrer und weitere Erlebnisse.

Von Markus Zauner. Erstellt am 04. September 2019 (03:07)
Fotos und Ansicht: privat
Von den russischen Bürgern, wie hier, wird Martin Müller (r.) freundlich empfangen, nicht so von den Auto- und speziell Lkw-Fahrern.

Nichts für Untrainierte: Über die Slowakei, Polen, die Ukraine, Russland, Hawaii, die USA und die Karibik möchte Martin Müller innerhalb eines Jahres mit dem Fahrrad die Welt umrunden. Start für die 22.000 Kilometer lange Strecke  war Mitte Juni. Die NÖN erreichte den 63-jährigen Lilienfelder nach den ersten 7.200 Kilometern am Drahtesel zum großen Interview.

NOEN

NÖN: Wie viele Kilometer durch welche Länder sind Sie schon geradelt?
Martin Müller: Bis jetzt 7.200 Kilometer — durch die Slowakei, Polen und die Ukraine. Jetzt bin ich in Russland unterwegs.

Sie halten den Zeitplan ein?
Ich liege zwei Tage vor meinem Plan und werde daher länger am Baikalsee in Russland verweilen.

Was zählen Sie zu den bisherigen Höhepunkten Ihrer Reise?
Neben der Besichtigung von Kiew eindeutig die Erlebnisse mit den Gastfamilien. Die Menschen auf der ganzen Strecke sind überaus glücklich, dass ich gerade bei ihnen nächtige. Sie überhäufen mich mit Essen, Geschenken und aufrichtiger Bewunderung.

Im Gegenzug die traurigsten Erlebnisse? 
Traurig sind die unzähligen blumengeschmückten Gedenkstätten an der Straße, die von unzähligen Verkehrstoten zeugen.

"Aufs Bankett, sonst bist du tot!"

Mussten Sie auch schon gefährliche Situationen meistern?
Was ich in Russland in Sachen Verkehrsbrutalität tagtäglich erlebe, ist unfassbar. Der russische Autofahrer, insbesondere der Lkw-Fahrer, denkt, dass du als Radfahrer nichts auf seinen Straßen verloren hast. Zumindest sobald er kommt, solltest du schnellstmöglich den Asphalt verlassen und am Schotterbankett fahren. Die Brutalsten von ihnen, und das sind etwa 20 Prozent, zeigen dir das, indem sie dein Leben massiv bedrohen. Sie fahren mit hohem Tempo im Minimalabstand an dir vorbei, auch wenn sie keinen Gegenverkehr haben. Sie kommen dir beim Überholen auf deiner Fahrspur entgegen — und wenn du nicht von der Straße verschwindest, bist du tot. Solche Situationen passieren mir täglich unzählige Male.

Körper und Gerät kommen mit den Strapazen gut zurecht?
Mein Rad läuft wunderbar. Außer zwei Platten und einem Bruch des Gepäckträgers hatte ich noch keine Probleme. Die Straßen abseits der Hauptstraße sind in Russland in katastrophalem Zustand. Mein Körper kommt prächtig mit den Anforderungen zurecht. Bis auf einen heftigen Brechdurchfall, zurückzuführen auf verdorbenes Fleisch in einem Gasthaus, hatte ich bisher nicht die geringsten Probleme.

Wo und wie nächtigen Sie?
Ich nächtige zu 90 Prozent bei Gastfamilien, die ich über Couchsurfing und Warmshowers, eine Plattform speziell für Radler, angeschrieben habe.

Welche Strecke wollen Sie im September zurücklegen?
 Im September fahre ich vom Baikalsee bis Wladiwostok, das sind 4.000 Kilometer. Am 8. Oktober geht mein Flugzeug nach Hawaii. Dort bleibe ich fünf Wochen und versuche, ein Treffen mit Arnold Schwarzenegger in Santa Monica zu arrangieren.