Jugendlicher erfand Raubüberfall. Dass in der Landeshauptstadt brutale Überfälle verübt werden, ist mittlerweile keine Seltenheit. Den Überfall, den ein 17-Jähriger aus einem Ortsteil von Lilienfeld schilderte, hat es jedoch nie gegeben. Deshalb musste sich der Lehrling wegen der Vergehen der falschen Beweisaussage und der Vortäuschung einer strafbaren Handlung in einem Prozess am Landesgericht St. Pölten verantworten.

Von Alex Erber. Erstellt am 25. Februar 2021 (03:26)
Erna Kazic

Ende Oktober hatte ihm seine Mutter eine funkelnagelneue Jacke gekauft. Tags darauf war sie verschwunden. „Wo ist die Jacke?“, wollte die Frau wissen. Da tischte er eine abenteuerliche Geschichte auf, die er wenig später vor einer Beamtin der Polizeiinspektion Lilienfeld wiederholte.

Wortreich schilderte der Bursch, wie er mit dem Zug von Lilienfeld nach St. Pölten gefahren und dort in der Kremsergasse unterwegs gewesen sei. Eine sechsköpfige Gruppe habe ihn plötzlich zu sich gerufen, als er weitergegangen sei, soll er in eine Ecke gedrängt und der Jacke beraubt worden sein.

Die Lilienfelder Polizei setzte sich mit den Kollegen des St. Pöltner Kriminalreferates in Verbindung, die auf den ersten Blick erkannten, dass es sich bei dem vermeintlichen Raub in der Tat um eine „Raubersg‘schicht“ handelt. Abermals befragt, gab das „Opfer“ zu, dass er ein Märchen aufgetischt hatte.

Motiv: Der 17-Jährige kursiert im Drogenmilieu und hatte bei einem Dealer Schulden. Diese glich er mit der Jacke aus.

Vor Gericht legte der Bursch ein Geständnis ab, die von seinem Rechtsanwalt angestrebte Diversion kam aber nicht zustande, denn erst ein paar Monate zuvor hatte er sich wegen Verleumdung und falscher Zeugenaussage verantworten müssen. Diesmal hieß es - nicht rechtskräftig - drei Monate bedingt, eine begonnene Psychotherapie muss der junge Mann fortsetzen.