Rohrbachs Sternsinger-Aktion: „Die Kinder sehen: Hilfe ist vielseitig“

Erstellt am 14. Januar 2022 | 04:46
Lesezeit: 4 Min
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Sabine Berlakowitsch will Kindern mit der Sternsinger-Aktion vermitteln, wie vielseitig und nachhaltig Hilfe sein kann.
Foto: Steyrer
Sabine Berlakowitsch über Motivation und die Herausforderungen der Aktion.

Kinder und Jugendliche zogen wieder durch die Gemeinde, um die Sternsinger-Tradition weiterzutragen und Menschen zu unterstützen. Organisatorin Sabine Berlakowitsch erzählt über die Aktion und ihre Herausforderungen.

NÖN: Frau Berlakowitsch, wieso organisieren Sie Rohrbachs Sternsinger-Aktion?

Sabine Berlakowitsch: Sternsingen verbindet eine lieb gewordene Tradition mit der Hilfe für jene, denen es nicht so gut geht. Besonders positiv finde ich, dass wir mit der Aktion Kinder ansprechen und so früh das Bewusstsein wecken, dass es einen Unterschied macht, in welchem Land man geboren wird, ob man genug Essen hat, in die Schule gehen kann. Gleichzeitig können sie feststellen, dass sie einen Beitrag zu einer ausgeglichenen Welt leisten können. Mein Wunsch ist, dass sich das nachhaltig auswirkt und die Kinder sehen, wie vielseitig Hilfe sein kann. Beim Sternsingen spenden sie Zeit für Menschen in anderen Ländern, vielleicht spendet der Sternsinger oder die Sternsingerin von heute morgen Zeit den Nachbarn.

„Wir haben in Rohrbach ein gutes Miteinander von helfenden Händen.“

Wer hilft Ihnen bei der Organisation der Sternsinger-Aktion?

Die Sternsinger-Aktion ist natürlich mit viel Arbeit im Hintergrund verbunden, aber wir haben in Rohrbach ein gutes Miteinander von helfenden Händen. Kinder und Begleiter müssen eingeladen werden, mitzumachen. Je nach Alter der Sternsinger ist bei der Einteilung auf die Gebietsgröße zu achten, darauf, welche Gruppen Autofahrer benötigen, Gewänder und Kronen müssen ausgewählt und probiert und danach gereinigt und manchmal auch genäht werden. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um den so wertvollen und zuverlässigen Helferinnen zu danken, die diese Aktion bereits seit vielen Jahren unterstützen.

Ist es schwierig, Jahr für Jahr Kinder und Erwachsene zu motivieren, bei jedem Wetter durch das Dorf zu gehen?

2016 bis 2019 waren 40 bis 50, im Jahr 2020 sogar 57 Kinder und Jugendliche unterwegs, 2022 sind es mit 31 deutlich weniger. Traditionell kommt der größte Anteil der Sternsinger aus der Volksschule, Ältere sind schwerer zu motivieren und wären eher bereit, Spenden zu sammeln, wenn sie keine speziellen Gewänder tragen müssten. Das Sternsingen ist auch fester Bestandteil der Ministranten. Ebenso bekommen wir alle zwei Jahre Unterstützung, da das Sternsingen fixes Projekt der Firmvorbereitung ist. Mich freut auch, dass sich fast immer Eltern der Sternsingerkinder bereit erklären, die Gruppen zu begleiten. Auch eine Erwachsenengruppe mit Kirchenchor-Mitgliedern ist unterwegs. Ob die geringere Teilnehmerzahl der Pandemie geschuldet ist oder geburtenschwächeren Jahrgängen, werden wir in den nächsten Jahren feststellen. Grundsätzlich kann gesagt werden: Wir freuen uns über jede Anmeldung.

Hat sich seit der Pandemie etwas verändert?

Wir mussten deutlich an Flexibilität zulegen. Im letzten Jahr hatten wir Lockdown-bedingt keine Sternsinger-Aktion geplant, dann kam die Information, wir können doch, somit haben wir in Windeseile mit den Vorbereitungen begonnen, dann gab es Verschärfungen, so haben wir die Aktion wieder abgesagt und uns für das Aufstellen von Spendenboxen entschieden. Letztendlich wäre doch ein Von-Haus-zu-Haus-Gehen möglich gewesen. Aufgrund dieser Erfahrungen haben wir heuer ziemlich unbeirrt Vorbereitungen getroffen. Die Anmeldemöglichkeit haben wir in erster Linie aufs Telefon beschränkt. Das Einkleiden war wesentlich zeitaufwendiger, da wegen der Raumgröße nur wenige Kinder zeitgleich ihre Gewänder probieren konnten. Gewänder und Covid-Testkits bekam jedes Kind mit nach Hause.

Sind die Menschen immer gleich spendenfreudig?

Indem wir als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen, werden wir realer wahrgenommen als Spendenaufrufe in Medien. Daher zählt Sternsingen zu den erfolgreichsten Aktionen dieser Art. Im Wesentlichen war das Spendenaufkommen auf gleichem Niveau, mit Ausnahme des letzten Jahres. Das diesjährige Ergebnis bleibt noch abzuwarten.

Gab es besonders schöne Momente, wenn die Sternsinger unterwegs waren, oder hat es auch schon unangenehme Szenarien gegeben?

Im Allgemeinen werden die Sternsinger immer sehr freundlich empfangen, aber natürlich bleibt es im Laufe der Jahre auch nicht aus, auf weniger erfreute Bewohner zu treffen. Vor allem, wenn uns das Wetter wenig freundlich gesinnt ist, ist es die Bevölkerung umso mehr: ein heißer Tee, eine kurze Aufwärmpause, schnell nasse Handschuhe trocknen, ein Kekserl und Schokolade zwischendurch, das lässt Sturm, Regen oder Kälte besser meistern. Und manche unangenehme Aufregung ist eher dem im Schnee hängengebliebenen Wagen zuzuschreiben als unfreundlichen Menschen.