Muckenkogel-Wanderunfall: Verein muss blechen. Berufung abgewiesen, Unfallopfer bekommt vom Gericht 3.800 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Von Markus Zauner. Erstellt am 30. Oktober 2020 (04:08)
Der idyllische Blick vom Muckenkogel ins Tal wird durch das brisanteGerichtsurteil getrübt.
NÖN

Jetzt ist es amtlich: Die Berufung wurde abgewiesen, der Fremdenverkehrsverein (FVV) Lilienfeld als Wegehalter muss nach dem Wanderunfall am Muckenkogel rund 3.800 Euro Schmerzensgeld an das Unfallopfer und 1.700 Euro Verfahrenskosten berappen. Das geht aus dem (nun rechtskräftigen) Urteil des Oberlandesgerichtes Wien in letzter Instanz hervor, wie die NÖN exklusiv in Erfahrung bringen konnte. Geklagt hatte ein Wiener, weil im Juni 2018 am Berg ein Geländer gebrochen und der Wanderer daraufhin etwa 30 Meter in die Tiefe gestürzt war.

Das Berufungsgericht bestätigt damit das Ersturteil. Darin hieß es auszugsweise: „Zusammengefasst ist der beklagte Verein als Wegehalter der gegenständlichen Landfläche aufzufassen, war das am Weg angebrachte Geländer mangelhaft und die Mangelhaftigkeit dem beklagten Verein objektiv und subjektiv vorwerfbar. Die Haftung des Klägers besteht daher dem Grunde nach zu Recht.“

,,Recht hat ganz einfach nicht immer etwas mit Gerechtigkeit zu tun.“ Manuel Aichberger, Vizeortschef und Tourismusobmann

Das brisante Urteil sorgt bei der Gemeindespitze für Kopfschütteln. Derartige Ergebnisse seien dem Tourismus und dem Ehrenamt überhaupt alles andere als zuträglich, konstatiert Manuel Aichberger, Lilienfelder ÖVP-Vizeortschef und Obmann des Tourismusverbandes Traisen-Gölsental. „Umso wichtiger war es auch, das Ersturteil zu bekämpfen und den Gang bis zum Oberlandesgericht zu wagen. Recht hat ganz einfach nicht immer etwas mit Gerechtigkeit zu tun“, betont Aichberger. Gerade als studierter Jurist wisse er aber auch um die Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit sowie der unabhängigen, objektiven Rechtsprechung und Justiz. „Der Rechtsweg wurde bis in die letzte Instanz beschritten, alle Rechtsmittel wurden ausgeschöpft. Das vorliegende Urteil ist daher jedenfalls zu akzeptieren“, so der Vizeortschef.

FVV-Obmann Martin Tröstl bekräftigt seine Haltung, die er schon nach dem Ersturteil kundgetan hat. Angesichts der Tatsache, dass die Freiwilligen des FVV Lilienfeld jährlich für die bestmögliche Betreuung und Erhaltung eines rund 100 Kilometer langen Wegenetzes verantwortlich zeichnen, sei der Ehrenamtlichkeit durch dieses Gerichtsurteil „ein Bärendienst erwiesen worden“. Er hoffe künftig auf die Vernunft der Wanderer, ihre Wanderungen auch mit Eigenverantwortung durchzuführen. „Damit wir nicht immer die Befürchtung haben müssen, wegen Fehlverhalten vor Gericht gezerrt zu werden“, erklärt Martin Tröstl.