Ende der Fastenzeit: Lebensstil einfacher gestalten. Prior Pius Maurer berichtet von der Zeit im Stift und warum „Urlauber“ die Zeit dort verbringen.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 16. April 2019 (03:53)
NOEN

Die 40-tägige Fastenzeit ist bald vorbei. Mit der Karwoche beginnt eine besonders intensive Zeit im Stift Lilienfeld. Der Tagesablauf dort ändert sich während der ersten Wochen in der Fastenzeit nicht, erst zu den Exerzitien und den drei österlichen Tagen, die nicht mehr zur Fastenzeit zählen. Dann gibt es täglich zwei Impulsvorträge. „Die normalen pastoralen Aufgaben und die Büro- und Organisations-Arbeiten der Patres sollen in diesen drei Tagen ruhen. Die Exerzitien sind eine Zeit des Gebetes und der Besinnung“, erklärt Prior Pius Maurer.

Die drei österlichen Tage sind der Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres. Sie beginnen mit dem Abend des Gründonnerstags und dauern bis Ostersonntag. „Der Karfreitag und der Karsamstag sind – gemäß christlicher Tradition – sehr strenge Fasttage. Im Kloster wird das natürlich beachtet“, so der Prior. Es wird dann weder Fleisch noch Wurst gegessen.

„Man kann sich nur beim Mittagessen satt essen. Das Frühstück und das Abendessen sind bei uns da schon sehr karg“, so Maurer. An Wochentagen werde außerdem normalerweise kein Wein und kein Bier getrunken. Auch auf Süßigkeiten wird verzichtet. „Mit wenigen Ausnahmen zu besonderen Anlässen“, sagt Maurer.

„Man kann sich nur beim Mittagessen satt essen. Das Frühstück und das Abendessen sind bei uns da schon sehr karg.“ Pius Maurer, Stift Lilienfeld

Erst am späten Abend vor dem Ostersonntag, nach der liturgischen Feier der Osternacht, gebe es dann das österliche Festmahl: „Das schmeckt nach dem Fasten besonders gut.“

Die Fastenzeit ist in der christlichen Tradition die Vorbereitung auf Ostern. „Sie dient der spirituellen Erneuerung“, führt Maurer aus. Der spirituelle und österliche Charakter der Fastenzeit werde vor allem in der täglichen Klosterliturgie deutlich, da helfen Texte aus der Bibel und aus der christlichen Tradition, die Fastenzeit bewusst als Zeit der Umkehr zu erleben. Dabei hänge es von jedem Ordensmitglied selbst ab, wie intensiv er die Fastenzeit begehe, welche konkrete Vorsätze er sich zur eigenen geistlichen Erneuerung mache.

In der Fastenzeit nehmen sich die Ordensmitglieder mehr Zeit als sonst für Gebet und Besinnlichkeit. „Gerade die Fastenzeit lädt ein, zu schauen, ob der Lebensstil nicht irgendwo etwas einfacher sein kann“, führt der Prior aus, der die Beichte in dieser Zeit für besonders wertvoll hält, weil sie „den Menschen von innen reinigt“.

Tage in Stille für Gäste das ganze Jahr über

Das Stift Lilienfeld bietet nicht nur in der Fastenzeit, sondern das ganze Jahr hindurch die Möglichkeit, Tage der Stille zu verbringen. „Das heißt, Gäste können sich für einige Tage in das Stift zurückziehen. Bei uns ist es sehr angenehm ruhig in den Stiftsräumlichkeiten“, führt Maurer aus. Die Gäste können an den Gebeten der Mönche teilnehmen und die Atmosphäre des Klosters zu genießen. Speziell begleitete Fastenangebote gebe es jedoch nicht. Dennoch sind es jedes Jahr einige Gäste, die sich in der Fastenzeit in das Kloster zurückziehen. Die Gründe sind dabei vielfältig. Bewertet werden diese von den Ordensmitgliedern nicht.

Fasten könne aus verschiedenen Gründen wichtig und wertvoll sein. „Als Priester und Mönch ermuntere ich gerne zum Fasten aus christlich-religiösen Motiven. Es ist befreiend und beglückend, speziell in der Fastenzeit, mit Blick auf Christus und mit Blick auf Ostern, einen einfacheren Lebensstil zu pflegen“, sagt der Prior. Es gelinge dann vielleicht, sich von zur Last gewordenen Angewohnheiten oder Abhängigkeiten zu lösen. „Das kann als große Freiheit erfahren werden, die offen macht für eine stärkere Beziehung zu Christus und zur Kirche“, ist Maurer überzeugt.

Umfrage beendet

  • Ostern: Habt ihr heuer euer Fastenziel erreicht?